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Porte 12

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  • Porte 12

    Normalerweise teile ich die schlechteren Erfahrungen nicht öffentlich. Da Porte 12 aber von Le Fooding zum besten Restaurant 2015 gekürt wurde, könnte der ein oder andere vielleicht auf die Idee verfallen, dort einzukehren. Davor möchte ich Sie bewahren.

    Wir dachten, wir wären in einer Version von versteckter Kamera gelandet und gleich würde jemand auflösen, dass die fünf Herren in Kochkleidung in Wirklichkeit noch nie eine Küche von innen gesehen hätten. Und alle Gäste nur so taten, als schmecke es ihnen. Auch die, die auf der Empore auf frei werdende Tische warteten.

    Kein einziger Gang war ohne handwerkliche Fehler. Der Umgang mit Kappa, Lecithin, Glanzpulver, Trüffelaroma und vielem mehr, war schlicht lächerlich. Der Schaum teilte sich sogleich wieder, die Geltupfen zum Fenstereinwerfen, usw.

    Zwei Beispiele:

    eine well done gebratene ausgelöste Wachtelbrust mit Zwiebelsaft, zwei geflämmte Zwiebelstücke mit penetrant zwiebeligem Zwiebelpüree darunter und ein paar Salatblätter, deren Zellstruktur sich in dem warmen Zwiebelsaft nicht vorteilhaft veränderte.

    In einer Art Hasentrinkschale stand aufrecht eine gegarte, komplette Topinamburknolle, mittelbraun lackiert, mit Raucharoma verwöhnt. Um dieses Kunstwerk floss ein mit Trüffelaroma versehener weißer Schaum. Wobei dieser Schaum wenigstens die Textur behielt. Vielleicht hatte er Angst, zu sehr mit dem braunen Teil in Berührung zu kommen.

    Schade ums Geld. Ich kann mir all das nicht erklären, außer es hätte ein Besitzerwechsel stattgefunden.

  • #2
    Liebe cynara,

    danke für Ihre Eindrucke. Das ist in der Tat unerklärlich, gibt es doch so viele lobende Berichte über Porte 12. Hatte die Küchenbrigade vielleicht ein "bad kitchen day"? Ich habe mir allerdings ein paar Fotos von der Gängen angesehen, und die sehen nicht sehr appetitlich oder kunstvoll aus.

    Haben Sie mitbekommen, wie die anderen Gäste so reagiert haben? Wie war Service / Weinberatung? Waren Sie mittags oder abends da?

    VG
    wi

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    • #3
      Liebe WI,

      Wir waren abends da. Es gab am Service nicht dass geringste auszusetzen. Ich habe im komplett besetzten Restau auch keine negativen Äußerungen bemerkt. Es gibt sogar einen zweiten Service, weil das ganze (6 Gänge) doch recht zügig vonstatten geht und Gäste wirklich für die leer werdenden Plätze warten.

      Wir dachten ja deshalb, wir seien nicht normal. Es war auch nicht so, dass man nichts essen konnte. Eine Taubenbrust war ordentlich gegart, desgleichen beim Fischgang der Kabeljau. Ich konnte leider mit der Komposition der Teller, den fehlerhaften Elementen, mit der Anrichteweise und letztlich mit dem Geschmack nichts anfangen. Deshalb eher nicht bad kitchen day, sondern Konzept. Ich bin natürlich schon verunsichert, dass ich gegen so versierte Kritiker stehe, kann es aber nicht ändern.

      Sollte Michelin nun noch mit Lob nachziehen, werde ich über die Transplantation einiger Nervenzellen nachdenken. LG. Cynara.

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      • #4
        Zitat von cynara Beitrag anzeigen
        werde ich über die Transplantation einiger Nervenzellen nachdenken. LG. Cynara.
        Liebe cynara,

        ich bin mir absolut sicher, dass mit Ihren Nervenzellen alles in Ordnung ist.

        Es scheint für mich auch eher ein konzeptionelles Problem zu sein. Interessant ist jedoch, dass Andre Chiang als Pate dafür steht, und wir haben seine Küche als sehr traditionell francofil erlebt, seine Teller sehen auch sehr kunstvoll aus. Für uns war die Küche sogar so sehr "französisch", das wir diese zu langweilig fanden.

        Porte 12 scheint aber ganz andere Richtung anzuschlagen... warten wir mal ab, wohin das führt.
        LG

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        • #5
          Zitat von cynara Beitrag anzeigen

          Sollte Michelin nun noch mit Lob nachziehen, werde ich über die Transplantation einiger Nervenzellen nachdenken. LG. Cynara.
          Behalten sie ihre spitze Zunge, spitzen sie diese ständig erneut an und bewahren sie ihr wunderbar ausgeprägtes analytisches Empfinden, sie haben recht.

          Da ich Ihre Menüfolge nicht gegessen habe, kann ich nicht darauf eingehen aber...

          Sie haben gemerkt, dass es nicht sonderlich befriedigend ist was sie serviert bekamen aber die zwei Tatsachen, dass keiner ihrer (hoffentlich französisch) besetzten Nachbartische den Sturm wagte und das obendrein weitere Gäste warteten, stimmte sie defensiv bis kurz vor der Bereitschaft zur Versöhnlichkeit.

          Plötzlich waren sie der Fehler im augenscheinlich perfekten System.

          "eine wartende Meute" die mir und allen andern suggeriert ich wäre am rechten Platz, íst ein Marketinginstrument welches jeder kalt kalkulierende Laden ausspielen kann.
          Selbst ich in meiner Kneipe könnte mir eine Schlange vor die Tür stellen, wenn Ertrag die wichtigste Intention aller Handlung wäre. Knallhart überreservieren und mit offenem Sprutz vertrösten, ist einer der Schlüssel zur maximalen Auslastung, erzeugt aber langfristig keine Gästebindung.

          Sollte ich falsch liegen gilt die Beschimpfung denen, welche den Laden zum Angesagtesten machten, diese die versuchten die Nachfrage über die natürliche Kapazität zu heben und die am Ende Schuld sind, dass die Küche unter Volllast nicht liefern kann.

          Gute Nacht fürs Erste...

          Passepartout
          Zuletzt geändert von passepartout; 21.01.2015, 09:30.

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