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Piège / Le Grand Restaurant**

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  • Piège / Le Grand Restaurant**

    Etwas Zeit, wertes Forum, brauch' ich noch, um meine Gedanken zu ordnen. Aber die Weinbegleitung soll schon mal gesondert erwähnt werden; allein deswegen, weil sie sich wohltuend von von mir erlebten Weinbegleitungen, wohlgemerkt auch in höhersternigen Lokalen, wo gelegentlich und dann und wann mit großer Geste (allenfalls mittelmäßige) Entdeckungen eingeschenkt werden, abhebt.
    Der Vortrunk war ein Ruinart Rosé bzw ein Blanc de Blancs 2006 von Duval Leroy. Die Gläser werden hier, wie auch bei den Weinen, großzügig befüllt. Zu den Vorspeisen gibt es einen Puligny Montrachet 1er Cru 2008 Les Perrières von Carillon. Zum Hummer Terrasses de l'Empire, ein Condrieu von G.Vernay. Für die Briesfraktion dann einen Chambolle Musigny Les Fuées von Patrice Rion, für die Lämmler (die Lamm-Essenden, hat nix mit Fellbach zu tun) Côte Rôtie Les Rochains 2010 Bonnefond, den Roten zum Käse hab' ich leider verdaddelt, ein Pinot noir aus der Region Auxey, nicht so elegant wie der Chambolle, aber von charmanter Geschmeidigkeit, dem es gelang, an meinem Antireflex, Käse = Weißwein, zu rütteln. Zum Nachtisch dann einen Uroulat.
    Da war kein Wein dabei, mit dem man nicht sofort seine Badewanne hätte befüllen lassen wollen

  • #2
    so funktioniert unser aller Hobby

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    • #3
      Herrlich!

      Aber: wer "begleitet" da eigentlich wen?

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      • #4
        Ui. Das hört sich klasse an. Da muss ich beim nächsten Paris-Aufenthalt mal hin. Aber ist das nicht dieses Restaurant, in dem man so schwer einen Tisch bekommt?

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        • #5
          Erlauben Sie, daß ich meinen Bericht mit einem Haiku beginne (kleine Anmerkung: mit bénitier ist nicht das Weihwasserbecken gemeint)

          Une soupe de palourdes
          au début, le bénitier
          sera pour la nuit


          In der Tat, es ist nicht ganz einfach, dort einen Tisch zu reservieren. Man muß genau vierzehn Tage vor dem erhofften Termin anrufen, um neun Uhr, und die Wahrscheinlichkeit, solange das Besetztzeichen zu hören, bis alle Tische vergeben sind, ist sehr groß. Ein kleiner "Zufall", genauer will ich hier nicht werden (ggfs PN), kam uns hier zur Hilfe.
          Die Tische, das sind sechs oder sieben, sind in der Etage über der Brasserie Thoumieux gelegen. Man klingelt, sagt seinen Namen, und wird dann in diesem Salon empfangen, in dem sich auch unser Bel-Ami hätte wohl fühlen können, hätte er in den 1950gern gelebt. Um die Tische stehen Sessel und Sofas, Schäßloo würden wir Schwaben sagen; und da man zunächst etwas niedrig sitzt, gibt es unzählige Kissen, mit deren Hilfe die optimale Sitzposition erreicht werden kann. Hinter einer Glaswand werkeln für uns gut zwanzig Gäste fünf Köche, M. Piège ist mit dabei; und nochmals soviele Mitarbeiter sind für den Service zuständig.
          Champagner? Gerne - und kurz überleg' ich mir, was für diesen großartigen Stoff wohl berechnet wird, nicht ahnend, daß auch diese Gläser im Gesamtpaket mitenthalten sind.
          Was bestellt man? Die Auswahl ist beschränkt, auf Vorspeisen und Nachtische kann man nicht Einfluß nehmen, allein aus vier Hauptgerichten läßt sich wählen: will ich eins - oder zwei. Die Preise liegen in etwa bei: ein Hauptgericht 155, zwei 175, das Gesamtpaket 265 €. das heißt aber, daß die oben aufgeführte Weinbegleitung gerade mal mit 90 € berechnet wird.

          Es beginnt mit einer Art Kroepoek, mit einer Paste aus Jakobsmuscheln und schwarzem Sesam bestrichen. Ja, das schmeckt gut. Dann aber eine soufflierte und frittierte Kartoffel, auf einer konzentrierten, wiewohl charmanten Krustentiernage schwimmend, gefüllt mit einer Langustinencreme, über allem thront ein gar nicht mal so kleiner Osietra-Hügel, rasch in zwei Happen in den Mund geschoben, damit die Kartoffel zum Erweichen keine Muße findet, wunderbar.
          Grüner Spargel aus der Provence, dazu eine Hollandaise mit Kapuzinerkresse und, das galt es zu erraten, Safran; die Hollandaise erschien uns zu überdimensioniert, es blieb jedoch kein Gran davon übrig.
          Nun gab's Getreide, ein Gerstensoufflé mit Morcheln; die Gerste hier ein charmanter Begleiter, die Morcheln jedoch, mon Dieu, in einer Reduktion eines Juraweines, was denn auch sonst, leider hab' ich verpasst, genau nachzufragen, so bleibt nur das Gut, Château d'Arley.
          Der letzte Vorspeisengang ist ein gâteau de foie blond. Aber was war das? Geflügelleber, unter Schaum, in himmlischer Creme, dazu Flußkrebsstücke, und wenn von unserem qwertz das Wort "Wohlgeschmack" ins Gespräch gebracht wurde, hier war er, à cent pour cent.
          Nun erst wurden Brot und Butter gebracht, GottseiDank, denn beides von herausragender Qualität, gewiß hätte ich mich daran schon halb satt gespachtelt.

          Nun erscheint der Ober mit einer großen Pfanne an unserem Tisch. Betörender Duft erfüllt den ganzen Salon, scharf angebraten, in der frisch aufgebrochenen Schale, liegt der Hummer. Eine kleine Weile später liegen die Stücke, ausgelöst wohlgemerkt, auf unserem Teller. Das scharf Angebratene hat sich allerdings dem eigentlichen Hummerfleisch gar nicht so sehr mitgeteilt, das Fleisch ist zart, es wird von süßem Paprika, Koriander, ein wenig Kokos und ein wenig Gänseleber begleitet, vollkommen stimmig, besser habe ich Hummer noch nicht gegessen.
          Beim zweiten Hauptgericht hatte sich unser Tisch geteilt; einmal gab es Lamm (Lozère), la Côte comme il faut, auf einer Emulsion von Kichererbsen; und, weiter ins Maghreb abdriftend, der Lammnacken als Boulette in einer Ras el Hanout-Bouillon (jaja, in der arabischen Welt würde man das Wort Bouillon sicher vermeiden), dazu etwas CousCous, aber das war kein semoule, vielmehr ganz fein gehackter Blumenkohl. Das erstemal war hier am Tisch nicht einhelliger Jubel zu vernehmen. Das Lammfleischküchle war halt schon ordentlich algerisch-lammig.
          Die Nicht-Lämmler bekamen Bries, frittiert in einer Art Mischung aus mie de pain und pain-crumble. Die Briesteile waren dabei derart dick, wie ich sie so kaum gesehen habe, wenn ich zehn Zentimeter sage, ist das eher noch untertrieben. Sie hatten also, wiewohl sie ja einer Temperatur ausgesetzt waren, die die Panade zum Erbräunen brachte, keinerlei Chancen, an Zartheit zu verlieren. Hier hatten wir übrigens etwas nachgesalzen; aber da alles uns bisher Dargebotene, was Salz, Pfeffer und sonstige Würzung betraf, so unvergleichlich subtil und gekonnt war, vermute ich mal, daß uns diese Aktion eher als Dilettanten entlarvt hat. Unterlegt war das Bries von einer unaufdringlichen Bärlauchcreme, und dazu gab es nochmals - wie, zweimal dieselben Ingredienzien in einem Mahl? Quatsch! Hurra! - Morcheln.

          Der Käse dann von Xavier, Toulouse. Vier/fünf Käse von extraordinärem Geschmack in ultimativem Reifegrad, dabei zum Beispiel ein Bleu de Séverac, der, ebenfalls pur brebis, viele von mir schon verkostete Roquefort in den Schatten stellte. Den Wein zum Käse hab' ich doch noch herausbekommen, Bourgogne Leroy, nur der Jahrgang fehlt. Beim Essen des Bleu, kurzer Blick nach oben, Ablegen des Besteckes - und sofort steht ein Ober am Tisch. Genau, ein Porto, und er bringt etwas wunderbar fruchtiges, keine spürbare Oxidation.

          Jetzt müssen nur noch die Gourmandises herhalten.
          Lait caillé au café Kent d'Unna, feuille de sablé choco, noix de pécan, pamplemousse confit ... und genauso schmeckt das Zeugs auch.
          Sur l'idée d'un cocktail Clémantina, pâté à baba, piment jalapenos givré, agrumes ... mehr, ich will mehr davon, die Jalapenos übrigens nur angedeutet, weit weg von "schaumalwieichscharfkann"
          "Mon blanc à manger" eine Art Bayrisch-Creme mit fruchtig-gelbem Interieur und krachendem Deckelchen, sicherlich eine Anspielung auf ein Crillon-Gericht, wo sich aus einer weißen Eischneemasse das Eigelb ergoß, unter einem Trüffeldeckelchen
          Und nun noch eine Eiercreme mit Bergamotte, aus irgendeinem Grunde im pique-nique-Körbchen serviert.
          Den Abschluß bildet eine, zum Café servierte, Schokoladenüberraschungskugel, vom Ober auf den Tisch geworfen, und allerlei schokoladiges und nussiges zeigt sich in den Schokoladentrümmern ...

          Piège hat zwei Sterne. Hummer, Bries, Foie blond zum Beispiel liegen klar darüber. Es ist eine tolle Idee, carte-blanche-artig für eine kleine Gemeinde zu kochen. Wahrscheinlich hat der Chef in seinen hektischen Streßjahren im Ambassadeurs oft von dieser Art des Kochens geträumt.

          Gruß
          s.
          Zuletzt geändert von Schlaraffenland; 15.05.2015, 22:42.

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          • #6
            Na, das freut mich sehr, dass es Ihnen auch so gut gefiel!
            Und da sieht man mal wieder meine Ahnungslosigkeit: die Qualität der Weinbegleitung erschloss sich mir bei unserem Besuch gar nicht...

            Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
            "Mon blanc à manger" eine Art Bayrisch-Creme mit fruchtig-gelbem Interieur und krachendem Deckelchen, ...
            Für mich war das vor allem eine Art Umkehrung der "île flottante" oder der "Oeuf à la neige".

            Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
            ... sicherlich eine Anspielung auf ein Crillon-Gericht, wo sich aus einer weißen Eischneemasse das Eigelb ergoß
            So ist das doch bei dem Dessert auch? Also, eigelbe Bavaroise.


            Piège, so munkelt man, zieht mit dem Restaurant übrigens um, im Herbst.

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            • #7
              Zitat von brigante Beitrag anzeigen

              Piège, so munkelt man, zieht mit dem Restaurant übrigens um, im Herbst.

              wissen sie bereits wohin?
              Zuletzt geändert von passepartout; 17.05.2015, 14:50.

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              • #8
                "Für mich war das vor allem eine Art Umkehrung der "île flottante" oder der "Oeuf à la neige"."
                So ungefähr beschreibt es Pudlowski auch. Er gibt übrigens Piège drei Pudlowski-Einheiten, also die Höchstnote. Dutournier bekommt bei ihm aber auch drei Symbole, genauso wie das Taillevent. Ist er also ein schlicht Konservativer? Allerdings bekommt D.Toutain bei ihm - mit zwei Pudlowskis - die beste Bewertung aller Bewertenden.
                Wenn ich ehrlich bin, es fällt mir schwer, die Desserts rückblickend genau auseinanderhalten zu können, was die Konsistenz anging, waren sie sich doch recht ähnlich; (und das soll keine Kritik sein, im Gegenteil, ich hätte mir diese Teilchen noch stundenlang ... Sie wissen, was ich meine, Marcello Masturbani ...
                Mit kulinarischen Grüßen
                schlaraffenland
                PS: ich hab' Ihren Bericht erst jetzt gerade gelesen. Schappoo, wir man unter Kulinarikern zu sagen pflegt. GottseiDank haben Sie Sich von Nebenkriegsschauplätzen wie z.B. nichtabgeräumten Tellern und ähnlichem Tinnef entfernt.
                (aber selbst hier noch eine kleine Anmerkung: in Ihrem Bericht fällt ein Ober durch eine (vermeintliche) Arroganz etwas auf. Ich ahne, wen Sie gemeint haben. Bei uns hat er seine Arbeiten emotionsarm, aber professionell verrichtet. Allerdings war er derjenige, der an meiner Seite stand, als ich zum Blauschimmelkäse einen anderen Wein erträumte. Und in kürzester Zeit stand er mit diesem göttlichen Port am Tisch. Wie oft schon hab' ich einem Sommelier zu verstehen gegeben, daß mir der im Glase befindliche Wein zum Essen gerade nicht paßt, und wie oft wurde mir dann etwas passendes gereicht, etwa ein Lichtjahr, nachdem der Teller schon aufgefuttert war ... )
                PS II: Schade, sehr schade, daß Sie hier nicht mehr über Ihre Esserlebnisse berichten. Wegen mir nur zusammenfassend, oder auch nur in Schlüsselwörtern.
                PS III: doch, ich hab' schon mitbekommen, daß es da atmosphärische Störungen zum Forumsbetreiber gibt. Aber gäbe es da nicht doch die - naiv? natürlich bin ich naiv! - Möglichkeit zu sagten: Scheiß d'rauf, unser Ziel ist ein gemeinsames.

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                • #9
                  Lieber Schlaraffe,

                  vielen Dank für den, wie immer, sehr lesenswerten Bericht. Seitdem G. ein Teilchen aus der relativ neu eröffneten Patisserie (Gâteaux Thoumieux) verspeist hat, steht Piège auf seinem Wunschzettel.

                  Wenn man nicht weit in die Zukunft reservieren muss/will: auf der website online das gewünschte Datum ausgewählen und kurze Zeit später kommt die Bestätigung. Ich konnte fast nicht glauben, dass es so einfach funktioniert.

                  Das neue Restaurant soll seinen Platz angeblich in der Rue de la Boétie (8eme) finden und im September öffnen. Nach Clover das zweite Projekt innerhalb kurzer Zeit.

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                  • #10
                    http://www.lefigaro.fr/gastronomie/2...restaurant.php

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                    • #11
                      Der neue Chef ist gefunden, Sylvestre Wahid. Er hatte sich in Les Baux schon zwei Sterne erkocht.
                      "Le chef franco-pakistanais, ancien chef de L'Oustau de Baumanière, deux-étoiles aux Baux-de-Provence, et du Strato à Courchevel est né au Pakistan, où il a passé une partie de son enfance. Il a fait ses armes auprès de Thierry Marx au Cheval Blanc (Nîmes) et a fait partie de l'équipe d'Alain Ducasse au Plaza Athénée... sous Jean-François Piège."

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                      • #12
                        Dank der guten Hinweise hier im Forum fiel die Wahl der ersten Reservierung für Paris leicht. Jean-Francois Piège und sein neues Restaurant sollte es sein. Das Restaurant liegt etwas versteckt in einer Seitenstraße der vornehmen Faubourg St.-Honoré, ist aber leicht zu finden, auch wenn der Eingang recht diskret gestaltet ist. Ich hatte mir das Restaurant viel größer vorgestellt. Links eine verglaste kleine Küche. Rechts ein Weinkühlschrank und schon ist man im Speisesaal, der auch ohne Fenster nicht beengt wirkt, aber wirklich nicht groß ist. Ca. 20-25 Leute finden an ein paar Tischen Platz. Als Apéritif gibt es eine - wie ich finde - gut gewählte Auswahl für jeden Geschmack. Kleiner Betrieb (Berèche Brut Réserve), Rosé-Bestseller (Billecart-Salmon) und Grande Maison Luxuscuvée (Laurent Perrier Grand Siècle). Der Berèche gefiel mir gut trotz einer etwas unsauberen Nase, aber mit großartiger Präzision und Kreidigkeit im Mund.

                        Es gibt zwei Menüs zur Auswahl (Menu de Saison und Menu Signature). Dazu noch mehrere à la carte Gerichte, überwiegend aus den Menüs. Das Menu Signature schien für einen ersten Besuch eine gute Wahl, um die Klassiker der Küche kennenzulernen. Und schon waren die ersten kleinen Snacks am Tisch: eine Blätterteigstange, etwas Frittiertes mit Aubergine, ein Teilchen mit Foie Gras und etwas mit geräuchertem Kabeljau. Alles gut, nichts berauschend (das muss aber m.E. bei den kleinen Snacks auch nicht sein). Die Weinkarte ist gut sortiert mit einem großen Schwerpunkt auf dem Burgund - in weiß wie in rot. Aber auch aus den anderen Regionen gibt es viele spannende Flaschen - Ostertag, Zind-Humbrecht, Ganevat, Gangloff, Chave, usw. Angesichts des hohen Lobes von Schlaraffenland bezüglich der Weinbegleitung musste es aber dieselbige sein, die sich als Volltreffer erwies. Wenn doch nur mehr Restaurants so eine Weinbegleitung anbieten würden, die sowohl spontan gewählt erscheint als auch zu jedem Gang nicht nur durchdacht, sondern auch auf den ersten Blick nicht gerade offensichtlich ist.

                        Pomme Soufflée Craquante - Emulsion de Crustacés - Caviar und dazu Albert Boxler - 2012 Alsace Pinot Blanc. Der Gang wird in einem zweigeschossigen Silberei serviert - oben die soufflierte Kartoffel mit einer sehr generös portionierten Nocke Kaviar. Das Obergeschoss kann man nicht anders essen als ordentlich "rumzusauen" Die Kartoffel thront auf einem Loch, in das vor allem der Kaviar reinfällt. Aber was für eine simple und trotzdem tolle Kombination. Ist die Kartoffel aufgegessen kann man sich dem Untergeschoss widmen, in dem gelierter und dem Geruch nach zu urteilen geräucherter Krustentiersud neben noch mehr Kaviar liegt. Auch diese Kombination ist großartig. Ich wäre nicht auf die Idee gekommen, hierzu einen Pinot Blanc aus dem Elsass zu servieren, aber der ohnehin schon tolle Wein hob das Gericht nochmal etwas höher - diese leicht kandierte Zitrustfrüchte-artige Note des Weins passte gerade zu dem Krustentiergelée hervorragend.

                        Jetzt kommt der Kellner vorbei und zeigt einem schon einmal das Stück Rind, das es später geben wird, wie es auf einer Art Mini-Grill liegt, in dem unten bereits die Kastanien rauchen. Ich habe es noch nicht ganz verstanden und vielleicht können die Piège-Experten dazu etwas sagen. Es scheint aber, als ob Jean-Francois Piège das Grillen dem Braten vorzieht? (mijotée). Egal, weiter geht's.

                        Noix de Saint-Jacques mijotée à cru sur des Châtaignes, celeri au four, truffe noir, haddock und dazu Vincent Dancer - 2011 Chassagne-Montrachet 1er Cru Tête du Clos. Wow, was für ein tolles Gericht, das auch so üppig portioniert ist, dass man sich etwas länger damit beschäftigen kann. Zwei Jakobsmuscheln wurden über Kastanien gegrillt - in der Mitte horizontal durchgeschnitten und sehr schön serviert mit einer Art Béchamel-Sauce mit Kastanien, Sellerie und vermutlich auch Räucher-Kabeljau vermengt. Und oben drauf abwechselnd hauchdünne Apfelscheiben und nicht ganz so hauchdünne Scheiben sehr subtilen schwarzen Perigord-Trüffels. An diesem Gericht zeigt sich auch die Kunst der Dosierung - der Apfel hätte nicht dicker sein dürfen, die Trüffel aber auch nicht dünner. Das Gericht ist nussig, ganz dezent fruchtig, sehr fein im Geschmack - ein Hochgenuss und dies insbesondere mit dem sensationellen Chassagne-Montrachet, bei dem das Holz nur Struktur und keinen Geschmack gibt, der unglaublich fein und subtil ist. Laufend wird großzügig nachgeschenkt.

                        Ma version du Gâteau de Foie Blonde selon Lucien Tendret - baigné d'une sauce des ecrevisses. Und dazu weiterhin der köstliche Chassagne-Montrachet. Das Gericht hat Schlaraffenland weiter oben ja schon sehr gut beschrieben. Hier waren aber auch noch einmal nicht wenige schwarze Trüffelscheiben drübergehobelt. Ich möchte Schlaraffenlands Beschreibung noch hinzufügen, dass erstens die Kombination aus dem luftigen Leberflan und den Flusskrebsen absolut bestechend ist. Und es zweitens eine hohe Kunst ist, einen nicht zu konzentrierten, aber auch nicht zu faden Flusskrebssud hinzubekommen, der genau das richtige Level an Intensität hat, um den Leberflan mehr zu umschmeicheln als in die Ecke zu drängen. Großartig und zu Recht ein "Signature-Dish".

                        Boeuf Prime Angus en Mijoté Moderne - Tendons Soufflés und Patrick Jasmin - 2011 Côte Rotie. Hier und auch nur hier zeigt das Menü kleine Schwächen. Das blutig gegrillte Fleisch ist zwar großartig (und wieder sehr üppig portioniert) und ist mit ein paar Sprenkeln Salz und etwas Pfeffer noch großartiger. Die Beilagen sind dafür aber ziemlich schwach. Eine eher fruchtig gehaltene Sauce (Granatapfel mit Hibiskus? So hat sie jedenfalls grob geschmeckt) neutralisiert das Fleisch eher, als dass sie es unterstützt. Das à part gereichte Walnusspüree ist in diesem Moment etwas zu üppig und völlig deplatziert wirkt eine gigantische "Schweinekrustenskulptur", in der sich diverse kleine Tupfer von wasweißich befinden. Bis auf das Rind habe ich den Rest einfach ignoriert. Hervorragend ist aber auch hier der Wein, der zwar noch sehr jung, aber schon sehr schön geschmeidig ist und mit seinen Blut- und Blumenaromen und seiner dunklen Frucht sehr gut zum Black Angus passt.

                        Podium de Fromages fermiers de chez Xavier, affinées pour nous. Der Sommelier fragt vorsichtig nach, ob er beim Côte Rotie bleiben soll oder etwas anderes servieren soll. Angesichts dieser suggestiven Frage darf er gerne etwas anderes servieren, auch wenn der Côte Rotie so wunderbar ist. Es lohnt sich immer, gute Sommeliers einfach mal machen zu lassen. Denn der Domaine des Terrasses d'Elise - 2012 IGP de Herault "Pradel" aus 100% Cinsault ist nicht nur ein überraschend guter Wein - süffig, wunderbar herb-fruchtig, sehr tief -, sondern auch ein Volltreffer zu den Käsen und zwar sogar zu den beiden solo sehr strengen Chèvres. Die Käseauswahl (offen gesagt alle Namen vergessen) ist über jeden Zweifel erhaben, perfekt affiniert und auch in der Kombination und Reihenfolge harmonisch ausgewählt.

                        Blanc-Manger. Auch hierüber wurde weiter oben ja schon diskutiert. Das Pré-Dessert wurde tatsächlich als "Variation d'une Île Flottante" angekündigt und ist so simpel wie großartig. Muss man gegessen haben.

                        Mandarine, Rose, Safran, Sésame, Pâte à Baba. Das war entweder das beste Dessert, das ich bislang gegessen habe, oder jedenfalls eines der besten. An diesem Dessert zeigt sich, wie man mit einfachen Mitteln etwas Großartiges erschaffen kann. Filetierte Mandarinen, etwas kandierte Mandarinenschale, unglaublich intensiv nach Sesam schmeckende kleine Sesamcracker, Safran an diversen Stellen (ein Eis, im Baba Teig?) und kleine nach Rose schmeckende Tupfer. Jeder Bissen macht glücklich. Das Dessert hat unglaublich viel Tiefgang, ist aber sofort überschaubar und leicht zu "verstehen". Komplex, nicht kompliziert. Serviert wird dazu ein japanischer Likör, der offenbar auf Sake-Basis erzeugt und mit Yuzu aromatisiert wird. Großartig.

                        Dann gibt es noch eine Bergamotte-Crème und eine Schokoladenkugel, die auf den Tisch fallen gelassen wird und diverse Kleinigkeiten freigibt. Einen Café noch, ein paar Worte mit Herrn Piège gewechselt, und dann war es das. Leider. Das war eines der besten Essen der letzten Jahre. Das Essen wirkt sowohl auf der Höhe der heutigen Kochkunst als auch deren Auswüchse vermeidend. Nichts (mit Ausnahme dieser komischen Schweinekruste) hier ist technisiert, verkopft, kompliziert oder affektiert. Im Vordergrund steht aber auch nicht nur ein Hauptprodukt. Die Gerichte von Piège - vor allem die Foie Blonde mit den Flusskrebsen, das Blanc-Manger und das Dessert - wirken vielmehr wie moderne Klassiker. So wie z.B. die Trüffelsuppe von Paul Bocuse, der Lachs mit Sauerampfer der Frères Troisgros, die Schnecken mit Brennnesseln von Bernard Loiseau oder die Foie Gras mit Artischocken von Eugène Brazier. Wenn da nicht irgendwann mal drei Sterne vom Himmel fallen, weiß ich auch nicht mehr weiter.

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                        • #13
                          Toller Bericht, lieber rocco

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                          • #14
                            Werter rocco,
                            herzlichen Dank für den tollen Bericht, man möchte sofort reservieren, ich zaudere nur noch wegen unseres Nachwuchses...(samstagmittag leider zu)
                            Mijoté moderen ist, vermute ich, eine Garvariante, mit der Piège spielt, die irgendwo zwischen sous-vide und schomren liegtund in jedem Fall wohl zeitinensiv ist, jm2C

                            MkG, S.

                            P.S. Liebe Leser, ich bin hin- und hergerissen, leider sind zahlreiche Abendessen innerhalb einer Woche nicht finanzierbar und Piège hat Samstagmittag leider zu.
                            Bis dato haben wir einen Samstagmittagtisch im Clarence und Hoffnung auf einen Abendtisch im Septime.
                            Im A.T. hätten wir einen Abendtisch, werden den aber wohl nicht nehmen, da man mir partout ein ganzes Menue für unseren Fünfjährigen aufschwatzen will bzw uns alternativ irgendein Kellerlokal angeboten hat.
                            Nun bin ich nach den jüngsten Berichten geneigt, noch einen Abend unter der Woche Piège ins Programm zu nehmen.
                            Ich würde mich über Ihre sehr geschätzte Meinung freuen, ob es z.B. stilistisch starke Überschneidungen unter den genannten gibt oder ein "muß nicht sein" oder dezidierte Mewinungen zum Programm...alle Empfehlungen werden gern angenommen (außer "Kinder vor Paris veräußern", wir möchten die Jungs bewußt früh auch kulinarisch sozialisieren).

                            P.P.S. @ rocco zum Hauptgang: das Walnusspürree kommt wohl daher, daß wohl auch das Fleisch auf Walnußschalen gegart wurde. Die Schweinskruste ist wohl eher (entsprechend der akt. Karte) eine soufflierte vulgo frittierte Sehne.
                            Zuletzt geändert von Sphérico; 11.01.2016, 12:27.

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                            • #15
                              Lieber Rocco,

                              auch von mir ganz ganz herzlichen Dank. Der Besuch ist eingeplant. Zwangsläufig, nachdem sowohl Sie als auch Herr Schlaraffe derart schwärmen. Könnten Sie vielleicht noch was zu den Preisen sagen? Ich finde nix.

                              Lieber Sphérico,

                              ich wünsche Ihnen und der Family wunderschöne Tage in Paris. Und bitte schreiben Sie was zu Ihren Restaurantbesuchen, wenn Sie zurück sind.

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