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Le Clarence

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  • #16
    Zum Essen melde ich mich demnächst. Als Weine hatten wir:

    Pierre Peters - 2005 Champagne Les Chetillons. Gut, aber angesichts des Kults um diesen Champagner nu so lala

    Domaine Weinbach - 2013 Riesling Cuvee Colette. Fantastisch, frisch, tief, schon jung super komplex.

    Domaine Arretxea - 2008 Irouleguy Blanc Hexogurri. Ebenfalls fantastisch, erste Reifenoten, eher üppig, aber sehr fest

    Domaine Gauby - 2007 Cotes Catalanes Blanc VV. Super intensiv, ausladend, eine Aromenbombe

    Clos du Mont Olivet - 1998 Châteauneuf du Pape. Der Wein des Abends, seidig, zart, Stil wie Rayas und fast so gut.

    Clos Naudin- 1989 Vouvray Moelleux Reserve. Super gereifter Vouvray, nicht zu süß, perfekt balanciert, sehr typisch und pikant

    Durchschnittspreis pro Flasche waren ca. 100 Euro, wobei der Vouvray mit Abstand der teuerste war

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    • #17
      Herzlichen Dank, lieber rocco, für die Weinliste und die kleine Beschreibung dazu. Wir werden davon Gebrauch machen. LG Cynara

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      • #18
        Zitat von QWERTZ Beitrag anzeigen
        Es werden mit Käse aromatisierte Kugeln aus Teig serviert. Es folgt eine gratinierte Muschel, sowie eine in Teig ausgebackene Blume.
        Ich möchte nur anmerken, dass es sich um köstliche gougères handelt; ein den Parisern nicht unwichtiges Gebäck, für das Figaroscope sogar eine eigene Bestenliste erstellt hat. Und die Blume ist eine Speisechrysantheme.

        Zitat von QWERTZ Beitrag anzeigen
        Cremiger Abschluss
        Nur noch einmal klug...: der cremige Abschluss ist in eine Dacquoise gebettet. Die gibt es schon seit Bigarrade-Zeiten. Schön, wenn Tradition so gut schmeckt.
        Zuletzt geändert von cynara; 18.04.2017, 09:28.

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        • #19
          Zitat von QWERTZ Beitrag anzeigen
          Zumal in Paris die klassischen süßen Desserts noch zu dominieren scheinen.
          Und das begrüße ich ausdrücklich. Im Gegenteil, ich bedauere, dass es in Deutschland stellenweise gar nicht mehr ohne eine Gemüsekomponente funktionieren möchte (aktuell im Trend: rote Beete, Blattsalat, Topinambur).

          Ein fabelhafter Bericht, werter QWERTZ. Damit bringen Sie mich schon wieder in die Verlegenheit Paris endlich wieder auf die Reiseagenda zu setzen.

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          • #20
            Aber gerade bei dieser Menge von Desserts, wie bei Alleno, Ducasse und im Le Clarence wäre ein minder-süßes Gemüse-Kräuter-Dessert kein Nachteil gewesen. Die Abwechslung macht's (für mich).

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            • #21
              Vielen Dank an QWERTZ auch für diesen abschließenden Paris-Bericht. Mir hat das Le Clarence von allen besuchten Restaurants vielleicht sogar am besten gefallen. Ich fand das Ambiente fantastisch, auch und gerade, weil es nicht so professionell war. Als wir ankamen, war niemand am Empfang und die Reinigungskraft saugte noch den Treppenteppich. Dann wurden wir irgendwann in den Salon begleitet. Es hatte was von bei Freunden zu Gast sein. Auch die Weinkarte fand ich super, da sind unglaublich viele hervorragende Weine für (für Pariser Verhältnisse) kleines Geld drauf, wenn man sich eher auf die unbekannteren Regionen wie Loire, Elsass, Südwesten, Languedoc-Roussillon, Provence, Beaujolais, Jura oder Savoyen konzentriert. Und das Restaurant wirkt ambitioniert, eine der besten Weinkarten von Paris zusammenzustellen.

              Das Essen war auch super. Das als "Amuse" oben dargestellte Gericht war übrigens der erste Gang: es war eine Jakobsmuschel in einer Wasabi-Tempura-Hülle mit einer Mayonaise darunter und Thunfisch oben drauf. Das Menü war für meinen Geschmack eine Art Essenz der französischen Küche mit deutlichen regionalen Einflüssen, die sich aber nicht so leicht zuordnen ließen, eher abstrakt für die französische Regionalküche standen. Sehr gut fand ich auch die Individualität des Menüs. Mit Ausnahme von ein oder zwei der Desserts war hier nichts gewöhnlich oder so ähnlich wie woanders. Schließlich hat mir die Klassik des gesamten Menüs mit der Weinkarte und dem Ambiente gefallen. Und etwas "raw" war es dazu noch.

              Es wäre echt schön, wenn sich das Le Clarence diesen freigeistigen Style etwas länger bewahren könnte. Auch wenn es mir sowohl bei Ducasse, im Astrance und vor allem bei Alleno ganz hervorragend gefallen hat, würde meine Wahl beim nächsten Paris-Besuch wahrscheinlich wieder auf die **-Restaurants fallen, die mir alle drei besonders gut gefallen haben: Le Clarence, Sylvestre, Piège.

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              • #22
                Das stimmt, dass das Le Clarence wahrscheinlich das meiste Protenzial hat, auch bei einem zweiten Besuch spannend zu sein, weil es eben eine gewisse Unkonvetionalität gibt und das trotz des klassischen Ambientes.
                Zuletzt geändert von QWERTZ; 20.04.2017, 17:22.

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                • #23
                  Unweit der Champs-Élysée findet sich das Hotel „Le Clarence“, das auch das gleichnamige Restaurant beheimatet. Von außen betrachtet ist klar, dass dies keines der pompösen Grandhotels mit einer Armada von Doormen ist, sondern mehr den Charme eines eleganten Stadthauses atmet. Betritt man es, gibt es auch nur einen kleinen Empfangstresen, der so gar nichts von den riesigen Rezeptionen anderer Häuser hat. Das hier wirkt vom ersten Moment an deutlich privater. Und auch der Duft des Kamins, der sich durch das Treppenhaus zieht, unterstreicht diesen anheimelnden Charakter.

                  Besitzer des Hauses ist Prinz Robert von Luxemburg, Miteigentümer der weltberühmten Weingüter Châteaux Haut-Brion und La Mission Haut-Brion, deren Dachgesellschaft Domaine Clarence Dillon in diesem Haus auch ihr Headquarter unterhält.
                  So ist es auch nicht verwunderlich, dass im rechten Teil des Gebäudes eine Weinhandlung untergebracht ist, in der wir die Zeit bis zur Öffnung des Restaurants verbringen. In diversen Räumen und vor allem im Kellergewölbe finden sich alle großen Namen, die Weinliebhaber unruhig werden lassen und das oft auch noch in Flaschengrößen, bei denen sich zwangsläufig die Frage nach dem Versicherungswert alleine dieses Raumes stellt.

                  Das Restaurant, das sich auf drei Räume aufteilt, befindet sich im ersten Stock, in das wir vom überaus herzlichen Herrn am Empfang begleitet werden, der gleich erkennt, dass wir Deutsche sind und in makelloses deutsch wechselt. Bei der Verabschiedung erzählt er uns, dass er in Frankfurt eine Weinhandlung betrieb, mit einer chinesischen Opernsängerin verheiratet ist und noch ein paar Sprachen mehr beherrscht. Selten haben wir eine so persönliche und freundliche Begrüßung und Verabschiedung erlebt. Bravo!

                  Das Interieur ist mit Stilmöbeln und einer beeindruckenden Bibliothek so aristokratisch, wie man es tatsächlich auch erwartet.


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                  Interieur

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                  Ganz untypisch für ein Restaurant in diesem Rahmen ist die Tatsache, dass es keine Speisekarte gibt, sondern nur ein Carte Blanche-Menü in wahlweise in 3 Gängen (130€), 5 Gängen (190€) oder 7 Gängen (320€). Mittags kann man zwischen 3, 4 und 6 Gängen wählen. Wenn man schon mal da ist, entscheiden wir uns für das „Inspiration“-Menü in 7 Gängen.

                  Den ausgezeichneten Champagner, ein 100% Pinot Noir von der Domaine Petit & Bajan, begleiten erste feine Snacks, darunter eine Bulot-Schnecke, ein knusprig frittiertes monegassisches Teiggebäck mit Frischkäse und Zitrone sowie herzhafte Nuss-Gougères.

                  Leider ohne Bild folgte noch ein Amuse Bouche in Form von frittiertem Reis mit Scheiben von roher Jakobsmuschel und einer Brunnenkressecreme. Während der Reis für mich eine etwas gummiartige Konsistenz aufweist, hat die Muschel eine makellose Qualität und die Sauce ist ausgezeichnet. Abgerundet wird das Ganze von einer Blüte, die an Schnittlauch erinnert, aber eine ganz überraschende Aromatik in dieses Gericht bringt.

                  Im Anschluss serviert der Service ein noch warmes Blätterteig-Brioche, das sich als unfassbar buttrig üppige Angelegenheit erweist und zum Besten gehört, was ich an Blätterteig je gegessen habe.

                  Ab jetzt erhöhen Service und Küche deutlich die Schlagzahl. Zwar ist uns beim ersten Schälchen noch nicht klar, ob dies eventuell noch ein weiteres Amuse ist oder bereits der erste Gang sein soll. Ein Stück Langoustine, also Kaisergranat, mit Hummercorail ist unter den Kräutern kaum zu erkennen. Petersilienbutter aromatisiert das Krustentier sehr fein.

                  Dass es sich nicht um ein Amuse Bouche handelt, wird klar, als noch während wir essen bereits der zweite Teller gebracht wird, auf dem sich ebenfalls ein Stück Kaisergranat findet, jedoch diesmal mit einer milden Mozzarella-Creme und Champignons, was das Tier in einen gänzlich anderen Kontext setzt.


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                  Langoustine – Hummercorail
                  Langoustine - Champignons – Mozzarella

                  Auch der dritte Teil der Inszenierung bleibt sehr konzentriert auf wenige Komponenten. Diesmal kommt der Kaisergranat nur mit etwas Rettich und einer Kaviarcreme. Im Gegensatz zu den ersten Tellern, die zum einen frischen und herben, zum anderen einen erdigeren Charakter präsentierten, ist die Kaviarcreme durchaus üppiger. Allerdings ist der Kaviar sehr mild, so dass er nur wenige jodige Töne beisteuert und dem Hauptdarsteller nicht die Schau stiehlt.


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                  Langoustine - Kaviarcreme

                  Da an dieser Stelle Brot und Butter serviert werden, gehen wir davon aus, dass damit der erste Gang erledigt ist und wir ahnen, dass dieser Abend nicht den klassischen Tellergerichten eines normalen Menüs folgt.

                  Aber wir liegen offensichtlich falsch, denn während ich noch ein kurzes Fazit zu diesem Dreierlei notiere, kommt der nächste Teller, der eine gegrillte halbe Langoustine relativ pur und nur mit einer kleinen Nocke von, ich würde mal sagen, Zwiebelchutney präsentiert. Hier sind natürlich die Röstaromen sehr präsent, aber wenn man ein Produkt in dieser Qualität hat, braucht es auch nicht mehr. Und während wir uns noch beim Essen über die sehr puristische Darbietung Gedanken machen, kommt auch schon der nächste Teil in Form einer Schere, die nur ganz minimal mit Oregano und japanischem Senf aromatisiert ist.
                  Alleine an diesem exakt gegarten Stück wird deutlich, dass es hier ganz offenbar vor allem um Präzision geht. Eine so minimalistische Präsentation kann nur dann funktionieren, wenn die Garzeit auf die Sekunde genau eingehalten wird und die Würze subtil, aber prägnant eingesetzt wird. Und das ist bei dieser Schere genau der Fall.


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                  Langoustine – gegrillt
                  Langoustine - Schere – Oregano

                  Wir beschließen, dass nun der erste Gang endgültig beendet ist, denn ganz offensichtlich ist das Thema Langoustine nun wirklich durch dekliniert.
                  Im nächsten Schälchen findet sich Red Snapper mit einer würzigen Creme und Schwarzwurzel. Auch hier lebt die Komposition von der ausgezeichneten Qualität des Fisches und einer feinen Abstimmung der übrigen Komponenten. Die Creme sorgt hier für eine süffige Verbindung.


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                  Red Snapper - Schwarzwurzel – Condiments

                  Komplex und ungewöhnlich geht es weiter mit Rotbarbe, die begleitet ist von einem Taubenragout, Blutorange und Bottarga. Das Ragout lenkt das Gericht in eine etwas erdige Richtung, jedoch ohne den Fisch zu überdecken. Und auch Blutorange und Bottarga setzen spannende Akzente. Das ist ein wirklich unerwarteter und überzeugender Gang.


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                  Rotbarbe - Taubenragout - Bottarga – Blutorange

                  Unter einer Bohnensabayon findet sich eine schwarze Polenta, die die Bühne gibt für ein Stück zarten Pulpos.


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                  Pulpo - Bohnensabayon – Polenta

                  Es folgt ein Stück Glattbutt auf einem cremigen Ragout mit grünem Spargel. Das alleine wäre fast zu gefällig. Daher sorgt hier eine korsische Wurst für markante Würze. Ebenfalls sehr gut.


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                  Glattbutt - Korsische Wurst – Spargel

                  Die Taktung bleibt zügig und schon haben wir eine Beef-Consommé auf dem Tisch, die ungeheuer dicht und aromatisch ist, fast schon leicht klebrig, was dafür spricht, dass man sich hier richtig viel Zeit für das Einkochen gelassen hat. Als Einlage dient eine Auster, die in erster Linie eine interessante Textur beisteuert. Geschmacklich geht sie in der hoch konzentrierten Brühe etwas unter.


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                  Beeftea – Auster

                  Mit einem Ravioli mit Ricottafüllung geht es weiter. Der Teig ist für meinen Geschmack etwas zu dick geraten. Der Seeigel sorgt für eine leichte Meeresnote, bleibt aber ansonsten relativ zurückhaltend.


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                  Ravioli - Ricotta – Seeigel

                  An dieser Stelle des Menüs haben wir längst aufgegeben, uns darüber Gedanken zu machen, was hier womöglich zusammen gehört und wann ein Gang endet und der nächste beginnt. Auch eine klassische Menüfolge lässt sich nicht wirklich erkennen.
                  Das bestätigt dann auch gleich der nächste Teller, der eine gegrillte Garnele mit Sauce Périgourdine präsentiert. Erneut wird es ganz puristisch und durchaus archaisch. Denn die Garnele ist nur teilweise geschält. Den Kopf auszusaugen ist dringend empfohlen, denn da steckt reichlich Geschmack drin. Die Sauce ist sowieso wunderbar und eine tolle Kombination zu den kräftigen Grillaromen.


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                  Garnele – Trüffelsauce

                  Da wir jetzt bei einem klassischen Tellergericht mit Taube angekommen sind, haben wir die Orientierung im Menü wieder gefunden. Die Taubenbrust ist exzellent gegart und auf schwarzem japanischem Reis gebettet. Dazu gibt es ein Stück Aal, der mit Miso lackiert ist. Angegossen wird eine fabelhafte Taubenjus.
                  À part wird noch eine Kartoffelmousseline gereicht, der man eine üppige Portion Trüffel gegönnt hat.
                  So klassisch dieser Gang in der Präsentation anmutet, so ungewöhnlich und mutig finde ich die Kombination Taube und Aal sowie die japanische Akzentuierung.


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                  Taubenbrust - Aal – Reis
                  Kartoffelmousseline – Trüffel

                  Mit einem Teil gibt sich aber Christophe Pelé auch bei diesem Gericht nicht zufrieden. Und so wird im Anschluss ein Wagen an den Tisch gerollt, auf dem eine Artischockentarte darauf wartet, halbiert zu werden.
                  Sie bildet die Beilage zum kleinen Filet von der Taube und ist der eigentliche Star auf diesem Teller. Die Tarte ist auf sensationellem Blätterteig gebacken und von erneut großartiger Trüffelsauce bedeckt.
                  Waren bisher die Portionen recht übersichtlich, aber durchaus schon gut sättigend, ist spätestens mit den beiden Taubengerichten der Punkt erreicht, an dem es beginnt, etwas anstrengend zu werden, denn so köstlich die Tarte auch ist, aber sie füllt schon ganz erheblich.


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                  Taubenfilet - Artischocke – Trüffelsauce

                  Das hindert uns jedoch nicht, auch vom Käsewagen eine Auswahl zu nehmen. Dass der Service die Stücke jedoch derart großzügig portioniert, treibt die Sättigung zusätzlich voran.

                  Den Dessert-Reigen leiten zwei Pré-Desserts ein. Eine Zitronencreme mit Kumquats erinnert von der Konsistenz an eine ausgezeichnete Panna Cotta, durch die noch ein Hauch Ingwer durchschimmert.
                  Begeisternd finde ich aber vor allem das Granité von Sauerampfer, das ganz puren Kräutergeschmack liefert.

                  Im folgenden baut der Service Waffeln mit einer Tonkabohnen-Sahne und einem karamellisierten Tonkasud, ein Paris-Brest mit Pekannuss sowie ein Baiser mit Vanillesauce und Joghurteis auf.
                  Die Waffeln sind super locker, das Paris-Brest ebenfalls luftig und mit klassischer Sahne, aber ganz hervorragend ist der Baiser. In dessen Inneren sorgt fein abgeschmeckter Milchreis für Überraschung und eine weitere texturelle Ebene in diesem monochrom weißen Gericht.


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                  Waffel – Tonkabohne
                  Paris Brest – Pekannuss
                  Meringue - Joghurt - Milchreis

                  Doch auch hiermit ist es noch nicht getan. Denn ein zweites Dessert-Dreierlei rund um das Thema Schokolade muss auch noch sein. Das Soufflé betört zwar mit einem hervorragenden Geschmack, ist aber nicht durchgebacken und im Inneren noch sehr flüssig. Vielleicht soll das so sein. Mir hätten ein paar Minuten mehr Backzeit allerdings nichts ausgemacht.
                  Nichts zu meckern gibt es hingegen am perfekten Vanilleeis auf Schokobröseln und am Parfait, das ein wenig an Luftschokolade erinnert.


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                  Schokoladensoufflé - Parfait – Vanilleeis

                  Nach dieser ausufernden Süßspeisen-Orgie braucht es keine große Batterie an Petits Fours mehr und so beschränkt sich die Küche auch auf nur noch ein Gebäck mit Sahnefüllung. An dieser Stelle müssen wir jedoch leider streiken. Der Sättigungsgrad war schon vor mehr als einer Stunde überschritten.

                  Selten gehen wir in ein Restaurant, ohne eine wirkliche Vorstellung davon zu haben, was uns erwartet. Natürlich hatte ich im Vorfeld die ein oder andere Kritik gelesen, aber dennoch war es überraschend zu sehen, wie unkonventionell, puristisch und modern Christophe Pelé in diesem aristokratischen Rahmen aufkocht. Das steht durchaus in einem gewissen Widerspruch, weil man hier eher eine klassische Menüfolge mit auskomponierten Tellergerichten erwarten würde.

                  Statt dessen wird hier eine Abfolge von Miniaturen abgefeuert, die manchmal ein Thema durchdeklinieren, manchmal für sich stehen und die Grenzen zwischen den Gängen verschwimmen lassen. Pelé kombiniert gerne Fisch und Fleisch, was zu erstaunlichen Ergebnissen führt, wenn man alleine an die Rotbarbe mit Taubenragout denkt oder die Taube mit Aal.
                  Wer stellenweise so minimalistisch und durchaus auch intuitiv kocht, muss sich seiner Sache und seines Handwerks sehr sicher sein. Denn gerade, wenn nicht unzählige Komponenten ein Gericht zudecken, würde jeder Fehler gnadenlos sichtbar. Präzision in der Würzung und bei der Garzeit sind hier essentiell und die beherrscht Pelé scheinbar schlafwandlerisch.

                  Die Küche im „Le Clarence“ präsentiert sich in ihrer Reduzierung aufs Wesentliche ganz zeitgemäß, selbst wenn es bei den Desserts dann doch noch mal traditionell wird. Auch wenn die Portionen teilweise recht überschaubar wirken, sind wir am Ende derart gut gesättigt, wie selten zuvor nach einem derartigen Menü. Aber auch sehr zufrieden.

                  Während wir das Essen noch resümieren, widmen wir uns den Resten unseres Weins. Angesichts der bestens bestückten Weinhandlung und des Eigentümers wundert es nicht, dass dem Gast hier gleich zwei Weinkarten präsentiert werden.
                  Während eine Karte ausschließlich den Weinen der eigenen Weingüter vorbehalten ist, widmet sich die zweite Karte vor allem den übrigen Regionen Frankreichs und listet für ein Restaurant dieser Klasse eine erfreulich große Zahl bezahlbarer Flaschen, oft auch im zweistelligen Bereich.

                  Der Service bleibt zwar den ganzen Abend über etwas distanziert, ist aber jederzeit formvollendet, aufmerksam und freundlich. Angesichts der zahlreichen Teller, die zu servieren sind, bleibt allerdings auch kaum Zeit für Smalltalks.

                  Aber auch so verbringen wir einen Abend, der mich kulinarisch noch eine ganze Weile beschäftigt und nachhaltig fasziniert.



                  Bericht und mehr Bilder auch auf meinem Blog: http://tischnotizen.de/le-clarence-paris/

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                  • #24
                    Vielen Dank für den Bericht, der mich an einen wunderbaren Restaurantbesuch erinnert. Die Patisserie-Orgie habe ist in der Tat bemerkenswert dort Die Kombinationsfreude der Küche macht sie in der Tat besonders.

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                    • #25
                      Vielen Dank für Ihren Bericht bei welchem mir aufgefallen ist, dass ich zu meinem Besuch im Herbst 2018 gar nichts geschrieben hatte, ich habe daher meine Eindrücke nochmal zusammengefasst, wobei diese natürlich jetzt eher der Dokumentation als aktuellen Eindrücken zuträglich ist.

                      Wir sind hier damals an einem sonnigen Samstagmittag eingekehrt nach einer Reservierung bei La Fourchette, die man interessanterweise nicht weiter bestätigen musste (auch nicht mit Kreditkartendaten). Das Haus ist gelegen an der Avenue Franklin Roosevelt in einer sehr gehobenen Gegend von Paris aber gleichzeitig hat mich überrascht wie klein und heimisch alles ist – es ist keine große Villa wie im Pré Catelan im Stadtwald sondern man betritt ein Haus, geht die Treppe hoch und wird dann in eins von mehreren Zimmern geführt die alle in Summe des Restaurant ergeben. Dadurch ist man hier natürlich in einer sehr ruhigen und isolierten Atmosphäre. Es erinnert ein wenig an die unscheinbaren alten Häuser in London, die von innen den Luxus atmen.

                      Wir hatten uns für das Mittagsmenü entschieden, welches es meine ich mittags für €85 für 3 Gänge gab (aktuell gibt es das für €90 nur noch unter der Woche aber für €130 sind 4 Gänge auch Samstags möglich).

                      Zum Einstieg wird verschiedenes Knabberzeug serviert, u.a. eine Art Grissini, Gougères und mit einer Schnecke in einer Estragon-Mayonnaise das erste Amuse serviert – generell scheinen Meeresfrüchte mit einer Art Mayonnaise oder cremigen Sauce dem Haus zu liegen. Es folgt frittierter Tintenfisch in einem Ring aus Tintenfisch als Amuse.










                      Danach wird Brot, Butter, sowie ein Zwitterding aus Brioche und Croissant namens Brioche feuilletée serviert. Sehr gut.




                      An den darauffolgenden ersten Gang habe ich keine großen Erinnerungen mehr – ähnlich wie bei Pierre Gagnaire oder im Moissonnier in Köln werden hier die Gänge immer in mehreren Tellern serviert.






                      Sehr beeindruckt hat mich damals (und bis heute) einfach mal einen Teller mit offenen warmen Venusmuscheln in Zitronensauce und Kräutern dazu zu servieren. Für mich macht diese Unkompliziertheit einen großen Reiz der Küche von Pelé aus. Generell sehen die Teller ja immer sehr puristisch hier aus und orientieren sich meist um mehrere Ideen rund um ein Produkt.




                      Auch der Hauptgang hat Spaß gemacht …




                      Bei den Desserts gab es bei uns ehrlich gesagt keine Orgie, sondern das Thema Feige, eine Art Zitronen-Minz-Creme und dazu ganz puristisch in einer silbernen Coupe einfach Kugel Vanilleeis.




                      Und zum Abschluss ganz simpel ein Macaron mit dem Geschmacksprofil und Bild eines Windbeutels (bei dem wir dann aber doch nochmal einen weiteren nachbestellen dürfen).




                      Für mich ist das Clarence eine tolle Adresse bei der man schon bei einem kurzen 3-Gang-Menü die Kreativität aus allen Poren spürt. Dazu passt ja auch, dass soweit ich weiß nur ein Carte Blanche-Menü serviert wird und man somit nicht weiß was einen erwartet. Die Küche wirkt in der Tat wie eine moderne Interpretation der französischen Küche die ihrer Zeit ein paar Jahre voraus ist. Für 3 Sterne haben mir in diesem kurzen Mittagessen noch die ganz großen Momente gefehlt, die Gerichte an die man lange denkt und die man unbedingt nachbestellen würde, aber die Handschrift und Kreativität ist schon heute definitiv da.

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