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Le Clarence

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  • Le Clarence

    Das Clarence ist neben Hexagone Histoires, Piège und Savoy ein weiteres neues Restaurant in Paris, das den aktuellen deutschen Trend casual fine dining vollkommen ignoriert. Für die Gäste wird ein luxuriöses Ambiente geschaffen. Die Gerichte basieren wieder mehr auf klassischen Konzepten und sind trotzdem modern. Eine interessante Entwicklung.

    Im Falle des Le Clarence ist das Wort luxuriös fast unpassend. Es ist eine kleine Zeitreise ins 19. Jahrhundert; ein Besuch bei einer der Romanfiguren Balzacs. Nach Betreten des Hôtels, empfangen, auch innen bis ins kleinste Detail, aufwändig restaurierte Räume.
    Wir dürfen zum Apéritif im Salon, der in der ersten Etage liegt, Platz nehmen. Man weiß gar nicht, wo der Blick zuerst hinwandern soll: der große Lüster, die Stutzuhr auf dem Kamin, die Intarsienarbeiten, die Türen…Ich fühle mich mindestens im Rang einer Herzogin. Wir wählen ein Glas Clarendelle blanc 2013, das für wohlfeile 8,00 Euro zu haben ist. Dazu werden eine Miniaturscheibe Fleischpastete und eine Palourde-Muschel mit einer warmen Persillade serviert. Fein, auch wenn die Muschel etwas zäh ist. Nach Auswahl unseres Menüs begleitet der Restaurantleiter (war Sommelier im Bigarrade) uns an den prachtvoll eingedeckten Tisch in einen der Speisesalons. Unser Raum beherbergt auch eine Bibliothek und geht zur Straße und den gegenüber liegenden Jardins des Champs-Elysées hinaus. Christofle-Silber, Platzteller der Manufaktur Nymphenburg, Blumen und sehr schöne Tischwäsche lassen unsere festliche Erwartung steigen. Der weitere Verlauf des Mittags wird genau das einlösen, was er jetzt schon zu versprechen beginnt.

    Die Weinkarte enthält bis Dezember / Januar tatsächlich nur Gewächse des eigenen Gutes. Der Plantiers Haut-Brion 2002 Blanc ist aber für 125,00 Euro zu haben, was für uns die Sache mehr als wettmacht.

    Nun zum Essen:
    Zunächst wird ein Brotkorb serviert, bei dem es mich reut, ihn nicht aufessen zu können: 3 Sorten dunkles Brot mit einer Krume zum Träumen, Grissini und Trüffelbrioches aus Blätterteig. Dazu Butter von Ponclet.

    Das erste Amuse ist schon ein Paukenschlag: Eine halbe Auster (Nr 1 oder 0) lauwarm mit einigen Scheiben Périgordtrüffel belegt, auf dem Boden der Schale ist etwas Eigelb verstrichen, klassische Beurre Blanc dazu und ab geht die Post.

    Ein Stück Langoustine von erlesener Qualität und Größe, ein Klacks Sauce, man sollte das vielleicht eher Essenz nennen, von Krustentieren und Caviar pressé. Oh, es war himmlisch.

    Dann Lieu jaune mit Schwertmuschel gefüllt, diese ganz kleinen Muscheln, auf deren Namen ich nicht komme, weißer Trüffel. Die Knolle wog bestimmt 200 g und die Klinge so eingestellt, dass es bestimmt Ärger mit dem Controller geben wird.

    Eine erstklassige Seezunge, reichlich mit Petites grises belegt, der Pulpo dazu so geschnitten, dass er wie eine gezackte Säule aussieht, bedeckt von einer Scheibe zartschmelzenden Lardos. Es war auch wieder eine Essenz dabei und ich glaube ein kleines Stück Zitrone. Kategorie himmlisch ist immer noch nicht verlassen.

    Dann wurde, einfach so, weil es der Küche Spaß macht, ein Zwischengericht eingeschoben: Gänselebercreme, Selleriecreme, 2 Stücke schwarzer Trüffel. Sollte man einmal in seinem Leben gegessen haben. Ich werde versuchen, es öfter einzurichten. Weiß ich zwar noch nicht wie, werde für dieses Gericht aber alle Kreativität aufbringen.

    Eine sehr dicke Trance Bries, fast karamellisiert, butterzart und doch mit Biß, einige Scheibchen Schwarzwurzel, Kraut? (ich habe ein verwackeltes Foto und würde es Ihnen, lieber Herr Sternetor gerne zur Identifizierung senden), Saucenessenz, Kaviar ohne jeden Verdacht nur der Zierde zu dienen. Der Kaviar kommt übrigens aus Kalifornien. Alles Whoa. Wir wollten zum Fleisch, bevor wir wussten, dass es Bries ist, eigentlich was Rotes trinken. Haben aber umdisponiert auf Plantiers, diesmal Jahrgang 2005. War auch fein.

    Käse von Anthony. Die Auswahl ist groß genug (vielleicht 10 Sorten) in optimaler Reifung und so portioniert, dass Abendessen nun endgültig nicht mehr in Frage kam.

    Sud mit Ingwer und ich weiß nicht mehr so recht. Schokoladenkuchen, Vanilleeis, Baba (lecker Rhum) mit Fruchtsauce, kandierte Orangen. Schokolade, Meringues. Die Details des Desserts sind leider in dem netten Plausch mit Monsieur Pelé etwas untergegangen. Und liebe Wi, vielleicht wird es Sie freuen, dass Giuliano Sperandio auch wieder da ist.

    Als Fazit bleibt für mich ein traumhaftes Essen in wunderschöner Umgebung. Der Service passt genau dazu. Immer gut umsorgt und verwöhnt. Steifheit oder sonstige Grands Restaurants oft zugeschobene negative Attribute konnte ich nicht erkennen. Die Küche ist modern und Ihrer Zeit vielleicht einen kleinen Tick voraus. Der immer schon sehr eigene Stil des Bigarrade ist in der Klarheit erhalten, aber trotzdem anders. Die Zugabe von Trüffel und Kaviar hat jedem Gericht den letzten Schliff gegeben und war nie überflüssig. Ich habe mein neues Lieblingsrestaurant in Paris gefunden. La Bigarrade est mort, vive Le Clarence.

  • #2
    O.k., liebe cynara, ich bestelle Pizza. Den Salat lassen wir weg...

    P.S. Toller Bericht, vielen Dank !!! Man kann es sich so wunderbar vorstellen, alle Mundwässer laufen zusammen ! Wir werden dann in 20 Jahren hingehen, wenn die Kinder aus dem Haus sind.
    Wie haben Sie reserviert und wielange im Voraus, wenn ich fragen darf ?

    LkG, S.

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    • #3
      Danke, liebe Cynara,

      ich she schon, ich muss meine Pläne für die nächsten 2 Monate neu gestalten. Ich muss schnellstmöglich nach Paris.

      LG
      wi

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      • #4
        Zitat von cynara Beitrag anzeigen
        La Bigarrade est mort, vive Le Clarence.
        Feiner Bericht, vielen Dank!

        Grüße, mk

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        • #5
          Vielen Dank für den schönen Bericht. Das klingt wirklich toll und auch ganz nach meinem Geschmack.

          Zitat von cynara Beitrag anzeigen
          Das Clarence ist neben Hexagone Histoires, Piège und Savoy ein weiteres neues Restaurant in Paris, das den aktuellen deutschen Trend casual fine dining vollkommen ignoriert. Für die Gäste wird ein luxuriöses Ambiente geschaffen. Die Gerichte basieren wieder mehr auf klassischen Konzepten und sind trotzdem modern. Eine interessante Entwicklung.
          Das ist ein wirklich interessanter Satz, der mich nachdenken lässt. Waren es nicht gerade die Pariser (und auch noch ein bisschen die Londoner), die das casual fine dining erfunden und salonfähig gemacht haben? Ich war zu der Zeit nicht in Paris, aber den Berichten hier im Forum und auch anderswo konnte man m.E. entnehmen, dass Konzepte wie sie jetzt überhaupt erst langsam in Deutschland eintreffen (Bistronomics, casual fine dining, wie auch immer man es nennen mag, wenn das Essen kreativ und gut ist, das Drumherum aber etwas einfacher) vor 5-10(?) Jahren gerade in Paris zum Durchbruch kamen.

          Die französische Küche ist schon so oft den Bach runtergeschrieben worden (El Bulli und noma lassen grüßen), aber die spanische Molekularküche wirkt von gestern und die New Nordic Cuisine à la noma befindet sich im Todeskampf, merkt es jedoch noch nicht (andere sind schon längst viel weiter in der Entwicklung). Was Sie schreiben, klingt ja nach "back to the roots". Das kann man in Paris auch machen. In Deutschland fehlt leider der Stil der Vergangenheit, den man aufgreifen und auffrischen kann. Wir sind noch nicht auf der Entwicklungsstufe.

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          • #6
            @ rocco: genau
            @ cynara: 19/20; nicht das Lokal, sondern der Bericht

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            • #7
              Zitat von rocco Beitrag anzeigen
              Das ist ein wirklich interessanter Satz, der mich nachdenken lässt. Waren es nicht gerade die Pariser (und auch noch ein bisschen die Londoner), die das casual fine dining erfunden und salonfähig gemacht haben? Ich war zu der Zeit nicht in Paris, aber den Berichten hier im Forum und auch anderswo konnte man m.E. entnehmen, dass Konzepte wie sie jetzt überhaupt erst langsam in Deutschland eintreffen (Bistronomics, casual fine dining, wie auch immer man es nennen mag, wenn das Essen kreativ und gut ist, das Drumherum aber etwas einfacher) vor 5-10(?) Jahren gerade in Paris zum Durchbruch kamen.

              Die französische Küche ist schon so oft den Bach runtergeschrieben worden (El Bulli und noma lassen grüßen), aber die spanische Molekularküche wirkt von gestern und die New Nordic Cuisine à la noma befindet sich im Todeskampf, merkt es jedoch noch nicht (andere sind schon längst viel weiter in der Entwicklung). Was Sie schreiben, klingt ja nach "back to the roots". Das kann man in Paris auch machen. In Deutschland fehlt leider der Stil der Vergangenheit, den man aufgreifen und auffrischen kann. Wir sind noch nicht auf der Entwicklungsstufe.
              Ich finde das auch extrem interessant. Dass klassisch angehauchte Gerichte wieder mehr kommen (in aufgefrischter Form) habe ich eigentlich schon länger erwartet (bzw erhofft, mir selbst seht schon seit geraumer Zeit immer mehr der Sinn danach). Der Luxus erstaunt mich schon eher. Wobei nach meinem Gefühl die Rückbesinnung auf klassische Konzepte in der Küche deutlich breiter ist und auch im casual dining Bereich vermehrt zu finden ist. Während die luxuriöse Variante keine Ablösung sondern eine Ergänzung der weiter florierenden legeren Szene darstellt. So waere es mir zumindest Recht: Ein allgemeiner Küchentrend der sich auf allen Ebenen bemerkbar macht, und ein Wiederaufstehen/Nichtausterben des Luxus der zumindest zu gewissen Momenten ja auch das Herz erfreut.

              Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
              @ cynara: 19/20; nicht das Lokal, sondern der Bericht
              etwas knauserig, aber ok...

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              • #8
                Werte Frau Cynara,

                herzlichen Dankfür den anregenden Bericht - auch ich sollte längst mal in Paris essen gehen, aber Herr S. nimmt mich nicht mit...
                Kraut? Ich gebe gerne mein Möglichstes!
                Was war denn die Menüdimension in Euros gerechnet?


                Herr Schlaraffenland, genau: Knausrigkeit lohnt sich bekanntlich nicht: daher mindestens 19,5 P...

                Herr Sternentor

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                • #9
                  Liebe Cynara, vielen Dank für den schönen Bericht über ein Restaurant, dass nicht nur Ihr Lieblingsrestaurant in Paris werden könnte.

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                  • #10
                    Vielen Dank an alle für die vielen positiven Rückmeldungen, gerade in Anbetracht dessen, dass meine eigene Beteiligung so gering geworden ist.

                    @Sphérico: Zum Salat: Pacta sund servanda. Wir haben 4 Wochen vorher reserviert. Ich kann aber nicht beurteilen, ob das so sein muss.

                    @rocco: Danke für die gute Ausformulierung. Ich hatte ein Interview mit M. Pelé gelesen. In dem sagte er sinngemäß, das Konzept, welches im Bigarrade gelebt wurde, sei überholt. Die Gäste sollten nicht durch vorgeschriebene Ankunftzeiten und die Festlegung auf ein einziges Menü entmündigt werden. Ich hatte und habe damit kein Problem. Aber das sagt ja nun der Koch. Wenn ich den Artikel wieder finde, setze ich einen Link.

                    @Schlaraffenland: noch ist Ihr Päckchen nicht auf dem Wege. Gehen Sie unter diesem Gesichtspunkt vielleicht gar auf 20?

                    @Sternentor: Krautbild sende ich Ihnen. Danke. Menüpreis war 190 Euro.

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                    • #11
                      Zitat von cynara Beitrag anzeigen
                      @Sphérico: Zum Salat: Pacta sunt servanda. Wir haben 4 Wochen vorher reserviert. Ich kann aber nicht beurteilen, ob das so sein muss...@Sternentor: Krautbild sende ich Ihnen. Danke. Menüpreis war 190 Euro.
                      Liebe cynara, ein paar alte Blätter finden sich immer. Dank dieses -insbesondere aufgrund der Bemerkung `neues Pariser Lieblingslokal`- umwerfenden Berichtes habe ich gegen jede Vernunft (insbesondere im Hinblick auf Ambiente vs. Nachwuchs) für Februar reserviert. Vielleicht hilft die Stippvisite von grandmère und tatie an diesem Wochenende, die Brut in Zaum zu halten.

                      Lieber Sternentor, laut Hausseite gibt es 5 Gänge für 190€, 7 für 320€ (interessanter Sprung übrigens) und für arme Leut wie uns ein nun reserviertes 3-Gang-Déjeuner zu 90€.

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                      • #12
                        Aufgrund der schwelgerischen Berichte insbesondere von cynara habe ich mich vorletzten Samstag mit unserem älteren Nachwuchs (5J.) chic gemacht, wir sind mit der Métro bis Theodor Roosevelt, von dort waren es ja nur noch ein paar Schritte zum Clarence.
                        Wir wurden nach der Eingangstür des Hauses, das kein Hotel, sondern der Familiensitz Dillon in Paris ist und neben dem Restaurant einen wunderbaren Weinladen beherbergt, freundlich empfangen und die Garderobe abgenommen. Dann ging es direkt in die erste Etage in den kleineren linken Raum. Dort war bereits mittig eine Vierergruppe platziert, wir bekamen den schönsten Tisch am Fenster mit Ausblick.
                        Es folgte eine recht ausführliche Beratung und wie wir es denn gern hätten, was der Junior gerne äße, wieviel usw. Ich war eigentlich davon ausgegangen, daß er dasselbe Mittagsmenue essen und bezahlen muß.
                        Ich fing mit einem Glas des Clarendelle an, wirklich sehr empfehlenswert für vergleichsweise schlappe 8€. (Habe davon nach dem Essen im zugehörigen Laden gleich eine Flasche mitgenommen (ich glaube, 18€), ebenso wie eine Flasche von deren Süßwein aus 2003 (33€ für 0,375)...)
                        Zunächst bekamen wir beide jeweils zum einen die vorbeschriebenen Palourdemuscheln und zum anderen ein Stückchen lauwarmer Lachs auf einer aufgeschlagenen Creme, zur Freude des Juniors mit reichlich Kaviar obenauf. Anschließend gab es die Blätterteig-Brioche, mit kleinen Trüffelstückchen versetzt, letztere aber kaum herausschmeckbar.
                        Schließlich gab es noch (ich vermute es war Tintenfisch) Tintenfischtempura, fein gewürzt, sehr zart mit gegrillten (!) Zitronenvierteln anbei zum beträufeln. Sehr lecker.
                        Wir bekamen als eigentliches Amuse geule beide eine ziehmlich große (pochierte?) Auster mit darauf einem Winzigen Stück Sardelle (?) sowie hierauf einem hauchdünnen gerösteten Brotscheibchen und darauf Pata negra. Unter der Auster eine citrussige Essenz. Toll.
                        Das Menue begann für uns beide mit einer Jakobsmuschel auf einer würzig-leicht scharfen Essenz (diese tropfenweise) mit gegrilltem jungem Lauch, einer tiefgrünen Lauchcreme und reichlich schwarzem Trüffel. Darauf ein kleiner Würfel mit nussigen Bestandteilen sowie ein winziges Stückchen Zitrone. So ein Aromenspektrom in einem so kleinen Gericht, hervorragend. Nussig, erdig und mit einer Frischespitze.
                        Dann wurde bei mir noch von der Küche für die Lust am Genuß als Goodie eine Tranche Barsch mit gegrillten Stücken von Artichockenherzen und feiner Sauce eingebaut. Klassisch, tiptop.
                        Der junge Mann bekam als Hauptspeise ein sensationelles Kartoffelpürree (in rauhen Mengen, habe genascht) mit dichter Geflügeljus (ebenso reichlich) zu seiner Poulardenbrust. Fand er sehr lecker.
                        Ich bekam eine Taubenbrusttranche mit toll aromatisierter roter Beete, einem Stückchen filetierter Orange (oder war es Pomelo?) und einem sautierten Blattgemüse mit etwas knackigem angereichert. Wie sagt Schlaraffe, zom neiflagga. Hierzu hatte ich übrigens ein Glas aus dem Hause, ich bin nicht mehr sicher, ob es Chapelle de la Mission Haut Brion oder Clarence war, erl schlug mit 25€ fürs Glas zu Buche. A part hatte ich zum Hauptgang auch noch eine kleine dünne Scheibe, mutmaßlich Taubenleber, mit einem kleinen Stückchen Sardine drauf und einem Tupfer Rouille. Das war wieder ganz groß. Mein Hauptgang hat dem Nachwuchs übrigens auch recht gemundet.
                        Sehr erfrischend und schmackhaft war nun als Prédessert ein rosa Grapefruitgranité mit gestoßenen Kaffeebohnen darin.
                        Zum Dessert bekamen wir wieder beide eine kleine Opéra-Schnitte mit Kakaocrumble, einem Hauch von einem Eis (oder war es angefrorener Schaum) und ein klarer Stangenselleriesud. Daneben noch ein knusprigeer Kakaocanellono mit Cremefüllung.
                        Zum Espresso schließlich bekamen wir noch Schokoladenganaches und ganz fluffige Vanille-Macarons, von der Konsistenz eher wie Profiteroles.
                        Danach kam noch Herr Pelé zum plaudern an den Tisch, doch ein Kontrast zu AT (wo der Chef von sich aus Gäste fragte, ob sie mit ihm Selfies machen wollten oder der aufmerksam freundliche Piege in seinen schrillbunten Louboutins (um hier auch mal das Thema Fußbekleidung aufzugreifen ).
                        Pelé scheint frei von jeder Eitelkeit, ist freundlich-verbindlich, weiß was er kann und erscheint dennoch bescheiden. Eine sehr angenehme Erscheinung.
                        Der ganze Spaß hat gerade Mal 90 bzw 45€ (für den Junior) gekostet, Espresso meine ich war 5€, die Weine 8 und 25 €.

                        Besonders angenehm war die Verbindung aus exzellentem Essen und der gehobenen und dennoch gemütlichen, da nahezu privaten Atmosphäre in dem kleinen Salon.
                        Für mich war der Besuch, soweit ich das bei dem relativ kleinen Menue zu sagen vermag, ***-

                        MkG, S.

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                        • #13
                          Sooo klein klingt das Menü gar nicht, aber auf jeden Fall sehr großartig. Beim nächsten Mal Paris klappt es bei mir leider nicht, ins Le Clarence zu gehen. Aber das scheint ein echter Muss-Besuch zu sein.

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                          • #14
                            Einige Teilnehmer unserer Paris-Expedition haben die Reise um einen Tag verlängert, natürlich wollten wir auch an dem Abend standesgemäß essen. Auf Initiative Roccos haben wir das Le Clarence gewählt. Einer der Prinzen von Luxemburg hat dort aus wenig historischer Substanz und viel entsprechend hochwertiger Nachbildung den Eindruck eines historischen Herrenhauses entstehen lassen. Dort beheimatet ist u.a. die Verwaltung der zum Unternehmen gehörenden bekannten Weingüter. Neben dem Restaurant ist auch ein Weinladen der über eine Treppe mit einem imposanten Weinkeller verbunden ist. Dazu später mehr… Entsprechend ist die Weinkarte sortiert. Rocco trifft wieder eine gekonnte Weinauswahl, vor allem auch, was das Preis-Leistungsverhältnis betrifft…


                            Wir beginnen beim Champagner in einem klassischen Salon im zweiten Obergeschoss. Das Interieur ist etwas angestaubt, aber von A bis Z stilecht. Da kann man sich selbst wie der Prinz von Luxemburg fühlen.
                            Es werden mit Käse aromatisierte Kugeln aus Teig serviert. Es folgt eine gratinierte Muschel, sowie eine in Teig ausgebackene Blume. In dem Salon treffen wir die Weinauswahl und der sympathische Sommelier bereitet dort bereits alle Flaschen vor. Nachdem der Champagner geleert ist, zieht es sich irgendwie ein bisschen, bis wir zu unserem Tisch geleitet werden. Ich kam mir zeitweilig ein bisschen vor, wie bestellt und nicht abgeholt. Sonst ist der Service aber den ganzen Abend aber top…



                            Muschel mit einem japanischen Senf und Thunfisch ist ein leckeres Amuse, mit dezenter Schärfe und dem schönen puren Geschmack der Meeresprodukte.



                            Rotbarbe mit Auster, Spinat, Eigelb, Rindfleisch und Foie Gras ist der erste Gang. Da klingeln schon mal die Ohren, wie soll das alles zusammengehen? Es geht! Die Schichtung aus Rindfleisch und Foie Gras liefert vor allem Schmelz, aber dank des Rindfleischs gezähmte Intensität. Die Auster und die Rotbarbe bringe zwei unterschiedliche Formen des Meeresgeschmacks ins Spiel . Der Spinat ist ziemlich stark gewürzt und ergänzt sich gut mit dem Eigelb. Für mich bleibt das Ganze am Ende doch etwas unklar konturiert, aber dennoch ist harmonisch und lecker.



                            Trüffel, Schinken, St. Pierre sind einige Bestandteile des zweiten Ganges, der gegenüber dem ersten etwas fokussierter erscheint. Grund dafür sind die deutlicheren Akzente des Schinkens. Der Trüffel und der Fisch passen sehr gut zusammen, auch weil es einen schönen frischen Kräutersud gibt.



                            Taube mit eingelegtem Aal und Artischocke sowie mit Kaviar ist für mich der beste Gang des Menüs. Die Taubenbrust und der Aal ergeben eine ganz eigentümliche Harmonie aus dem Fleischgeschmack und einer fettigen Salzigkeit, die dann mit dem geradlinigen, vegetabilen Artischocken-Aroma kontrastiert wird. Die Taubenkeule – hier mit Kralle serviert – und der Kaviar passen noch besser zusammen. Wer würde das denken? Auch hier ist es die Salzigkeit, die mit dem zwar feinen, aber ja nicht unbedingt ausdrucksstarken Taubenfleisch eine passende Kombination ergibt. Und weil das noch nicht reicht liegt ein leckerer Raviolo auch noch auf dem Teller. Hier ist die Vielfältigkeit der Aromen am besten orchestriert, weil die Kombination zusammen nicht nur harmonisch ist, sondern einen wirklichen Mehrwert zeigt.



                            Das war schon der würzige Teil des Menüs - der Käsewagen fährt vor (leider kriegt ich das Bild hier nicht in die Waagerechte):



                            Bevor dann der süße Teil beginnt, hier annähernd 50 Prozent des gesamten Menüs ausmacht.
                            Spargel creme – eine ganz feine sahnige Creme mit dezentem Spargelaroma.

                            Litschi-Eis – Sehr erfrischend mir klarer Frucht und so sehr gut!

                            Exotische Fische und milchige Creme – die Früchte sind ziemlich säurehaltig. Aber die Creme ist sehr leicht und milchig, so dass sie die harte Säure gut abmildert.

                            Schokodessert – technisch äußerst aufwendig. Geschmacklich eher einfach. Die Schokolade wirkt hier milchig und nicht allzu kräftig.

                            Apfelküchlein – ist etwas klebrig und schmeckt, wie Apfelkuchen eben schmeckt.

                            Cremiger Abschluss – schmeckt wieder sehr gut.


                            Nur drei warme Gänge und ein Amuse, dennoch hatten wir mit Thunfisch, Foie Gras, Auster, Rotbarbe, St. Pierre, Trüffel, Taube und Kaviar eine große Anzahl der klassischen Gourmetprodukte auf dem Teller. Christophe Pelé gelingt es, diese nicht nur gut zu kombinieren, sondern in eine Harmonie zu bringen. Allerdings haben die Gerichte aus meiner Sicht – mit Ausnahme der Taube – nicht den ganz großen Schliff und sind weniger prononciert. Somit sind die zwei Sterne, die das Restaurant derzeit hat, im Moment vollkommen gerechtfertigt. Sicher wird aber mehr angestrebt. Die eigene Handschrift sich auf jeden Fall schon vorhanden. Trotz des klassischen Ambientes und der klassischen Produkte ist das Le Clarence keineswegs ein kulinarischer Langeweiler, ohne auch nur einen Moment bemüht modern zu sein.

                            Nach dem Essen dürfen wir noch die Weinhandlung und den Weinkeller besichtigen. Dort sind natürlich zahlreiche Flaschen der unternehmenseigenen Weingüter ausgestellt.



                            Mein Fazit der Paris-Reise: Kulinarisch war das durchweg ein Erfolg. Das Astrance war das schwächste der Drei-Sterne-Restaurants. Das Alléno würde ich als ein Highlight meiner „Esser-Karriere“ ansehen und das Ducasse als eines der befriedigendsten Gesamterlebsnisse der letzten Zeit. Alle drei Dreisterner haben sich jedoch so stark voneinander unterschieden, dass dies eine persönliche Sichtweise ist und auch jede andere persönliche Präferenz für mich nachvollziehbar wäre.
                            Die Restaurants außerhalb des Club-Programms – von den Bistros über das A.T bis zum Le Clarence – haben allesamt mit einer Individualität überzeugt, die man in Deutschland in den jeweiligen Kategorien mehr oder minder lange suchenmüsste. Dank Rocco hatten wir großartige Weine der Best-Buy-Kategorie und eine stete Aufmerksamkeit der Sommelier ob der profunden Kenntnisse an unserem Tisch.
                            Etwas unverständlich bei den „großen Menüs“ ist der Umfang der Dessert-Paraden. Dies wirkt unverhältnismäßig zum Umfang der vorherigen Menüs. Zumal in Paris die klassischen süßen Desserts noch zu dominieren scheinen.
                            Auffällig gut gefallen mir die Foie Gras-Gerichte. Keines davon wirkt schwer und wie ein fleischiges Dessert, oder auch nur bemüht modernisiert. In Deutschland findet man meist die ein oder die andere Variante.
                            Insgesamt gilt: In der Stadt muss man einfach kulinarisch glücklich werden.
                            Angehängte Dateien
                            Zuletzt geändert von QWERTZ; 17.04.2017, 16:30.

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                            • #15
                              Vielen Dank für den Bericht, zumal mich Eindrücke aus Frankreich immer interessieren.

                              @rocco: es wäre wunderbar, wenn Sie etwas zu den Weinen, die Sie ausgewählt haben, schreiben könnten. Der nächste Besuch steht vor der Tür. LG Cynara

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