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Restaurant Septime*

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  • Restaurant Septime*

    Anfang September waren wir im – in Paris und auch darüber hinaus sehr stark gehypten – Restaurant Septime im östlichen Teil von Paris (nahe Bastille). Das Restaurant hat seit Jahren einen Michelin-Stern und wurde zuletzt auf Platz 24 der Liste der World’s 50 Best Restaurants gewählt, mehr dazu am Ende des Berichts. Der Küchenstil wird als „Neobistro“ oder „Bistronomie“ beschrieben, es wird recht puristisch mit einigen wenigen Produkten je Gang aufgetischt und je Gang zählt meistens immer eine bestimmte Idee.

    Die Reservierungen werden einen Monat im Voraus zum Monatsersten online freigeschaltet, am selben Tag abends ist dann nahezu der komplette Monat ausgebucht. Mittags und Abends unter der Woche kann man da hin und wieder noch was bekommen aber Freitags und Samstagabends ist es ohne eine gute Planung nahezu unmöglich. Die Telefonnummer kann man übrigens vergessen, ich habe die über 1 Woche hinweg an 4 verschiedenen Tagen mittags und abends innerhalb der vom Restaurant genannten Zeitfenster angerufen, aber sie ist so gut wie immer deaktiviert. Einmal bin ich durchgekommen, aber es ist dann einfach keiner drangegangen und danach war dann direkt das Telefon deaktiviert. Das war wirklich nervig und einem Restaurant wie diesem (welches dann überraschenderweise am Abend viel Wert auf Feedback und Kundenzufriedenheit legt) einfach unwürdig. Bei Bedarf also lieber eine E-Mail schreiben mit den eigenen Wünschen (in meinem Fall die Reservierung von 4 Personen auf 2 Personen reduzieren), ich habe dann in der Tat kurz darauf eine kommentarlose Bestätigung erhalten.

    Wie dem auch sei, ich habe es sowohl geschafft rechtzeitig online zu reservieren als dann auch irgendwann meine Änderung durchzubekommen und so sehnen wir uns Freitagabend bei offenem Fenster zur Straße einen schönen Abend entgegen. Das Restaurant hat von innen einen schönen Charme mit einer verglasten Wand und einer offenen Küche, die Bestuhlung ähnelt einem Bistro und erinnert mich stark an eine Weinbar in Paris. An der Ecke neben dem Restaurant scheint es übrigens noch eine sehr beliebte und dem Augenschein nach spannende Pizzeria namens Louie Louie sowie ein (nicht zu reservierendes) Seafood-Restaurant namens Clamato zu geben, letzteres gehört übrigens zum Septime dazu.



    Beim Wein gibt es Cocktails und Weinbegleitungen – wir entscheiden uns jeweils für ein Glas La Varenne de Combre von der Famille Vaillant (Domaine Les Grandes Vignes), ein sehr schöner Chenin Blanc an der Loire. Der gefällt uns so gut, dass wir diesen einfach glasweise nachbestellen – Weinbegleitungen sind heute mal überbewertet.



    Als Einstimmung vorneweg gibt es eine schmackhafte Gemüsebrühe – darin schwimmen mehrere Stücke Zucchini, das gefällt.



    Das daraufhin servierte „Flatbread“ (dem indischen Naan-Brot nicht unähnlich) mit Comté-Käse und einfach einem Curry-Pulver darauf ist einfach genial wie sehr gut gleichermaßen. Das Brot ist geviertelt, man kann sich also ähnlich wie bei einer Pizza einzelne Stücke rausnehmen. Ich mag persönlich keinen starken Käse aber der cremige Käse mit dem Brot und dazu der Gewürzkick aus dem Curry-Pulver darauf passt einfach sehr gut. Das Sterne-Niveau ist klar erkennbar und auch der Einschlag der Küche – es kommen immer 3-4 Produkte zusammen mit 1-2 einfachen Ideen und das Ergebnis schmeckt immer hervorragend.



    Hiernach folgen Abschnitte von rohem Thunfisch in Olivenöl mit eingelegtem (ich meine) Rettich, einem Kleckser Creme Fraiche und klein gehackte Kräuter. Die Produktqualitäten sind sehr gut, das schmeckt ebenfalls sehr gut.



    Es folgen Tomatenscheiben in Olivenöl und einem grünen Petersilien-Öl, obenauf Brotchips und Kapern. Abermals einfach und sehr gut, es fehlt an nichts. Es wird übrigens auch sehr gutes Hausbrot dazu serviert. Mir gefällt auch, dass dieses Restaurant nicht so sehr an Dogmen und „Bekehrungen“ festhält wie die Hipster-Äquivalente bei uns zuhause.



    Der nächste Gang erinnert mich recht stark an die verschiedenen Thai-Curries die man bei den „Traiteurs“ in Paris bekommt, wenn natürlich ungleich feiner. In einer Rinderbrühe kommen Paprika, viel Thai-Basilikum und Knochenmark. Das ist Umami-lastig, warm und schmeckt sehr gut.



    Es folgt eine Polenta aus Zuckermais, darunter ein Chipotle-Öl. Meiner Freundin ist der Gang etwas zu einfach, mir gefällt er sehr gut. Die leichte Schärfe des Chipotle-Öls fügt sich sehr gut in die Maiscreme ein.



    Der folgende Hauptgang war dann der Einzige der mir nicht so gefallen hat. Zu einem lackierten Oktopus mit Senfkörnern gesellen sich Gewürzgurken, ein Bratenjus und ein Abschnitt Schweinesteak (ich meine Rücken). Gerade der recht hohe Fettanteil vom Schweinefleisch hat mir persönlich nicht so viel gegeben und war relativ geschmacksneutral – die Säure von den Gewürzgurken und den Senfkörnern war zum Fleisch auch eher irritierend und hat für mich nicht so ganz zu der Jus gepasst. Kann man essen, hat mich persönlich nicht ganz abgeholt.



    Das erste Dessert danach hat mich dann aber wieder versöhnt – Heidelbeeren auf Joghurt und einem leichten Minz-Grantine. Das geschmolzene Eis süßt den Joghurt genau richtig. Das ist ein idealer süß-cremiger Gang. Sehr gut.



    Das zweite Dessert besteht dann aus einem Eis aus Rhabarber auf Rhabarber-Abschnitten und ein paar ausgewählten Beeren. Das setzt das fruchtig-süß-saure folgerichtig fort, sehr gut.



    Der letzte Geniestreich besteht aus einer einfach eingefrorenen Scheibe Wassermelone, bestäubt mit Pulver aus Hibiskus. Einfach aber passt tadellos als Abschluss.



    Auf Kaffee und Co. verzichten wir, aber das wäre hier auch möglich. In Summe kommen wir bei €241 raus was ich als gutes Preis-Leistungs-Verhältnis empfunden habe. Der Service war durch den Abend hindurch ebenfalls sehr bemüht und freundlich.



    Fazit: Wir haben hier einen sehr schönen Abend verlebt mit einer guten Küche, dem Michelin-Stern voll gerechtfertigt, in einer sehr schönen Atmosphäre mit einem freundlichen und zuvorkommenden Service. Auch den Preis empfand ich als recht gutes Preis- und Leistungsverhältnis. Darüber hinaus muss man aber die Küche im Dorf lassen und den Hype verstehe ich auch nicht ganz. Es ist ein gutes Restaurant, aber es nicht das beste von Paris, es ist auch keine absolut außergewöhnliche Erfahrung in Paris und es ist sicherlich nicht eins der 50 besten Restaurants der Welt. Aber für diesen Hype kann das Restaurant nichts – und wenn man die Gelegenheit hat, sollte man unbedingt hingehen.

  • #2
    Danke für den Bericht. Die Platzierung auf der 50Best-Liste ist schon bemerkenswert, leider ist es mir für unsere Paris-Club-Reise nicht gelungen, dort einen Platz zum Lunch zu ergattern...

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    • #3
      Ziehen Sie sonst das Le Duc in Erwägung, lieber QWERTZ, dort hat es mir ähnlich gut gefallen.

      Der Bericht hierfür folgt noch, wenn die Arbeitsbelastung bei mir wieder etwas abebbt.

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