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Pyrénées Atlantiques: Béarn, Pays Basque

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  • Pyrénées Atlantiques: Béarn, Pays Basque

    Der kulinarische Reichtum im Beárn (die Gegend um Pau) und im französischen Baskenland sowie in die Pyrenäen rein hat mich mal wieder in Begeisterung versetzt. Das französische Baskenland ist genauso wie das spanische Baskenland landschaftlich sehr reizvoll, und zwar nicht nur an der Küste (Biarritz, St. Jean de Luz, usw.), sondern vor allem auch im Hinterland mit seinen vielen kleineren Hügeln/Bergen, den rot-weißen Häusern und der unverwechselbaren baskischen Schrift. Auch die atlantischen Pyrenäen sind wunderschön, wenn es auch stets viel Zeit braucht, um von der Ebene in die einzelnen Täler zu fahren, die oftmals nicht per Querverbindung zu erreichen sind. Das Béarn (mit seiner eigenen Sprache, dem Béarnais, einer Unterform des Okzitan) ist landschaftlich nicht ganz so reizvoll mit Ausnahme seiner Gaves, die aus den Pyrenäen herausfließen. Ansonsten gibt es endlose Maisfelder.

    Kulinarisch habe ich versucht, möglichst viele der lokalen Spezialitäten zu probieren: Piperade (Paprika mit Tomate, Piment d'Espelette und leicht geronnenem Ei), Meerspinnensalat, kleine Tintenfische (Chipirons), die mit ihren Tentakeln und etwas Bayonne-Schinken gefüllt sind und in ihrer eigenen Tinte serviert werden, Bayonne-Schinken (am besten mit Charentais-Melone), Steinpilze mit Persillade, das Axoa de veau (eine Art warmes Tatar vom Kalb mit grüner Paprika und Piment d'Espelette), die pur brebis Käse aus der AOC Ossau-Iraty, die mit Schwarzkirschkonfitüre serviert werden, die Kuh- und "Mixte" Käse aus den Bergen und der Ebene, der Gateau Basque, der "véritable Russe" aus Oloron Sainte-Marie (http://patisserie.artigarrede.pagesp...fr/LeRusse.htm), usw.

    Hier noch ein paar Restaurantnotizen:

    1. Pau:
    Leider für einen Monat geschlossen hatte das hochgelobte Les Papille Insolites, ein Bistro mit großer Weinauswahl und Schwerpunkt auf vin naturel. Wir sind stattdessen in das Restaurant Le Majestic gegangen am Place de la Mairie (eine Haube im französischen Gault Millau). Dort gab es u.a. ein interessantes Bonito-Tatar, das natürlich mit Piment d'Espelette gewürzt war und mit Süßkartoffel serviert wurde, eine kunstvoll angerichtete Charlotte aus Avocado, Tomaten, Kapern und Schafsfrischkäse, ein vorzügliches Quasi de veau mit Steinpilzen und etwas beliebige Desserts. Das Ambiente ist stimmungsvoll und elegant (etwas irritierend allerdings die dezente Hintergrundbeschallung mit Vogelgezwitscher), die Weinkarte klein, aber ganz gut und der Service professionell.

    2. Oloron Sainte-Marie:
    Zwei Mal haben wir vergeblich versucht, eine Reservierung im Restaurant Le Relais Aspois zu bekommen, das aber stets ausgebucht war (mit Gästen aus dem angeschlossenen Hotel). Stattdessen sind wir an einem Abend ins Restaurant Le Pastoral gegangen (eine Haube im französischen Gault Millau), das uns enttäuscht hat. Das Ambiente hat etwas von einem anonymen Business-Hotel, bei dem etwas der Schlendrian eingezogen ist. Als Servicekraft hatten wir eine Dame, die sich sichtlich anstrengen musste, freundlich zu sein und nach einigen Besteckhinrotzern anscheinend selbst merkte, dass es so nicht geht und sich anschließend etwas mehr bemühte (trotzdem arg gequält wirkend). Dem Essen fehlt es an handwerklicher Präzision, Produktqualität und einer besonderen Note (Regionalität, Kreativität, was auch immer). Ganz schlecht war es aber auch nicht. Wir hatten eine sehr trockene Terrine aus Rochenflügel und jungem Lauch mit Tomatentatar, eine in Ordnung gehende, aber wenig berauschende Taubenbrust mit Portweinjus und ein Pièce de Boeuf mit Pfifferlingen. Das Dessert war noch das beste (eine Art Erdbeerclafoutis, das angenehm luftig war). Insgesamt ist dieses Restaurant nicht zu empfehlen. Auch wenn Oloron Sainte-Marie etwas ausgestorben wirkt, sind die Restaurants übrigens stets ziemlich voll. Ohne Reservierung haben wir einige Absagen erhalten. Es scheint durchaus noch Luft für ein gutes Restaurant dort zu geben.

    3. Saint-Jean Pied de Port:
    In diesem beliebten Jakobsweg-Zwischenstop waren wir mittags in dem sehr guten Restaurant Etche-Ona (zwei Hauben im Gault Millau), wo rustikales und auf Tradition bedachtes Interieur auf eine sehr fein gemachte regionale Küche trifft. Auch die Weinkarte ist sehr regional gestaltet mit vielen Irouléguy, Jurancon, Madiran. Es gibt nur ein Menu (23 Euro) mit jeweils drei Gängen zur Auswahl, die auch einzeln bestellt werden können. Ich startete mit einer ausgezeichneten Piperade (die zweitbeste auf der Reise von ungefähr fünf). Weiter ging es bei mir mit Truitelles a la Navarre mit Steinpilzpolenta. Truitelles sind kleine Forellen, die aus nahegelegenen Flüssen geangelt werden. Diese wurden mit einem Sud aus Paprika, Tomate, Knoblauch, Zwiebeln und Piment d'Espelette serviert. Mademoiselle rocco hatte ein ausgezeichnetes Filet de bar de ligne mit Pfifferlingen und grüner Paprika - eine gelungene Kombination. Anschließend wurde noch etwas pur brebis AOC Ossau-Iraty mit Schwarzkirschkonfitüre gereicht. Für etwas verfeinerte, traditionelle baskische Küche und eine gute Auwahl an Irouléguy Weinen ist dies eine sehr gute Anlaufstelle.

  • #2
    Ihren Baskenland-Zyklus, lieber rocco habe ich sehr gerne gelesen; Sie tragen Ihre Erlebnisse interessant und einfühlsam vor, so daß einen beim Lesen nicht der Hauch von Langeweile überfällt. Nicht zuletzt waren Ihre Texte wunderbar geeignet, Erinnerungen wachzurufen: die schwarzen Kirschen aus Itxassou, der großartige Geschmack der Gänselebern ( wie sagte schon unser großer Augschburger: bei Gänseleber hört die Moral auf), dazu diese wunderschönen Süßweine aus dem Jurancon, diverse Quintessenzen von z.B. Bru-Baché aus Monein bei Pau - war das womöglich ein Wortspiel von Henri IV, das poule au Pau? - das Relais de la Poste, das vor zwanzig Jahren auch schon zwei Sterne hatte und bis heute hängt noch eines dieser eigenartigen Fotos von Sugimoto (Anne Boleyn mit Laute) in unserm Flur, ein Mitbringsel aus Bilbo.
    Nochmals vielen Dank für die große Mühe, die Sie Sich gemacht haben, Ihre Berichte so gekonnt zu formulieren.
    schlaraffenland

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    • #3
      Werter Herr Rocco,

      richtige Gegend - wir werden uns im November im neuen Lokal der Feldmanns in Biarritz mit einem nur annähernd anregenden Artikel revanchieren.

      Schöne Nacht!

      Herr Sternentor

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      • #4
        werter sternentor,
        bin schon gespannt auf ihren bericht,wissen sie vielleicht eine web-adresse von feldmanns.
        kg knurrhahn

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        • #5
          Na endlich ist der Anfang in Sicht: Die Feldmanns eröffnen in 14 Tagen in Biarritz:l-impertinent.fr mit cusine creativ. Ich werde mich schon mal nächste Woche dort umsehen....

          Schönen Abend!

          Herr Sternentor

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          • #6
            Probeessen beendet, braucht keinen Vergleich zum ebenfalls besuchten Martin B. zu scheuen: die Region wird in 14 Tagen einen neuen Stern aufgehen sehen: extrem gute Produkte (Fisch), Wissen und Können, was will der Gast mehr!

            Frohe Ostern

            Herr Sternentor

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            • #7
              Nun ist auch die obige Netzadresse der Feldmanns aktiv! Habe schon einen Dessertklassiker entdeckt: Grünes Curry - ich komme...

              Waren schon Mitglieder aus dem Forum dort zum essen?

              Herr Sternentor

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              • #8
                Ja, die Karte klingt interessant, dooferweise liegt Biarritz nicht gleich um dei Ecke. Ah, als Nichtmitglied, Herr Sternentor, können Sie ja nicht direkt verlinken, hehehehe. Darf ich das übernehmen?
                www.l-impertinent.fr
                Gruß
                Herr Schlaraffenland
                PS: was Ihren Vorschlag zum "Essig" betrifft darf ich mit Ideal antworten:
                Flieg nach Hawaii
                wir sind auch dabei

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                • #9
                  Merci - mit Ihnen und Ihrer Frau fliegen wir auch gerne nach Eschnapur - Termin im August kein Problem, da das Essig keine Sommerpause macht - Vorschläge der Termine,...

                  Herr Sternentor

                  PS. Es gibt auch Monarden...

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