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Languedoc

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  • Languedoc

    An einem Montagabend machte ich abends einen kleinen Spaziergang an den Arceaux entlang, durch den Arc de Triomphe und die rutschige Altstadt, die Treppen beim Corum herunter, um dann erst einmal verloren zu sein. Nach etwas Herumirren auf fußgängerfeindlichen Straßen fand ich dann aber doch noch den Weg zu den Pourcel-Brüdern in den Jardin des Sens in Montpellier, vom Guide Michelin einstmals mit drei und derzeit noch mit zwei Sternen ausgezeichnet.

    Das Restaurant und das dazugehörige Hotel liegen nicht gerade zentral, aber jedenfalls im Sommer dürfte der verglaste und in einem Garten liegende Speisesaal für die - zu Fuß - mühsame Anreise entschädigen. Im Winter ist das Setting immer noch beeindruckend, aber den Fotos auf der Restaurant-Website nach zu urteilen herrscht im Frühling und Sommer eine ganz andere Magie. Es war recht gut besucht. Der Service ist vor allem zahlreich, auch sehr professionell. Eine etwas persönliche Note hätte ich sympathisch gefunden.

    Es gibt drei Menus, ich entschied mich für das mittlere Menu "Sens & Saveurs". Die Weinkarte ist sehr gut sortiert mit Schwerpunkt auf Weine aus dem Languedoc, allerdings ziemlich hochpreisig. Hätte es einen Grange des Pères Blanc in der halben Flasche gegeben, wäre ich vielleicht schwach geworden. So wählte ich - mal wieder - die Weinbegleitung, was sich im Nachhinein als nur mittelmäßige Wahl herausstellte.

    Ein Fazit fällt mir gar nicht so leicht. Direkt nach dem Besuch war ich ziemlich enttäuscht. Nach dem aufregenden Besuch im Atelier de Jean-Luc Rabanel musste es jedes Restaurant schwer haben. Mit etwas Abstand werden die Erinnerungen zunehmend positiver, wenn mir auch heute noch das gewisse Etwas fehlt - eine persönliche Handschrift, unvergesslich gute Produkte oder besonders schöne Kombinationen beispielsweise. Die Küche im Jardin des Sens ist ohne Frage sehr fein und auch exzellent zubereitet. Der Funke mochte trotzdem nicht recht überspringen.

    Als erstes Amuse Gueule wurden ein Langoustinenragout mit Krustentierschaum und Kalbskopf-Kroketten mit Senf gereicht, beides eher langweilig, was auch auf die anschließend gereichten Parmesanolivenkekse und kleine Pastetchen mit Ratatouillezutraf. Deutlich besser war da die getrüffelte Topinamburcrème mit Steinpilzschaum und Toast mit Steinpilzcrème - aromatisch sehr fein und verführerisch.

    Das Menu startete mit Hummer mit Spargelsalat, Spargel in Tempura und Spargel mit Bigorre-Speck. Während ich mich kurz fragte, warum es mitten im Winter grünen Spargel geben muss, wurde ich ein paar Tage später eines besseren belehrt, als erneut grüner Spargel auf den Teller kam, präsentiert mit großem Stolz als der erste grüne Spargel der Saison. Auch der Spargel in Montpellier wirkte frisch und nicht wie TK-Ware. Am besten war der Tempura-Spargel. Der Spargelsalat war leicht säuerlich angemacht, der Hummer (ein halber) ausgelöst, mild gedämpft und sehr fein im Geschmack. Zu diesem Gang fand ich die Weinbegleitung noch sehr gut. Man kann ja über Gérard Gauby sagen, was man will. Ich finde, er macht beständig großartige Weine sowohl in der Basisklasse als auch darüber. Im Jardin des Sens wurde die Basisklasse serviert, nämlich der 2010 Vin de Pays des Côtes Catalanes "Les Calcinaires" Blanc, der genauso wie der Hummer eher dem Unterstatement fröhnte.

    Der zweite Gang war gut, aber nicht richtig gut: Loup de Mer mit Verjus, Speck vom schwarzen Bigorre-Schwein, Maisravioli, Kastaniencrème. Der Fisch war gut zubereitet, ihm fehlte es aber an Aroma. Sehr gut war die Sauce, die die Röstaromen vom Fisch mit durchaus mutiger Säure (der Verjus) verband. Maisravioli und Kastaniencrème waren eher unauffällige Randnotizen. Von dem Speck des Bigorre-Schweins hatte ich mir geschmacklich etwas mehr erwartet. Mit der Weinbegleitung landete der Sommelier bei mir keine Punkte: der 2009 I.G.P. Pays de l'Herault Blanc der Domaine des Conquètes aus Aniane, eine Cuvée aus Chardonnay, Chenin Blanc, Vermentino und Grenache Blanc, hatte zwar ausreichend Struktur, um den durchaus kräftigen Aromen standzuhalten, blieb aber etwas flach. Bei der Ankündigung des mir zuvor unbekannten Weins und der Erwähnung des Wortes "Aniane" hatte ich in einem Anflug von utopischem Wahn auf einen Mini Grange des Pères gehofft. Naja, man darf ja noch träumen .

    Auch der Fleischgang war sehr fein, ein Taubenbrustfilet, Taubenballotine mit Banyuls glaciert, Apfelvanillekompott, Champignons und Jus Becasse. Die Taube war ganz exzellent, auch die Sauce dazu. In Verbindung mit dem Kompott und den Pilzen ergab das ein schönes Aromenspiel aus mürbe-morbide-blutig, erdig und süß, allerdings mit angezogener Handbremse. Eine um Kilometer rustikalere Version der Taube am nächsten Tag (Bericht folgt) hat mich mehr inspiriert. Mit dem begleitenden Wein konnte ich wieder nicht so viel anfangen. Der 2008 Pic St. Loup Les Grenadières von Mas Bruguières roch zwar sehr verführerisch, hatte aber ein großes Loch in der Mitte und war etwas ruppig im Abgang. Für die feine Taube hätte es einen etwas feineren Wein gebraucht.

    Hervorragend war anschließend der Käsewagen. Ich hatte einen Ziegenkäse aus den Cevennen und einen aus Larzac und dazu noch einen ganz exzellenten Kuhweichkäse aus der Savoie, dessen Namen ich aber vergessen habe.

    Danach war ich leicht verwirrt. Denn es kamen ziemlich schnell nach dem Käse mehrere kleine Desserts, ein Aprikosenschaum mit gefriergetrockneten Aprikosen, sehr feine Schokozungen und geeiste Pralinen aus weißer Schokolade, dazu eine sehr (zu) große Auswahl an Petit Fours. Sollte es das schon gewesen sein?

    Nein, denn anschließend wurden noch nacheinander die regulären Desserts aus dem Menu gebracht. Das erste Dessert war mein Favorit an dem Abend, eine wirklich exzellente Zitrusfrüchtenage mit Basilikumcrème, Meringue und Mandarineneis. Hier sprang der zuvor schon angesprochene Funke endlich einmal über. Das Gericht war etwas spielerischer als der Rest, lud mehr zum Erkunden ein. Das traf auf das zweite Dessert, eine Variation von der Marone, nicht zu. Diese war - wie so vieles an dem Abend - sehr fein, aber etwas langweilig auf sehr hohem Niveau.

    Meiner Ansicht nach muss man im Winter nicht unbedingt in den Jardin des Sens gehen, wirklich etwas falsch macht man aber auch nicht.
    Zuletzt geändert von rocco; 14.02.2012, 01:05.

  • #2
    War es die rutschige Altstadt oder das Verlorensein in der fußgängerfeindlichen Corum-Region, die übrigens mindestens genauso autofeindlich ist, wie oft hab' ich mich in den unterirdischen Kanälen verfranced, um obligatoirement in irgendwelche Parkhäuser eingeschleust zu werden, aus denen es kaum ein Entrinnen gab; um es genauer zu sagen, der ganze Dunstkreis um das Corum herum ist an sich unfreundlich, so daß es einen nicht verwundern würde, wenn Sie einen Teil dieser Stimmung mit in die Wirtschaft getragen hätten; wie sonst wäre zu verstehen -oder haben Sie womöglich Ihr Fazit schon vorweggenommen - wenn Sie sagen: vom Guide Michelin ... derzeit "noch" mit zwei Sternen ausgezeichnet.
    Die Kalbskopfkroketten waren langweilig? Schade, wären die dort mal lieber bei ihren genialen, auch von glauer so geliebten, Schweinsfuß-Kroketten geblieben. Womöglich fährt man gerade bei den Pourcels besser, à la carte Gerichte zu wählen, die scheinen mir, vielleicht auch, weil sich die Karte doch erstaunlich langsam ändert, ausgereifter und auch eindrucksvoller zu sein. Unbedingt hätte man dies bei den Desserts tun sollen, denn der Teil -ich hoffe, ich erinnere mich richtig - pour les amateurs du chocolat kann einen in Verzückung versetzen.
    Zu den Weinen: Auch wenn ich mich wiederhole, aber auf Chenin und Chardonnay kann man im Languedoc verzichten. Auf Rückfragen bei den Winzern heißt es dann immer: das Publikum will es so. (gibt's da nicht einen Tucholsky - Reim dazu?) Daß Ihnen der Mas Bruguières nicht besser munden wollte, tut mir besonders leid. Ich kenne das Weingut seit vielen Jahren, es wird dort sehr gewissenhaft und liebevoll gearbeitet, wenn ich deren Wein trinke und die Augen schließe, sehe ich die bezaubernden Berge des Hortus vor mir, und gleich schmeckt er noch nachhaltiger. Bei einem Vergleich zu einem Grange gilt es zu bedenken, daß für jenen ungefähr der dreifache Preis zu entrichten ist. Hatten Sie noch einen Wein zum Nachtisch?
    Ich bin schon gespannt, wo Sie die rustikale Tauben-Variante vernichtet haben. Rimbaud? glaub' ich nicht; ich tipp' auf Cellier Morel
    Gruß
    schlaraffenland
    PS: (das PS entfällt ausnahmsweise)
    Zuletzt geändert von Schlaraffenland; 14.02.2012, 22:28.

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    • #3
      Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
      War es die rutschige Altstadt oder das Verlorensein in der fußgängerfeindlichen Corum-Region, die übrigens mindestens genauso autofeindlich ist, wie oft hab' ich mich in den unterirdischen Kanälen verfranced, um obligatoirement in irgendwelche Parkhäuser eingeschleust zu werden, aus denen es kaum ein Entrinnen gab;
      Ich bin ja froh, dass ich nicht der einzige bin, der hin und wieder unfreiwilligen Parkhausbesuchen ausgeliefert bin. Die sind besonders anstrengend, wenn man - wie es der böse Zufall so will - auch noch kein Kleingeld für das Ticket für eine Minute da hat und erst einmal am Kiosk irgendwas kaufen muss, um wieder flüssig zu werden .

      Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
      um es genauer zu sagen, der ganze Dunstkreis um das Corum herum ist an sich unfreundlich, so daß es einen nicht verwundern würde, wenn Sie einen Teil dieser Stimmung mit in die Wirtschaft getragen hätten;
      Sie haben ein feines Näschen, Herr Schlaraffenland. Ihre Vermutung möchte ich nicht ausschließen.

      Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
      wie sonst wäre zu verstehen -oder haben Sie womöglich Ihr Fazit schon vorweggenommen - wenn Sie sagen: vom Guide Michelin ... derzeit "noch" mit zwei Sternen ausgezeichnet.
      Das "noch" meinte ich allerdings anders. Das bezog ich darauf, dass der Jardin keine drei Sterne mehr hat. Mit meiner sehr eingeschränkten Erfahrung finde ich absolut, dass die Zwei-Sterne-Bewertung des Michelin gerechtfertigt ist. Das Essen ist sehr, sehr fein. Dass es mich an dem Abend nicht so stark angesprochen hat, ist denke ich eher eine persönliche Sache. Ich hoffe, das kam halbwegs rüber in meiner Schilderung.

      Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
      Die Kalbskopfkroketten waren langweilig? Schade, wären die dort mal lieber bei ihren genialen, auch von glauer so geliebten, Schweinsfuß-Kroketten geblieben.
      Oha, jetzt wird es leicht peinlich für mich. Es kann sein, dass es Schweinsfuß-Kroketten waren und dass ich die Kalbskopf-Kroketten am nächsten Abend hatte. Sie haben mich trotzdem der Erinnerung nach nicht nachhaltig begeistert.

      Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
      Womöglich fährt man gerade bei den Pourcels besser, à la carte Gerichte zu wählen, die scheinen mir, vielleicht auch, weil sich die Karte doch erstaunlich langsam ändert, ausgereifter und auch eindrucksvoller zu sein. Unbedingt hätte man dies bei den Desserts tun sollen, denn der Teil -ich hoffe, ich erinnere mich richtig - pour les amateurs du chocolat kann einen in Verzückung versetzen.
      Ich habe mir die Karte jetzt noch einmal angeschaut. Was mich erstaunt ist die Vielzahl von Gerichten. Sind das alles Klassiker des Hauses?

      Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
      Hatten Sie noch einen Wein zum Nachtisch?
      Nein. Ich dachte eigentlich, der Sommelier hätte mir ein Glas pro "Menu-Etappe" (Vorspeise, Fisch, Taube, Käse/Desserts) vorgeschlagen, aber da scheine ich ihn missverstanden zu haben. Auf eine Nachfrage hatte ich dann keine Lust (siehe Corum-Stimmung).

      Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
      Ich bin schon gespannt, wo Sie die rustikale Tauben-Variante vernichtet haben. Rimbaud? glaub' ich nicht; ich tipp' auf Cellier Morel
      Was wäre das Leben ohne Überraschungen ? Ich wage mich aber schon mal so weit vor, zu verraten, dass es südlich von Montpellier war.
      Zuletzt geändert von rocco; 14.02.2012, 23:12.

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      • #4
        Einmal darf ich noch raten?
        War's die Taube mit Kirschen en croute de pistache mit Polenta?
        Dann wird sich M.Taillevent besonders über den Bericht freuen.
        s.

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        • #5
          Restaurant Octopus *, Béziers

          Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
          Einmal darf ich noch raten?
          War's die Taube mit Kirschen en croute de pistache mit Polenta?
          Dann wird sich M.Taillevent besonders über den Bericht freuen.
          s.
          Nein, die Taube war es auch nicht. Die klingt aber fantastisch. Ich habe ein wenig hier im Forum gesucht, aber keinen Bericht über ein Restaurant südlich von Montpellier gefunden, in dem es Taube mit Kirschen en croute de pistache mit Polenta gab. Gibt es das in der Auberge de Vieux Puits? Die hatte leider zu bis März, da wäre ich wahnsinnig gerne hingegangen.

          Meine nächste Station nach Montpellier war nach einem kurzen touristischen Abstecher nach St-Guilhem le Desert Béziers, das mir von weiter weg etwas einladender erschien als mittendrin. In einer Seitenstraße der Allée Paul Riquet liegt etwas unscheinbar das Restaurant Octopus (ein Michelin-Stern), in dem Fabien Lefebvre (MOF 2004) kocht, seine Frau Rachel Sommelière ist und ein Laurent (vielleicht der Bruder) den Service leitet. Alle drei waren früher im Hotel Le Bristol in Paris. Das Restaurant ist klein, der Speisesaal etwas nüchtern, aber ganz gemütlich. Es herrscht eine sehr angenehm familiäre Atmosphäre. Laurent, der Servicechef, und Rachel, die Sommelière, verrichten ihre Arbeit zunächst etwas zurückhaltend, freuen sich aber, wenn man freundlich ist und das Präsentierte gut findet, und blühen dann auch kräftig auf.

          Der Abend startete mit einem Glas Champagne Cuvées des Moines Brut von Besserat de Belfont. Dazu wurde zunächst ein Sashimi von der Makrele, eine Kalbskopf-Krokette (hier war sie nun, im Jardin des Sens muss es dann doch die Schweinsfuß-Krokette gewesen sein) mit einem Knoblauch-Dip und ein sehr strenges, aber wirklich gutes Rocquefort-Sorbet gebracht. Da man drei ziemlich unterschiedliche Dinge auf der Schieferplatte hatte, fand ich die Amuses besonders gut.

          Die Karte ist für ein Michelin-Stern-Restaurant nicht nur in den Menus, sondern auch à la carte ziemlich preisgünstig (Vorspeisen zwischen 10 und 20 Euro, Hauptspeisen zwischen 18 und 30 Euro, Desserts unter 10 Euro). Die Menus variieren je nach Vertrauen. Ich hatte nach den hervorragenden Amuses zwar Super-Confiance (8 Gänge), aber nicht ausreichend Hunger, so dass ich es bei Confiance (6 Gänge, 55 Euro) beließ. Die Weinkarte fand ich spitze, sie ist zwar nicht riesig (ca. 150 Positionen), dafür fand ich aber um so mehr Weine, die ich interessant fand. Rachel Lefebvre folgt dem Vin Naturel-Zug. So finden sich auf der Karte nicht nur zahlreiche Weine aus dem Languedoc (knapp über die Hälfte) von vielen Erzeugern, die mir größtenteils gar nichts sagten, sondern auch viele sehr spannende Weine aus anderen Regionen, die man nicht so oft auf Weinkarten findet: die St-Josephs und Crôzes-Hermitages von Dard & Ribo und Fleurie von Yvon Metras zum Beispiel. Rachel nennt das "la culture et la vinification d'aujourd'hui". Es kann sein, dass mir diese Art von Weinen auch irgendwann über ist, wenn der Neuigkeitsfaktor verflogen ist. Aber im Moment gibt es in der Ecke sehr viel zu entdecken. Deshalb bat ich um eine Weinbegleitung (auch günstig, 5-7 Euro das Glas).

          Selbige startete mit einem sehr guten und ausgereiften 2007 Viré Clessé Sur le Chêne von Jean-Pierre Michel. Dazu gab es eine Kartoffelbrunoise „comme un Risotto“, Eigelb, schwarzen Trüffel Jus und schwarze Trüffel, eine recht klassische Kombination, die aber immer wieder fantastisch schmeckt, wenn die Trüffeln gut und auch ein bisschen erotisch sind - wie hier. Der Wein war dazu vielleicht keine Traumwahl, störte aber auch nicht.

          Den nächsten Gang fand ich fantastisch: Jakobschmuscheln, pochierte Austern, Algen, Pastinakencreme und eine Sauce von confierten Zitronen. So gut wie dieses Gericht schmeckte, freute ich mich sogar über die mit drei Jakobsmuscheln und zwei pochierten Austern (aus Bouzigues) für ein Menu groß dimensionierte Portion. Der Teller war extrem "maritim", v.a. wegen der pochierten Austern, und sogar ein kleines bisschen raffiniert mit der Pastinakencrème und den confierten Zitronen. Das brachte glatt ein bisschen Sommergefühl in den kühlen Winter. Auch der gerade erst gefüllte und daher noch leicht hefige Wein dazu war sehr gut - ein 2011 Vin de France (reinsortiger Macabeu) der Domaine Ledogar, die in der AOC Corbières-Boutinac beheimatet ist. Das Hefige passte besonders gut zu der Pastinakencrème.

          Und dann kam sie schon, die wunderbare Taube, vielleicht die beste meines noch kurzen Lebens. Es wurde gebracht Taubenfilet und –keule, gefüllt mit Mangold und Taubeninnereien, dazu einen Jus aus Taubeninnereien und etwas Kartoffelpü. Dazu noch ein frittiertes Kartoffelbällchen mit Taubeninnereien gefüllt. Das sah nicht sooo appetitlich aus, wenn man das Innereienbällchen einmal angeschnitten hatte. Aber geschmeckt hat es ganz wunderbar - tief, komplex, süß und salzig und dabei erstaunlicherweise fast schon leicht und beschwingt. Das mag auch daran liegen, dass sich die Sommelière mit ihrem Weintipp selbst übertraf. Sie brachte einen ungeschwefelten 2008 Vin de Table "Tout Nature" wieder von der Domaine Ledogar (je 1/3 Carignan, Grenache und Mourvèdre von alten Reben), der wie auch die Taube sehr viel Tiefe hatte, eine durchaus fordernde Mineralik, aber auch eine beschwingte Leichtigkeit. Den Wein empfohl sie auch dem älteren englischen Ehepaar am Nachbartisch zur Taube (sie hatten jeweils eine ganze à la carte) und ließ die Flasche sicherheitshalber stehen. Kurze Zeit später war sie leer :cheers:.

          Zum Käse (etwas Ziege aus den Cevennen) gab es einen weiteren ungeschwefelten und ziemlich spannenden Wein, nämlich einen 2009 Vin de Pays de la Vallée du Paradis "La Begou" von Maxime Magnon (Grenache Gris und Grenache Blanc). Positiv aufgefallen ist mir, dass die hervorragende Sommelière auch zum Käse einen Wein brachte (anstatt nochmal den Rotwein nachzuschenken), und sich erst nach der Auswahl der Käse entschied. Das finde ich nicht selbstverständlich.

          Die anschließenden Desserts waren wie das ganze Essen exzellent, beide zeichneten sich durch ihre Schlichtheit aus. Zuerst gab es einen Mango-Raviolo mit Eis von exotischen Früchten, dazu Piment Doux Sirup, eine Kugel Eis, umhüllt von zwei hauchdünnen Mangoscheiben. Sehr einfach, aber schön erfrischend. Der Wein dazu war zwar der "regionalste" (klingt für mich fast so schlimm wie "optimalste", aber ich sage es trotzdem ), sagte mir aber nicht wirklich zu und passte eher mittelmäßig zum Dessert. Es war ein 2007 Vin de Table "L'Ille" der Domaine de Ravanès (100% Ugni Blanc), der ein wenig nach Pineau des Charentes schmeckte, vielleicht wegen des Ugni Blanc. Mir war er zu stark zu der Mango. Viel besser passte er zum zweiten Dessert, einer Creme von weißer Schokolade mit grünem Apfelgelee, grünen Apfelstücken und Basilikumsorbet. Schoko, Obst, Kräuter. Dieses Dessert war nicht einmal übermäßig originell, aber schmeckte einfach fantastisch.

          Am Ende war ich sehr begeistert. Ein tolles Essen zum hervorragenden Preis mit neuen und spannenden Weinen in netter Atmosphäre, und das alles ziemlich unaufgeregt aufgelegt. Ich bin immer noch ganz euphorisch und frage mich manchmal, warum sich eigentlich in Deutschland (Großstadt oder Provinz ist hier egal) nicht solche Restaurants etablieren?

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          • #6
            Richtig, dieses Taubenrezept stammt aus Fontjoncouse - von M.Taillevent gibt es über die Auberge einen schönen Bericht, da gab es allerdings eine Ringeltaube.
            Wenn man auf der Fahrt von St-Guilhem nach Béziers die Route über den nördlichen Teil der Terrasses du Larzac, die ja noch gar nicht solange als AOC anerkannt sind, wählt, also via St.Saturnin und St.Guiraud (wo übrigens der famose Mr.David Puig ein charmantes Refugium installiert hat: http://hoteldumimosa.com/ ), passiert man eine der schönsten Regionen Frankreichs, was sag' ich, der ganzen Welt. Auch Béziers hat für mich einen besonderen Charme, vor allem die Region um die Kathedrale mit dem Blick auf die Orb; in der feucht-kalten Jahreszeit mag man dies sicher anders empfinden.
            Wir waren im Octopus nur zum kleinen Mittagessen, zwei Gänge, Wein/Wasser/Kaffee für 22 €. Bemerkenswert ist aber, daß ich mich bis heute genau an die Suppe erinnern kann, mit Kürbis/Steinpilz/Kastanie ganz herbstlich gehalten. Auf einem tiefen Teller lag eine gelblich-schaumige Masse, nun wurde, am Tisch, ein aromatischer Steinpilzsud angegossen, worauf sich dieser Kürbisschaum zerteilte und wie kleine Inselchen auf der Suppe schwamm; irgendwie waren dabei noch kandierte Maronenteilchen auf den Teller gelangt ...
            Uns blieb der Eindruck einer intelligenten Küche; und dies bestätigen Sie ja mit Ihren gelungenen Bericht.
            Besonders gefallen hat mir Ihre Beschreibung der Weinbegleitung zum Käse; daß dort erst abgewartet wird, welche Käse ausgesucht werden, um dann den passenden Wein zu wählen, toll (obwohl eigentlich selbstverständlich, nur wo erlebt man das schon).
            Ugni Blanc als Süßwein haben wir in der Region St.Chinian kennengelernt; interessant, aber, wie Sie sagen, nicht die allererste Wahl im Languedoc. Da bleiben die Muscats aus der Region Frontignan und selbst die Versuche mit Petit Manseng (z.B. Domaine Belles Pierres) in besserer Erinnerung.

            Lassen Sie Sich nun abschließend nochmals zu Ihrer Languedoctrilogie, die fast noch schöner als Ihr Pyrénées-Occidentales-Zyklus geraten ist, beglückwünschen.
            MkG
            schlaraffenland

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            • #7
              Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
              Languedoctrilogie
              Ich bin froh, dass Arles nur an der Grenze zum Languedoc liegt. Sonst hätte ich Sie ja so verstanden, dass es nun mal gut ist mit Restaurantbesuchsberichten aus Frankreich . Einen habe ich nämlich noch aus dem Languedoc, und den möchte ich gerne noch los werden, weil ich das Restaurant für eine echte Empfehlung halte. Und danach bin ich ja noch wieder zurück an die Côte d'Azur gefahren. Wenn es langatmig wird (das könnte ich verstehen), bitte ich um einen kleinen Fingerzeig.

              Gruß, rocco

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              • #8
                Zitat von rocco Beitrag anzeigen
                Wenn es langatmig wird (das könnte ich verstehen), bitte ich um einen kleinen Fingerzeig.
                Langatmigkeit steht ja - nach diesen wunderbaren Berichten - kaum zu erwarten; bitte fühlen Sie sich durchaus aufgefordert, über Ihre Tour durch die französischen Küchen eine Tetralogie oder was auch immer hier abzuliefern!

                Gruß, mk
                Zuletzt geändert von Mohnkalb; 17.02.2012, 00:34. Grund: Sinn für Details

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                • #9
                  Zitat von rocco Beitrag anzeigen
                  Ich bin froh, dass Arles nur an der Grenze zum Languedoc liegt. Sonst hätte ich Sie ja so verstanden, dass es nun mal gut ist mit Restaurantbesuchsberichten aus Frankreich . Einen habe ich nämlich noch aus dem Languedoc, und den möchte ich gerne noch los werden, weil ich das Restaurant für eine echte Empfehlung halte. Und danach bin ich ja noch wieder zurück an die Côte d'Azur gefahren. Wenn es langatmig wird (das könnte ich verstehen), bitte ich um einen kleinen Fingerzeig.

                  Gruß, rocco
                  Unbedingt weitermachen. So viele Zeilen und immer noch kein einziges "ein" vor Akkusativ im Singular Maskulin, allein das lässt einen wohlig erschauern......
                  Aber auch inhaltlich dringend noch mehr, bitte.

                  ggl

                  PS Ich werfe mich ungern zwischen die Fronten, aber ich hätte aus dem Gedächtnis geschworen, der frittierte Minikubus bei den Pourcels sei aus Kalbskopf gewesen.

                  PPS Das mit dem Les Grenadières von Mas Bruguières wundert mich auch. Habe ich (aus anderen Jahrgängen) als extrem erfreulich in Erinnerung. Die Kraft des Südens, aber in Seide gewandt.

                  PPPS Wir wurden damals im Jardin d S mit dem Chateaux des Estanilles bekannt gemacht. Lange nicht gehabt, aber meine erste Offenbarung in Sachen Wein aus dem Südwesten.

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                  • #10
                    @ glauer: meine liebe Frau ist sich ganz sicher: es war Schwein; zumal sie sich nur mäßig gerne an meine Küchenexperimente erinnert, als der Schweinsfuß mal gekocht, mal geschmort entzutzelt wurde, ums Kahnbein herum alles Gallertige, gepreßt ...
                    @ rocco: durch Frau wi's Arnsbourg-follow-up bin ich nochmals auf Cazeneuve gestossen; können Sie Ihren damaligen Roc de Mates mit dem Les Grenadières noch vergleichen? (ich könnte das übrigens nicht (bzw kaum) mehr, weiß aber, daß es Leute gibt, die ein beeindruckendes Geschmacksgedächtnis haben)
                    By th way, einen aus dem Languedoc hätten Sie noch; et alors.
                    MkG
                    s.

                    Kommentar


                    • #11
                      Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
                      @ rocco: durch Frau wi's Arnsbourg-follow-up bin ich nochmals auf Cazeneuve gestossen; können Sie Ihren damaligen Roc de Mates mit dem Les Grenadières noch vergleichen? (ich könnte das übrigens nicht (bzw kaum) mehr, weiß aber, daß es Leute gibt, die ein beeindruckendes Geschmacksgedächtnis haben)
                      In diesem speziellen Fall (Roc de Mates) kann ich mich tatsächlich erinnern. Denn er hat so expressiv nach Holunderbeersaft gerochen und geschmeckt, dass man sich dem gar nicht entziehen konnte. Ich habe nicht so viel Erfahrung mit den Weinen aus dem Languedoc allgemein und speziell Pic St.-Loup (vielleicht 4 oder 5 verschiedene Pic St.-Loup getrunken). Im Vergleich zu dem Roc de Mates und z.B. Pic St.-Loups vom Château de Lancyre (Vielles Vignes) oder von Clos Marie (Olivette) fand ich den Grenadières etwas freudlos. Dieses "Loch in der Mitte" (ich kann das nicht besser beschreiben) hat die schöne Nase etwas getrübt. Aber ich glaube Ihnen und Herrn glauer gerne, dass Mas Bruguière ein exzellentes Weingut ist. Deshalb werde ich mir einfach mal ein paar Flaschen aus dem Sortiment besorgen und nachprobieren.

                      Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
                      By the way, einen aus dem Languedoc hätten Sie noch; et alors.
                      MkG
                      s.
                      ...et alors... morgen. Heute aber schon einmal ein Foto.

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                      • #12
                        La Coquerie, Sète

                        Das Bewertungssystem des Guide Michelin finde ich immer noch genial. Denn die Frage, ob ein Restaurant eine "sehr gute Küche" bietet, "einen Umweg wert" oder "eine Reise wert" ist, kann man für sich meist doch ganz gut beantworten. Schwieriger wird es, wenn man für sich neben der Küche noch andere Aspekte mit einbezieht. Denn auch wenn nach Michelin-Kriterien die Küche von Anne Majourel in der Coquerie in Sète im Zweifel wenn überhaupt nur "sehr gut" ist, ist das Restaurant allein wegen seines Konzepts, seines Ausblicks, der Herzlichkeit der Gastgeber, der Frische der Produkte und als Gesamterlebnis mindestens einen Umweg, wenn nicht sogar eine Reise wert.

                        Anne Majourel hat 27 Jahre lang im Restaurant Le Ranquet in Tornac in den Cevennen gekocht und wurde dort mit einem Stern ausgezeichnet. Im September 2011 hat sie dann in Sète, dem Heimatort ihres Gatten, die Coquerie aufgemacht, ein kleines Restaurant mit vier Tischen für maximal 16 Leute (dann dürfte es sehr eng werden), gelegen neben dem Fischerfriedhof auf dem Hügel mit einem traumhaften Blick auf den Hafen und das Mittelmeer (siehe das Foto mit dem etwas ungünstigen Ausschnitt im vorherigen Beitrag). Sie kocht für ihre Gäste in einer offenen Küche und mit möglichst viel Unterhaltung. Gekocht wird ausschließlich nach Marktangebot. Es wird also morgens entschieden, was es mittags und - Freitag und Samstag sowie im Sommer jeden Tag - abends gibt.

                        Ich war am letzten Tag vor der Februar-Pause da und war auch der einzige Gast. Annes Gatte Jean-Luc macht ein bisschen Service und empfiehlt den Wein (hier ein Gläschen 2010 Picpoul de Pinet vom Château Petit Roubié). Außerdem gibt es noch einen jüngeren Servicemitarbeiter, den Anne aus dem Ranquet mitgebracht hat. Man hat die Auswahl zwischen zwei (36 Euro) bis vier Gängen (55 Euro). Da die Portionen ziemlich groß sind, muss man für vier Gänge ziemlich viel Appetit mitbringen. Ich beschränkte mich auf zwei Gänge, habe dabei aber Huitres Roses de Tarbouriech mit Apfel und Pfeffercrumble sowie ein Dessert aus Orange, Vanille und Verveine verpasst. Die Weinkarte habe ich mir nicht angeschaut, im kleinen Kühlschrank lagern aber ein paar schöne Flaschen (Rayas blanc, Meursault von Comtes Lafon, Nuits St.-Georges von Thibault Liger-Belair, usw.).

                        Als Einstimmung wurden neben etwas Brot und Olivenöl marinierte Sardinen mit Kürbis, kleine, frittierte Crevetten und Muscheln gebracht. Die Muscheln hatte ich vorher noch nicht gesehen. Die Schale sah aus wie von dunklen Venusmuscheln. Die Muscheln schmeckten aber wie eine meersalzige Version von Jakobsmuscheln. Alles schmeckte wunderbar. Dann gab es Stockfisch-Branade-Bonbons mit Tintenfischtagliatelle, Brunnenkressejus und Piment d'Espelette. Die Bonbons waren frittierte Bällchen, gefüllt mit einer luftig leichten und intensiv nach Stockfisch, Olivenöl und Knoblauch schmeckenden Masse, die von außen noch kunstvoll mit Kartoffelfäden umhüllt waren. Optisch erinnerte das an Planeten mit Umlaufbahn. Der in Tagliatelle-Form geschnittene Tintenfisch hatte genau die richtige Konsistenz und brachte etwas Abwechslung. Als Vorspeise war das Gericht vielleicht insgesamt etwas üppig, verkörperte für mich aber herrlich die Küche des Mittelmeers.

                        Anschließend bereitete Anne ein fettes Stück Loup de Mer (Rücken) mit Sauce Bouillabaise, Parmesancracker und Wirsing zu. Ich weiß nicht, ob ich jemals vorher ein so zartes, filigranes, aber auch stattliches Stück Loup de Mer auf dem Teller hatte. Dieser wird mir jedenfalls noch lange Zeit als Referenz im Gedächtnis bleiben. Erstaunlicherweise passten die rustikalen mit Wirsing, Speck und Zwiebeln gefüllten Wirsingpäckchen links und rechts neben dem Fisch ganz gut dazu. Allerdings habe ich auch eine Schwäche für Kohl. Der Parmesancracker hingegen wollte sich nicht so recht einfügen. Trotzdem war dies ein wunderbares Gericht.

                        Zum Café gab es noch ein paar Madelaines und Schokoladentrüffel, und ich konnte noch etwas mit der charmanten und mit einem sonnigen Gemüt gesegneten Anne Majourel plaudern. Ihr Ziel mit dem Restaurant ist die Interaktion mit ihren Gästen. Sie will der gehobenen Küche die Mysterie nehmen, die sie hat, wenn man nur einen Teller aus der Küche gebracht kriegt. Ihr Ziel ist auch weniger die ganz aufwändige Küche mit großer Vorbereitungszeit, vielmehr eine feine Mittelmeerküche aus exzellenten frischen, regionalen und saisonalen Produkten. Interessant fand ich, dass sie ihre Rolle ähnlich sieht wie die einer Mutter, die für ihre Familie kocht. Sie sagte, dass männliche Spitzenköche sich gerne mit einer leicht unnahbaren Aura umgeben. Schon die großen Kochmützen sollen einem Respekt einflößen. Sie will ihren Gästen zeigen, dass es von der Hausmanns- bzw. Hausfrauenküche zur gehobenen Küche gar kein so großer Schritt ist, wie man sich das gemeinhin oft vorstellt. Das gelingt ihr in jedem Fall. Und da die Coquerie schön liegt und meist die Sonne scheint, komme ich am Ende doch zu dem Ergebnis, dass sie für mich eine Reise wert ist.

                        Gruß, rocco

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                        • #13
                          Das klingt ja wirklich nach einem spannenden Reiseziel! Danke für den stimmungsvollen Bericht...
                          Beste Grüsse, ihr küchenreise

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                          • #14
                            Sète ist sicherlich die schönste Hafenstadt an der französischen Mittelmeerküste. Was die Küche betrifft jedoch eindeutig keine Hochburg der feinen Kochkünste, eher ein Zentrum für das Meeresfrüchteplateau oder moulesfrittes. Es gibt eine Bib-Kneipe, die dringend darauf bedacht ist, den Fisch auf keinen Fall glasig zu servieren, entsprechende Bitten eisernd ignorierend. Dass sich nun dort ein Lokal etabliert hat, das eine Kochkunst zelebriert, wie man sie weder schöner erwarten noch gelungener beschreiben könnte, ist mir eine besondere Freude. Nach dem Besitzerwechsel des legendären Duos im Chez Philippe in Marseillan war die Region um den Étang etwas verarmt ... das Menü im Les Ami du Georges hatte allenfalls im Sinne eines Gesamtkunstwerkes einen gewissen Charme.
                            Zwei coup de coeur Adressen in Sète:
                            www.legrandhotelsete.com
                            nicht zuletzt ist dies Hotel liebenswert, weil man es sich (zumindest wir) gerade noch leisten kann
                            www.chateaulapeyrade.com
                            dieses Château de la Peyrade liegt direkt an einem Kreisverkehr Richtung Autobahn, die Muscats sind großartig, selbst die haut de gamme- Fraktion ist vollkommen bezahlbar und eine Vielzahl der Weine der besten Weingüter des Languedoc werden zu (fast) denselben Preisen wie ab Weingut angeboten.
                            Gruß
                            s.
                            PS: Nochmals zurück zu dem von Herrn rocco so eindrucksvoll beschriebenen Restaurant. Die Lage direkt am cimetière marin ist ja schon besonders. Es ist zu vermuten, daß Brassens bei seinem Gesuch, am Strand von Sète beerdigt zu werden, eigentlich diesen Friedhof erträumte ( une bonne petite niche ... sur la plage de la Corniche) zumal er auch noch Bezug nimmt auf den dort begrabenen Paul Valéry (et qu'au moins, si ses vers valent mieux que les miens, mon cimetière soit plus marin que le sien, et n'en déplaise aux autochtones); in der Übersetzung von Gisbert Haefs: und wenn sein Dichtwerk denn erhabner ist als meins, soll mein Grab niedriger, mariner sein als seins, gleich, was die Einheimischen denken.
                            Zuletzt geändert von Schlaraffenland; 23.02.2012, 00:14.

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                            • #15
                              Anne Majourel hat jetzt auch einen Michelin-Stern für die Coquerie bekommen.

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