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La Fourchette des Ducs **, Obernai

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  • La Fourchette des Ducs **, Obernai

    Schon vor gut zwei Jahren wollte ich gerne das Restaurant La Fourchette des Ducs in Obernai aufsuchen. Damals gab es noch keine Website, aber Fotos des Wintersalons, die enorm einladend aussahen und an mein Interesse für Art Nouveau Einrichtung appellierten. Wir sind dann schlussendlich in das nahegelegene Bistro des Saveurs gegangen und hatten einen tollen Abend.
    Vor der Rückreise nach Deutschland ergab sich diesen Januar dann doch noch einmal die Gelegenheit, in Obernai Halt zu machen.

    Das Haus in der Nähe des Bahnhofs, das das La Fourchette des Ducs beherbergt, hat eine interessante Geschichte. Sie beginnt mit Ettore Bugatti, dem Gründer des heute zur Volkswagen AG gehörenden Sportwagenherstellers Bugatti. Obwohl aus Mailand stammend, baute Ettore Bugatti 1910 seine Werkstatt zur Herstellung der Sportwagen in Molsheim im Elsass, das damals zum deutschen Kaiserreich gehörte. Grund dafür war, dass Baron Eugène de Dietrich aus Niederbronn im Elsass 1901 auf den von Ettore Bugatti gebauten Sportwagen Type 2 aufmerksam geworden war und Ettore Bugatti erfolgreich nach Niederbronn locken konnte. Nach weiteren Stationen in Illkirch-Graffenstadten (Elsass) und Mühlheim am Rhein (Deutschland) beschloss Ettore Bugatti 1910, sich selbständig zu machen und erwarb eine alte Färberei in Molsheim, in der er seine Produktion ansiedelte.

    In den 1920er Jahren kaufte die Bugatti Familie das Château Saint-Jean, ebenfalls in Molsheim, das direkt an die Werkstatt angrenzt. Bereits vorher suchte Ettore Bugatti aber nach einem Ort, an dem er repräsentative Empfänge abhalten und Kunden empfangen konnte. Carlo Bugatti, Vater von Ettore, war Designer, Dekorateur und Architekt, so dass Ettore Bugatti die Leidenschaft für die schönen Dinge und Innenarchitektur von Hause aus mitgegeben worden war. Fündig wurde Ettore Bugatti in Obernai. Gemeinsam mit seinen Freunden, Lucien Weissenburger, der seinerzeit u.a. den Weinberg Clos Saint Odile in Obernai besaß, dem Glaskünstler Réné Lalique und dem Marketerie-Künstler Charles Spindler, konzipierte Ettore Bugatti 1920 in Obernai das Haus Nr. 6 in der Rue de la Gare, einen Traum in Art Nouveau. Spindler, u.a. Maler, Fotograf und Autor, hatte auch ein Talent für die Holzkunst und kümmerte sich um die Holzvertäfelung, die Intarsie- und Marketeriearbeiten des Salons. Unter anderem schuf er einen kunstvoll gestalteten Kamin. Lalique übernahm die Glasarbeiten und gestaltete die Wand- und Deckenleuchten und die Glaskunst für die Tische.

    Heute ist der Winter-Salon des Hauses nahezu im Original-Zustand erhalten geblieben. Kaum etwas musste ersetzt oder nachgearbeitet werden. Nur die Teppiche wurden neu verlegt. Seit 2000 ist der Salon für die Öffentlichkeit geöffnet. Nicolas Stamm (Küche) und Serge Schaal (Service) haben das Bugatti-Haus wieder eröffnet und dort ihr Restaurant La Fourchette des Ducs angesiedelt. Schon seit 2005 dürfen sie sich mit zwei Michelin-Sternen schmücken.

    Neben einer umfangreichen à la carte Auswahl werden auch zwei Menus angeboten. Ich entschied mich für das kleine Menu "Essence de Terroir" (90 Euro). Die Weinkarte hat mich persönlich nicht überzeugt, ich hatte auf eine etwas größere Breite und Tiefe im Elsass gehofft. Ein paar Flaschen von Albert Mann oder Marcel Deiss sahen interessant aus, für meinen Geschmack wird aber zu viel auf große Namen wie Trimbach oder Schlumberger gesetzt. Ältere Jahrgänge sind nur sehr begrenzt gelistet. Am Ende entschied ich mich für einen 2010 Pinot Gris Grand Cru Hengst von Albert Mann.

    Zum Apéritif, einem Glas 2010 Muscat Grand Cru Altenberg de Bergbieten von Frédéric Mochel, wurden drei kleine Häppchen gereicht, davon ein "experimentelles" Sushi, alle drei prima. Das galt auch für das zweite Amuse, ein Duo von roter und gelber Bete in weicher (Mus) und harter (frittierte Streifen) Form mit einem Stück sauer marinierter Makrele. Der erste Gang war rustikal, aber sehr schmackhaft, ein Pressé de Saumon Sauvage et Homard, Crème de Raifort, d.h. eine Lachs- und Hummerterrine mit Meerrettichcrème. Ich mag sehr gerne kalte Vorspeisen und finde Terrinen, Patés, usw. auch absolut geeignet für die Sterneküche. Der Pinot Gris, der zunächst etwas säurearm, etwas breit, ein wenig muffig und v.a. deutlich süß schmeckte, fing zu der Terrine schon langsam an aufzublühen. Gerade mit dem Meerrettich konnte er sich gut anfreunden.

    Auch der nächste Gang erinnerte ein wenig an geringfügig variierte Hausmannskost. Die "Gefelti Knepfle" de Gros Gris de Cleurie aux Epinards, Infusion de Crevettes Grises, waren letztlich nichts anderes als etwas lockerere Maultaschen, die statt mit Bratenresten mit den großen grauen Schnecken (und dazu Spinat) gefüllt waren. Das schmeckte sehr gut, es fehlte aber ein wenig der Aha-Effekt. Auch zu diesem Gang war der Pinot Gris aber eine Top-Wahl.

    Nicht hingerissen war ich von dem Fleischgang (Filet d'Agneau d'Origine France rôti, Tarte Fine de Légumes et Jus au Thym). Das Lammfilet war schön zart und schön rosa gegart, auch die Gemüse im Blätterteig schmeckten gut. Wie auch schon bei dem vorherigen Gang fehlte es mir aber an Tiefe und Länge. Ich liebe klassische Küche. Aber in einem **-Restaurant erhoffe ich mir bei ganz klassischen Gerichten das besondere Geschmackserlebnis durch eine besondere Produktqualität oder eine besonders intensiv schmeckende Sauce. Diesbezüglich mochte der Funke an dem Abend nicht überspringen. Das galt auch für das Dessert, Crème au Mokka, Ganache Moelleuse au Chocolat et Epices, ein recht üppiges Schokoladen- und Kaffeedessert. Es ließ sich nichts bemängeln, aber schon einen Monat später fällt es mir schwer, mich noch an Details des Desserts zu erinnern.

    Der Service war an dem Abend übrigens sehr diskret und sehr freundlich. Die Beratung durch den Sommelier war auch sehr gut. Insofern gab es eigentlich an nichts irgendetwas auszusetzen. Gleichwohl fehlte mir das gewisse Etwas, der Funke für einen besonderen Abend. Allein die wunderbaren Räume konnten diesen Funken nicht auslösen, auch nicht der gute Wein zum Essen. Es hätte die Küche sein müssen und die war für mich am Ende weniger Bugatti und mehr VW Passat.
    Zuletzt geändert von rocco; 28.02.2013, 17:14. Grund: Typo

  • #2
    Vielen Dank für den gelungenen Bericht. Ich hatte schon einiges über die Fourchette gelesen, aber aus irgendeinem Grunde hatte es mich nie dahin gezogen; jetzt ahne ich schon eher, warum.
    "Der Pinot Gris, der zunächst etwas säurearm, etwas breit, ein wenig muffig und v.a. deutlich süß schmeckte ". Das mit der Süße der elsässer Weine fällt immer mehr auf, ich mag's übrigens gerne.
    MkG
    schlaraffenland
    PS: "lockerere Maultaschen, die statt mit Bratenresten mit ... gefüllt waren." Sylvie van der Vaart (oder wir man das schreibt) würde jetzt sagen: Das meinst Du doch nicht Dein Ernst. Ich sage: gelbe Karte! Bei Maultaschen verstehen wir keinen Spaß

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    • #3
      Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
      PS: "lockerere Maultaschen, die statt mit Bratenresten mit ... gefüllt waren." Sylvie van der Vaart (oder wir man das schreibt) würde jetzt sagen: Das meinst Du doch nicht Dein Ernst. Ich sage: gelbe Karte! Bei Maultaschen verstehen wir keinen Spaß
      Da schwaebisch Maultaschen nur in Schwaben hergestellt werden duerfen (wobei "Das geographische Gebiet Schwaben umfasst ganz Baden-Württemberg sowie den gesamten Regierungsbezirk Schwaben des Freistaates Bayern."):

      Vielleicht gelten im Elsass ja andere Regeln?

      http://www.badische-zeitung.de/gastr...-65336207.html

      http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/...35:0037:DE:PDF

      PS: eine interessante Definition des Gebiets "Schwaben", mit der nicht alle Badener gluecklich werden duerften ...

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      • #4
        Zwar nicht Obernai, aber trotzdem etwas zu Württemberg am Rhein: :-) Es geht um Riquewihr oder Reichenweiher. Wiki sagt:

        1324 wurde die Stadt an das Haus Württemberg verkauft. Von diesem Zeitpunkt an gehörte sie neben der Grafschaft Württemberg-Mömpelgard zu den linksrheinischen Besitzungen des Hauses Württemberg.
        1793 wurde die Stadt französisch. Die Bevölkerung ist mehrheitlich lutherisch.

        Daher die Maultaschen im Elsass??

        Beste Grüße
        Daurade

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