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JY'S **, Colmar

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  • JY'S **, Colmar

    Was macht man, wenn man im Kaiserstuhl ein Arrangement gebucht hat, bei dem man mit 5 und 7 Gängen abends wahrlich nicht hungrig ins Bett geschickt wird und auch das Frühstück im gastfreundlichen Haus alles bietet, was man sich morgens wünscht? Richtig, man fährt zum Mittagsessen auf die französische Seite. Colmar soll es sein und dort das JY'S von Jean-Yves Schillinger, dessen wunderhübsch gelegenes Restaurant gerade seit kurzem mit dem zweiten Stern ausgezeichnet wurde.

    Das Ambiente im grundentkernten Fachwerkhaus ist modern, bietet einen Stilmix aus überdimensionierten Ledersofas, Hochtischen und normalen Tischen. Im Erdgeschoss hat man darüber hinaus einen Blick in die offene Küche. Der Service ist freundlich, aufmerksam und da man schnell registriert, dass wir deutsch sprechen, wird auch sofort (und ungefragt) von französisch auf deutsch umgeschaltet.
    Die Karte bietet einige Menüs zu für französische Verhältnisse sehr fairen Preisen. Wir entscheiden uns für das 3 Gang-Mittagsmenü zu 45 Euro (mit jeweils 2 Gängen zur Auswahl) und das 4 Gang-Menü zu 69 Euro.

    Zum Apéritif gibt es einige Oliven, die etwas verspielt an einem Olivenbäumchen serviert werden. Auf einem stilisierten Ast wird dann das eigentliche Amuse Bouche präsentiert, das aus fünf Petitessen besteht, allesamt sauber gearbeitet und schmackhaft, aber überwiegend eher unauffällig. Für meinen Geschmack wären das noch eher Snacks gewesen, aber was ein Amuse ist, mag Definitionssache sein.

    Mein eigentliches Menü beginnt dann mit einem ganz ausgezeichneten Gericht. Konfierte Zwiebeln mit Grapefruit und gegrillten Gambas - klingt schlicht, ist aber außergewöhnlich stimmig und bekommt durch die Röstnoten der Gambas und den Einsatz von Piment d'Espelette einen angenehmen Hauch Schärfe.

    Die Entenleberterrine aus dem 4 Gang-Menü ist in Präsentation und Zubereitung sehr klassisch, aber eben auch sehr gut. Sie ist durchzogen von einem Artischockengel und wird puristisch nur von ein paar Crumbles und etwas Piment begleitet.

    In dem Menü geht es dann weiter mit einem prächtigen Stück Seehecht, das sehr fein begleitet wird von einem originellen Espuma vom Basmatireis, hauchdünnen Ravioli mit Ricotta und Basilikum, Tapioka und einer Krustentierbouillon. Die Komposition ist sehr harmonisch, dabei abwechslungsreich und kreativ, die Qualität ausgezeichnet.

    Bei den Hauptgängen entscheide ich mich dann für die Rotbarbe mit Zitrusaromen, Kirchererbsenpüree, kleinen bissfesten Stücken von meditteranen Gemüsen und Kurkumasauce. In Summe ist das Gericht in Ordnung, wenn auch nicht besonders originell. Was eher irritiert, ist dass eines der Filets etwas übergart und ziemlich weich ist, während das zweite Filet zu einem guten Teil noch fast roh ist und sich kaum mit dem Fischmesser teilen lässt. Auf 2 Sterneniveau sollte ein solcher handwerklicher Fehler nicht passieren. Es bleibt aber der einzige und ist daher verschmerzbar.

    Das Stück Pastrami vom US Beef ist perfekt gegart, die Sauce Bordelaise etwas grob in der Struktur, aber schmackhaft und von den Beilagen bleibt vor allem ein sehr würziger Gnocci in positiver Erinnerung. Den Klecks groben Senfs auf dem Fleisch hätte es für meinen Geschmack nicht bedurft. Insgesamt auch ein eher solider Gang.

    Ein Schnitz Grapefruitgelee, das etwas übertrieben mit wabernder Stickstoffdampferei angerichtet wird sowie ein Espuma nach Art von Irish Coffee leiten dann über zu den Desserts, die optisch wie geschmacklich noch mal einen schönen Akzent setzen.

    Vor allem die Interpretation des Torche au Marron, einer Art Maronencreme, die - so habe ich es jedenfalls im Internet gesehen - häufig ähnlich einem Spaghettieis serviert wird, überzeugt mit schönen Texturen und einem exzellenten Schokoladensorbet.
    Ebenso abwechslungsreich Mousse und Sorbet vom Fromage Blanc mit Erdbeeren, Pistazienbisquit, Schokoladencreme und Meringue - aber natürlich auf der deutlich frischeren Seite. In jedem Fall sind beide Desserts sehr gut. Gleiches gilt auch für die abschließenden Petits Fours.

    Was bleibt als Fazit? Im vermutlich besten Restaurant Colmars kann man einen sehr entspannten Mittag verbringen mit sehr ordentlichem Essen, einem charmanten Service und zu gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Sind die Gerichte zwei Sterne wert? Meiner Meinung nach nicht, auch wenn Optik und Präsentationen deutliche Ambitionen erkennen lassen. Lediglich die Zwiebel-Vorspeise und der Seehecht waren nah dran. Alle übrigen Gerichte bewegten sich auf sehr gutem Einsterne-Niveau.

    Verglichen mit Zweisterne-Restaurants , wie wir sie in Deutschland, Österreich oder Benelux erlebt haben, ist hier aber schon ein deutlicher Qualitätsunterschied erkennbar. Aber dass der Michelin in seinem Heimatland die Maßstäbe mitunter etwas großzügiger auslegt, ist ja kein unbekanntes Phänomen. Stören tut uns das an diesem Mittag nicht. Da beschäftigt uns mehr die Frage, wie wir am Abend das bevorstehende 7 Gang Menü bewältigen sollen. Aber man wächst ja mit seinen Aufgaben. Leider im wahrsten Sinne des Wortes...
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  • #2
    Vielen Dank für diesen interessanten Bericht; beinahe wär' ich vor einigen Jahren dort auch zum Mittagessen eingekehrt. Allein, es war der 8.Mai gewesen, Feiertag, dies so umwerfend preisgünstige Mittagsmenü hatte man mir unter mehrfachem désolé nicht anbieten wollen (obwohl das Lokal längst nicht ausgebucht war)

    "Zum Apéritif gibt es einige Oliven ..." erinnern Sie Sich noch, was als Apéritif angeboten wurde? Und überhaupt, die begleitenden Getränke, gibt es da noch Berichtenswertes?
    "Sind die Gerichte zwei Sterne wert? Meiner Meinung nach nicht ... " ich vermute mal, daß der Michelin auch nicht das 3-Gang Mittagsmenü mit, immerhin, fünf Snacks für 45€ bewertet hat.

    MkG
    s.

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    • #3
      Mit den Mittagsmenüs verhält es sich in Frankreich eigentlich überall so, dass sie ausdrücklich nur an Werktagen und nicht an Sonn- und Feiertagen, meistens auch nicht am Samstag, angeboten werden. Das würde ich dem Restaurant selbst bei nicht voller Auslastung nicht vorwerfen. Qualitativ stehen die Gerichte dem übrigen Angebot jedoch nicht nach und das 4 Gang Menü war ja auf jeden Fall aus dem "regulären" Programm. Mein Erwartungshaltung an ein Zweisterne-Restaurant muss sich also danach bemessen, dass auch ein günstiges Angebot diesen Anspruch einlöst.

      Da wir noch fahren mussten und abends noch ein größeres Menü vor uns hatten, haben wir uns bei den Getränken auf einen Crémant (weiß & rosé, Erzeuger leider nicht gemerkt) sowie eine Flasche Pinot Gris "Le Fromenteau" von Josmeyer aus dem Elsass beschränkt. Der hat mir sehr gut gefallen, war dicht und kompakt, meines Erachtens wohl auch im großen Holz ausgebaut. Mein Mann hat zum Hauptgang noch einen offenen Côtes du Rhone getrunken.
      Insgesamt war die Weinkarte gut in allen französischen Regionen bestückt, natürlich mit einem Schwerpunkt im Elsass und zu fairen Preisen, die, wie eigentlich meistens, im Schnitt unter denen in Deutschland liegen.

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      • #4
        Vielen Dank für den tollen Bericht! Wo genau im Kaiserstuhl waren Sie denn?

        M

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        • #5
          Im "Schwarzen Adler" bei Franz Keller in Oberbergen - Bericht folgt...

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          • #6
            Super, freue mich habe gute Erinnerung an den Schwarzen Adler.

            M

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            • #7
              " Mein Erwartungshaltung an ein Zweisterne-Restaurant muss sich also danach bemessen, dass auch ein günstiges Angebot diesen Anspruch einlöst."

              Zunächst: viele französische Sternelokale bieten mittags Menüs an, die weniger kosten als eine Vorspeise im á la carte - Bereich. Mit diesen Menüs kann man gewiß einen Einblick in die Kochkunst des Restaurants nehmen, die volle Schaffenskraft der Küche wird sich einem eher nicht offenbaren.
              Viel wichtiger erscheint mir jedoch ein anderer Aspekt. Der Mich beobachtet ein Lokal und vergibt irgendwann einen zweiten Stern, bestimmt nicht für das Mittags-Preigü-Menü. (2010 lag das bei Schillinger übrigens noch bei 32€). Aber was soll die Küche nun machen? Das Billigmenü abschaffen? Weil es den Ansprüchen an die ** nicht gerecht wird, eigentlich kaum gerecht werden kann? Der Koch hatte doch nie behauptet, daß sein Mittagessen ein Zweisterneessen ist, der Koch kocht, der Mich bewertet.

              Auch wenn das zunächst etwas pfennigfuchsend klingt, aber gerade in diesem den gastronomischen-Führern-Hinterherhecheln erkenne ich ein Mißveständnis, dem besonders deutsche Köche unterliegen. Ah, jetzt haben wir einen Stern, jetzt brauchen wir noch andere Gläser, cooleres Geschirr (aus dem man bestenfalls nicht ordentlich essen kann) und noch diesen und jenen zierenden Schnickschnack. Oft genug fand dies sein Ende im finanziellen Chaos. Und dann wird wieder zurückgerudert, der Stern publikumswirksam "zurückgegeben", von da an wolle man auch auf Chichi verzichten ...
              s.

              PS: @ thomashaj
              - daß Sie den weniger gelungenen Rotbarbengang kaum in Ihre Gesamtbewertung - die mir dennoch im Fazit etwas zu streng ausfällt, da bedrängt einen ja geradezu die Tomahawk-Assoziation - einfließen lassen, finde ich gut.
              - "Da wir noch fahren mussten und abends noch ein größeres Menü vor uns hatten, haben wir uns bei den Getränken auf einen Crémant ... sowie eine Flasche Pinot Gris "Le Fromenteau" von Josmeyer aus dem Elsass beschränkt ... Mein Mann hat zum Hauptgang noch einen offenen Côtes du Rhone getrunken."
              In der bescheidenen Beschränkung auf das Wesentliche erkennt man den wahren Genießer

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              • #8
                ...in Ihre Gesamtbewertung - die mir dennoch im Fazit etwas zu streng ausfällt, da bedrängt einen ja geradezu die Tomahawk-Assoziation -...
                Mein Urteil sollte gar nicht so streng rüberkommen. In Summe hatten wir einen schönen Mittag und würden auf jeden Fall wieder herkommen. Allerdings würde ich dann für mich versuchen, die zwei Sterne auszublenden, da sie völlig unnötig eine Erwartungshaltung hervorrufen, die für mein Empfinden hier eben nicht einzulösen wären.

                Wir hatten mit dem Viergang-Menü zu 69€ im übrigen ja auch noch ein weiteres Menü, das auch abends angeboten wird. So gesehen glaube ich schon, dass die Küchenleistung und der Küchenstil repräsentativ waren, um einen Vergleich zu anderen Zweisternern vornehmen zu können. Und da mussten wir einfach einen deutlichen Unterschied zu Deutschland, Österreich oder Benelux feststellen.

                Die Einschätzung, dass sich Gastronomen aufgrund eines verliehenen Sterns, bemüßigt fühlen, in der Ausstattung aufzurüsten und sich dabei finanziell zu übernehmen, teile ich nur bedingt. Ich glaube, dass dies früher sehr viel häufiger der Fall war. Aber durch die Vergabe von Sternen auch an unkonventionelle und weniger chice Konzepte, hat der Michelin meiner Meinung nach einen richtige Entwicklung genommen, die sich wieder mehr am Essen und weniger - wenn überhaupt noch - am Drumherum orientiert.

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                • #9
                  Ich war samt Begleitung im Februar diesen Jahres im JYs** und kann die Beurteilung von thomashaj nur begrenzt teilen.

                  Wir hatten das 4-Gänge-Menü zu €69 p.P.
                  Vorneweg gibt es wie erwähnt die Oliven, die für mich lediglich ein Gag gewesen sind, im Anschluss dann die fünf Petitessen als Amuse Bouche. Sehr fein und säuberlich gearbeitet und dieser Form sehr gut.

                  Gang 1: Wir hatten im Anschluss die Enten Foie Gras, die mir bis heute noch im Kopf ist, aufgrund ihrer puristischen Form mit Crumbles und dem süßlichen Pimentgel. Sehr gut, wenn gleich es vergleichsweise im Fischers Fritz durchaus noch einen Tick besser war.

                  Gang 2: Als nächstes kam bei uns der Seehecht in der Krustentierbouillon. Und wie hat diese Bouillon geduftet! Die Qualität des Seehechts! Das dazu passende Raviolo! Für diesen Gang würde ich bereits etwas zwischen 2 und 3 Sterne zücken.

                  Gang 3: War dann wieder ein Dip nach unten - da mir das Pastrami viel zu gewöhnlich und durchschnittlich war - der Senf obenauf ebenso.

                  Als Pre-Dessert gab es bei uns auch das Grapefruitgelee, durchaus etwas mehr Showeffekt, aber mich hat es nicht gestört.

                  Gang 4: Das Torche au Marron - daran denke ich bis heute noch häufig zurück. Ein sensationelles Dessert, welches in dieser Form bislang nur von der Schokoladencreme mit Brombeeren-Tee-Infusion im Epicure getoppt werden konnte. Ein klarer Drei-Sterner und in dieser Form sensationell für einen Schokoliebhaber wie mich.

                  Für mich war es unter dem Strich ein Erlebnis mit zwei Ein-Sterne-Gängen (Foie Gras und Pastrami, letzteres mit leichten Abstrichen) und die anderen beiden auf 2 bis 3-Sterne-Niveau. Unter dem Strich ein hervorragendes Erlebnis und das für €69 p.P. sowie korrespondierend glasweise Weine zu ebenso angemessenen Preisen. Für 2 Personen bin ich insgesamt somit bei ~€200 gelandet. Meine Begleitung hat mich bereits mehr als einmal gefragt, ob wir nicht noch einmal nach Colmar fahren können.

                  Unter dem Strich hat dieses Restaurant mir somit mehr Freude bereitet als Résidence in Essen oder Fischers Fritz in Berlin (letzteres knapp!) und nur das Moissonnier in Köln sah ich knapp hiervor. Insofern halte ich das JYs in seiner Liga für richtig aufgehoben.

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                  • #10
                    Vor gut zwei Jahren waren wir zuletzt in Colmar und hatten spontan einen Lunch im „JY'S“ eingeschoben. Damals hatten wir noch winterlich frische Temperaturen und nahmen das Essen im sehr modern und zeitgenössisch eingerichteten Inneren ein. Heute, es ist Hochsommer, speisen wir auf der Terrasse mit Blick auf die Lauch, einen Zufluss der Ill. Das Setting stimmt also schon mal und da es unser erster Urlaubsabend ist, sind wir sowieso in höchst entspannter Stimmung.

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                    Außenansicht

                    Das Essen seinerzeit, auch wenn wir nur zum einen das günstige Lunch-Menü hatten sowie eines der günstigeren Menüs, hat uns seinerzeit gut gefallen, auch wenn ich noch nicht vollständig die zwei Michelin-Sterne erkennen konnte, die über dem Haus glänzen.

                    Jean-Yves Schillinger hat sein Angebot etwas verschlankt. Zwar gibt es weiterhin ein günstigeres Mittagsmenü in drei Gängen zu 49€, ansonsten aber mittags wie abends nur noch ein Menü in wahlweise 4, 6 oder 8 Gängen (82€ / 102€ / 128€). Daneben weist die Karte aber noch eine erfreuliche Anzahl von à la Carte-Gerichten aus. Wir entscheiden uns für das Menü in 6 Gängen.

                    Als erste Apéros gibt es die uns noch bekannten gefüllten Oliven, die an einem kleinen Olivenbaum hängend serviert werden sowie kräftige Käsecracker.

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                    Apéros: Käsecracker & gefüllte Oliven

                    Die anschließend, parallel zum Brot gereichten Gougère au Gruyère, also herzhafte Windbeutel, überzeugen mehr durch ihre voluminöse Größe als durch ausgeprägten Käsegeschmack.

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                    Gougères au Gruyère

                    Amuse Bouches im „JY'S“ kommen offenbar immer als Dreierlei. Dieses Mal ist es ein Mozzarellaschaum mit Aal, ein Süppchen vom weißen Pfirsich mit Foie Gras sowie ein kleines Röllchen mit gut abgeschmecktem Krebsfleisch. Letzteres ist hierbei noch am überzeugendsten. Bei den übrigen Grüßen sind die Beigaben Aal und Foie Gras so homöpathisch dosiert, dass sie kaum schmeckbar sind. So bleiben ein etwas breit wirkender Mozzarellaschaum und ein frisch, fruchtiges Süppchen mit dezent eingesetztem Chili. Das ist soweit nett, aber noch nicht begeisternd.

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                    Amuses Bouches

                    Das Menü startet sehr klassisch mit einer gut temperierten Terrine von der Foie Gras in sehr guter Konsistenz, begleitet von Aprikosen, Aprikosenmus und einer Mandelmilch-Panna Cotta. Das ist sehr stimmig und elegant präsentiert. Die Aprikosen sind schon recht reif und daher geschmacklich intensiv. Ich hätte dennoch, der Optik wegen, das ein oder andere Stück mit deutlicher Druckstelle eher zum Mus verarbeitet. Das dazu geröstete Brot fand ich jetzt nicht so toll. Es wurde recht schnell sehr trocken und konnte meines Erachtens keinen Ersatz zu einem Brioche darstellen. Ich hätte es vermutlich einfach weggelassen.

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                    Foie Gras von der Ente mit Aprikose und Mandelmilch-Panna Cotta

                    Ähnlich elegant geht es weiter mit dem Röllchen des in Rote Bete marinierten Lachs , in dessen Inneren eine Lachscreme eingearbeitet ist. Ist das mit dem Hauch frischen Meerrettichs bereits köstlich, bekommt das Gericht den besonderen Pfiff aber durch den fabelhaften Hibiskus-Granatapfelsud, der eine tolle fruchtig-säuerliche Note liefert.

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                    Mit Rote Bete marinierter Lachs mit Meerrettich und Hibiskus-Granatapfelsud

                    Obst spielt auch bei der folgenden Rotbarbe eine entscheidende Rolle. Die Chorizokruste auf dem Fisch nimmt sich noch relativ zurückhaltend aus. Dafür bekommen Fenchel als Schnee und gedünstet zwischen zwei Safrankartoffelscheiben und Ananas in geschmorter Form ihren prägnanten Auftritt. Angegossen wird ein Sud von Ananas und Estragon. Letzterer ist für sich genommen eine gute Idee. Optisch macht das alles auch etwas her. Aber gerade der Sud schiebt das Gericht zusammen mit der geschmorten Ananas für mich dann doch zu sehr ins Fruchtige.

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                    Rotbarbe mit Chorizokruste, Fenchelschnee, Safrankartoffel, Ananas-Estragon-Sauce

                    Einen Paukenschlag setzt die Küche beim Saibling. Auch hier wieder besticht die Präsentation mit gepufftem Reis auf Erbsenpüree und frischen Erbsen. Das mutet sehr fein an, aber die Sauce von grünem Curry lässt mir zunächst den Atem stocken. Das hat Wumms und mächtig Schärfe. Die wird mit der Zeit angenehmer, aber der Gaumen muss sich trotzdem eine Weile daran gewöhnen. Hat er das aber erst mal, bleibt ein toller Gang in Erinnerung.

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                    Saibling mit Kapernpuder, Erbsenpüree und Sauce von grünem Curry

                    Etwas zwiespältig bleibt der Eindruck beim Hauptgericht. Das Suprême von der Taube kann zunächst mit einer perfekt gegarten Brust und knuspriger Haut überzeugen. Auch der Schokoladenspiegel passt, ebenso die separat gereichte Sauce auf Basis eines Ragouts, die der Schokolade etwas von der ansonsten zu präsenten Süße nimmt. Nicht gut gelungen finde ich hingegen das Keulenfleisch in einem Pastillateig, das mir entschieden zu trocken erscheint sowie den Pak Choi, der zwar visuell gut ins Bild passt, den ich aber geschmacklich unpassend finde und der auch nicht durchgegart ist. In Summe bleibt aber trotzdem ein guter Fleischgang.

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                    Suprême von der Taube auf einem Schokoladenspiegel mit Jamaica-Pfeffer, Keule im Teig und Ragoutsauce

                    Als erste Erfrischung reicht der Service uns die noch vom letzten Besuch bereits bekannten Geleestücke von der Grapefruit mit Campari, wobei auch diesmal nicht der Showeffekt mit dem Trockeneisnebel fehlen darf.

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                    Pré-Dessert 1: Grapefruitgelee mit Campari

                    Als eigentliches Pré-Dessert schickt die Küche dann ein Schälchen von Mango mit Estragongranité, Schokoladenbröseln und Baiser. Das ist erfrischend, unkompliziert und lecker.

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                    Pré-Dessert 2: Mango und Estragongranité

                    Beim eigentlichen Dessert bleibt die Küche auf recht konventionellem Gebiet mit einer Kombination aus Garriguette-Erdbeeren, Pistazieneis, einer weißen Schokoladencreme, Erdbeersauce und einer etwas zu dick geratenen Schokoladenplatte. Das ist klassisch und rundet das Menü gut ab.

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                    Gariguette-Erdbeeren mit Pistazieneis und weißer Schokolade

                    Es ist längst die Dunkelheit über Colmar hereingebrochen, als ein paar ebenfalls sorgfältig gearbeitete Petits Fours den endgültigen Schlusspunkt setzen. Wir sitzen noch immer gemütlich und gut umsorgt vom freundlichen Service mit Blick auf die beleuchteten Fachwerkhäuser.

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                    Petits Fours

                    Vor zwei Jahren hat mir unser Lunch bereits viel Spaß gemacht, auch wenn mir seinerzeit, bis auf eine hervorragende Vorspeise mit Zwiebeln, Grapefruit und gegrillten Gambas, die ganz großen Highlights fehlten.
                    Heute empfand ich das Menü deutlich runder und in Teilen kreativer. Gänge wie der Lachs und der Saibling stechen dabei besonders hervor. Jean-Yves Schillinger legt durchweg Wert auf eine stilvolle Ästhetik und Präsentation seiner Gerichte. Man kann dies auch an anderen Tischen beobachten, wenn Hummer und Gemüse in einer Cafétière oder Fisch mit Bienenwachs (Steirereck lässt grüßen) am Tisch gegart werden. Letztlich zählt aber der Geschmack und hier lässt Schillinger mit der Gelassenheit seiner langen Erfahrung keinen Zweifel aufkommen.


                    Bericht auch auf meinem Blog: tischnotizen.de/jys-colmar-2/

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                    • #11
                      ** her oder hin

                      Wir haben das Restaurant von Jean-Yves Schillinger im Sommer zum Lunch besucht und einen schönen Mittag erlebt.
                      Zum Lunchmenü in drei Gängen (54 Euro; die getrunkenen Weine zwischen 9 und 15 Euro pro Glas) stehen jeweils zwei Gänge zur Auswahl, die wir alle probiert haben. Ergänzt wird die Inszenierung durch Kleinigkeiten vorweg, zwei kleine Pre-Desserts und Kleinigkeiten zum Schluss.

                      Vorweg gibt es dünne Käse-Cracker (sehr gut), zwei imitierte Oliven mit einem Frischkäsekern (o.k.) eine Mascarpone-Parmesan(?)-Creme in einem dunklen geschmacksneutralen Mantel (äh…), ergänzend noch ein Gebäck aus Blätterteig und Käse in Muffin-Form

                      Amuse-Bouche
                      Selleriecreme mit Kaffee-Aromen, Rote-Bete-Püree mit Himbeere (?), Melonenwürfelchen in einem scharfen Sud – drei kleine, schöne Geschmackseindrücke

                      Vorspeisen
                      • Foie gras-Terrine – schön aromatisiert, nicht zu puristisch hat mir sehr gut gefallen
                      • „Friture“ von Sardinen (ausgebackener Kartoffelteig mit Sardinenfüllung) mit Gurkenspaghetti, die dezent als Zaziki angemacht waren eine scharfe Sauce Diable – die schöne Inszenierung, Friture in Sardinenform auf einem entsprechenden Teller, konnte nicht über geschmackliche Schwächen des Gerichts hinwegtäuschen, die Sardine hatte wenig Chancen.
                      Hauptgänge
                      • Maigre (Adlerfisch) mit Muscheln und sepiagefärbten Pommes Dauphine – Fisch, helle Sauce und Muscheln wunderbar. Warum man irgendetwas mit Sepia einfärbt, hat sich mir noch nie vollständig erschlossen, die Kartoffelnocken sehen allerdings sehr seltsam aus und sind auch geschmacklich-texturell kein Gewinn auf dem Teller.
                      • Lammkeule mit Zitrone gegart (confiert), Zucchini und Tomaten, Thymian-Jus – Die Lammkeule war in ihre Fasern gegart und zu einem Runden Türmchen aufgeschichtet, das dennoch saftig war und mit der Jus einfach gut schmeckte. Die aufgelegte Rosette von filigranen Zucchini- und Tomatenscheiben eher dekorativ.
                      Desserts
                      • Feigentarte mit Vanilleeis – solide, ohne Überraschungen
                      • Dessert angelehnt an ein Vacharin-Törtchen (Eis, Sahne, Baisier) mit Erdbeere, Zitrone und Thymian und Sorbet von Chartreuse verte (Likör) – dieses Dessert war sehr schön, ich frage mich, wie man das Aroma des Likörs so präsent in das Eis bekommt (ich musste leider die Tarte essen ;-))
                      Der Service war freundlich und professionell, ganz auf dem zu erwartenden Niveau – und dass einer der Gäste erst neun Jahre alt war, hat sich nur im Austausch einzelner (alkoholhaltiger) Komponenten und einer Extraportion Zuckerwatte beim Dessert bemerkbar gemacht, perfekt (da hat uns Frankreich tatsächlich etwas voraus).

                      Was wir kulinarisch meiner Meinung nach nicht erlebt haben, war ein 2-Sterne-Menü. Es war gut und solide, der Service und die Inszenierung auf **-Niveau und der Preis auf jeden Fall in Ordnung. Die Gesamtleistung des Restaurants darf man wohl auch nicht am preiswerten Mittagsmenü festmachen, vielleicht geht das abends oder a la carte mehr. Wenn ich das lokale Internet-TV richtig verstanden habe, strebt man hier sogar den dritten Stern an (mein Französisch ist allerdings mehr als ausbaufähig) – das war für mich tatsächlich nicht erkennbar. Ich kann also guten Gewissens empfehlen, dieses Mittagsangebot im schönen Colmar zu wählen, sofern man die kulinarischen Erwartungen am Menüpreis und nicht an den beiden Macarons orientiert.

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