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Essen an der Cote d'Azur

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  • Zeitblom
    antwortet
    Danke fuer diesen schoenen Bericht! Wenn man in Deutschland schon bis zu 140-160 Euro (ohne Getraeke) pro Person in Einsternerestaurants loswerden kann, klingen 298 € (fuer 2 Personen?) in einem der besten Restaurants der Welt wirlich verlockend - insbesondere wenn das Essen so atemberaubend ist, wie ich Ihren Text lese.

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  • Schlaraffenland
    antwortet
    Louis XV, Monaco

    Dieses ganze montecarlinische Zentrum um den Platz du Casino hat schon was Irreales und wenn all die stolzierenden Leute dort noch blau oder rotweißgestreifte Sonnenschirme trügen würde es einen kaum noch wundern Patrick McGoohan im Lotus vorfahren zu sehen und so sind wir froh diese Kulisse hinter uns zu lassen unser Name wird bestätigt wir bekommen einen großen Tisch am Fenster zugewiesen das Lokal ist leer diese Finanzhalbwelt die in riesigen Kästen die hier Residenzen heißen und nicht Plattenbauten für sechzig q meter drei Mio bezahlen mit Dachterasse wirds dann schon zweistellig gehen nicht gern zu einem der weltbesten Köche und die anderen verrulettn mit gespielter Gleichgültigkeit ihre 50 € Chips und essen öttedögge dafür genießen wir die volle Aufmerksamkeit der Brigade sechs sinds sagt meine Frau aber mit der an der Tür sieben das Essen ist eigentlich schnell erzählt alles ist umwerfend gut Saubohnensuppe die ersten jungen Gemüse nichts vollreifes dafür so zart und grün für Ende März ists schon erstaunlich heiß die jungen Frauen haben ihre Trägerleibchen angelegt Spargel und Artischocken diese stachligen Albengabiester L hat sich beim Putzen ordentlich gestochen daß es kaum zum Bluten aufhören wollte es paßt alles zum Frühling und der Seeteufel und der Hühnerschenkel ohne Fehl und Tadel, eher himmlisch es hätt auch wie glauer schreibt was Weißes aus der Region gegeben wir nehmen aber doch Roussanne Marsanne aus Vacqueyras es ist ein tolles Erlebnis das jedoch erst durch das Drumherum unvergeßlich wird großes Kino sagt Kimbel stimmt fast mehr noch Theater manchmal Balett das Besteck Silber von wegen Gold alles Gold die gesalzene Butter aus der Normandie die ungesalzene aus der Region Sospel ja genau dort wo unser Freund L den Kühen die Verveine weggetrunken hat auch noch für umme oder lau wie die Südskandinavier sagen und sie wird serviert in einem extra Gefährt unter einer Glaskuppel ein riesiger Butterberg und wie so ein Maestro di gelato wird mit einem Spachtel ein wahrer Batzen abgezogen und die Brote lassen einen diesen einen Traum träumen man geht zu Ducasse und sagt heute nur Butterbrote haben sie einen Schilcher da wir nehmen auch Elbling als amuse gueule gabs Pan Bagnat haben wir vor dreißig Jahren sättigend schon am Cours Mirabeau gegessen hier kleinkindhandtellergroß pastetig mit grandioser Sardelle das Olivenöl grasgrün beim Auf und Abtragen Oberbalett jeder Handgriff traumsicher sie haben auch ihre Reseviertheit aufgegeben und plaudern und lachen mit uns und als ich aufstehe weist mir einer denn Weg begleitet mich sogar und wie ich mir schon ausmale ob es wohl zum Äußersten kommen wird so ne Art goldenes Zuckerzängchen oder was weiß ich dreht er ab und läßt mich allein oulala les asperges sont déjà arriveés am Tisch dann die neue Serviette auch Ls Handtasche hat ein eigenes Sesselchen bekommen wie machen die das mit dem Käse daß das tableau immer so jungfräulich aussieht kaum was Angeschnittenes der Roquefort von einem kleinen Betrieb kurzes Hochsehen sofort ist der Kellner da ah ja der Wein das geht nicht ob ich etwas Sauternes möchte und ich möchte gerne und erzähle ihm jedoch von diesem kosmischen Vakuum auf meinem Konto der Sommelier erscheint gießt großzügig ein und murmelt etwas von à la maison inzwischen sind noch zwei weitere Tische besetzt wir haben nur noch zwei Leibwächter dann wieder so ein Wagen sechs acht Flaschen Rum nur aus Zuckerrohrsaft ich entscheide mich für einen 1999 Bally jetzt kommt auch scho die Baba eine Portion Rum wird angegossen die zweite sicherheitshalber dazugestellt und wir bezahlen schließlich summa summarum all inclusive halt ein Glas Champagner ging mit 18 extra aber mit Wasser und Kaffee und einer nicht enden wollenden Kaskade von petites salopperies Madeleines ein Tragetütchen davon sollen wir noch mitnehmen Nougats Schokolädchen in aufsteigender Konzentration 298 € richtig beglückend sagt glauer sei dieser Billiglunch.
    s.

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  • alex11
    antwortet
    Rocco- Danke für Ihre tollen Berichte.

    Das http://lesbacchanales.com/en/ hatten wir letztes Jahr an einem gewittrigen Juniabend besucht. Die großen Kunstobjekte im Garten und der schöne Blick vom schmalen Balkon auf die Altstadt von Vence stimmten uns auf einen schönen Abend ein. Leider zog dann ein Gewitter auf, sodass wir vom Balkon ins ohnehin gut gefüllte Restaurant rückten. Es ging sehr turbulent zu. Das Menü ist uns als sehr gut und modern, mit leichten Tendenzen zu Schickimcki (auch passend zum Publikum) in Erinnerung geblieben. Der Service war sehr angenehm und fröhlich. Langeweile kam jedenfalls nicht auf- ein schöner Abend

    Langweilig dagegen dieses Jahr im Februar http://lesterraillers.com/ in Biot. Auch ein Restaurant mit einem Stern, ebenfalls ein junger Koch. Die Website verhieß modernes. Leider dann wenig Ambition, wenig glückliche Gäste. Der Sommeliere machte einen guten Job, Billecart Salmon Brut Rosé zum Auftakt und eine Flasche wunderbaren roten Bandol. Das Ambiente, sehr gelungene in einer alten Töpferei mit tollen Glasobjekten.

    LES CUISSES DE GRENOUILLE
    en croustillant de vert sur sa purée de cresson
    pétales et crème d’ail, écume d’ail doux
    War noch das Beste

    LES CALAMARS
    fumés et rôtis accompagnés de ses tentacules
    frits servis sur une semoule virtuelle de
    choux fleurs, quintessence au citron vert
    Der Blumenkohl roh und einem penetranten Knoblauchgeschmack

    LE CARRE D ’AGNEAU
    rôti avec sa panoufle fondante, spirale de
    pommes de terre croustillante aux pointes
    et copeaux asperges, râpé d’orange
    jus réduit d’agneau
    Die Chips hatten wir glücklicherweise noch gegen ein Kartoffelpüree austauschen können.
    Das Lamm und der Jus nahezu ungewürzt.

    LE DESSERT
    le mousseux mandarine en gelée de Campari
    marmelade de mandarine et sorbet mandarine
    Das war der „krönende“ Abschluss. Im Prinzip etwas Mürbeteig mit Marmelade und Mandarine. Das annoncierte Sorbet kam bei uns gar nicht an.


    Zufällig landeten wir an einem Abend im http://www.oasis-raimbault.com/fr/index.php.
    Wir hatten eigentlich für das sich im Haus befindliche Bistrot reserviert, welches sich dann allerdings als überfüllt präsentierte. Es wurde uns ein Platz in einem separaten Raum angeboten.
    Das wollten wir nun auch nicht- also rein ins zwei Sterne Restaurant. Dort sitzt man sehr angenehm mit Blick auf den wunderschönen Innenhof. Der Service tadellos, etwas alte Schule.
    Wir nahmen dann einige Gänge aus dem Menue FLAVEURS D’ORIENT, wovon das Amuse- Geule, ein Seeigel und das Filet Mignon de Veau mit Ingwer und Foie Gras de Landes den stärksten Eindruck hinterlassen haben. Der Rest tadellos und ebenfalls subtil gewürzt.
    Das ganze Drumherum mit kleinen Nettigkeiten und einer überaus freundlichen Verabschiedung durch Stéphane Raimbault bescherte uns einen gelungen Abend.



    Sehr gut haben wir zweimal bei http://www.christianmorisset.fr/ in seinem Restaurant Le Figuier de Saint Esprit in Antibes gegessen. Gleich neben dem berühmten Picaso Museum, in der schönen Altstadt gelegen ein guter Ort für einen entspannten Abend.
    Den aktuellen Akzent setzte die Vorspeise mit den Aromen des Mittelmeers, Seeigel, pochierte Auster und…ich kann mich leider nicht mehr an alles erinnern.
    Erinnern kann ich mich jedoch an Pigeon Wellington. Klingt old style, war aber einfach fantastisch. Taube aus Anjou, die saftige Taubenbrust mit mit Leber belegt, in einen hauchdünnen Teig gehüllt, dazu das Bein geschmort, ein kräftiger Jus von den Innereien, leicht getrüffelt und als fruchtigen Kontrapunkt eine Rotweinquitte. Perfekt in Garpunkt und Geschmack.
    Deshalb haben wir das Restaurant Tage später nochmals besucht, so konnte auch Madam in den Genuss dieser fantastischen Taube kommen.
    Die Desserts waren ebenfalls von sehr guter Qualität. Am schönsten sitzt man im überdachten und geheizten Innenhof mit dem Feigenbaum.

    Übrigens, wir waren auch im geliehenen Twingo unterwegs, Schnee hatten wir glücklicherweise nicht. Mittags konnte man schon im freien sitzen.

    kG

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  • malbouffe
    antwortet
    Danke für Ihren tollen Bericht! Ein nachfühlbbar geschildertes Erlebnis, das mich ein wenig an Gerald Zogbaum erinnert, wobei die Weinbegleitung spannender klingt. (Geht es nur mir so oder ist das immer noch ein generelles Problem in D?).

    PS: Ich freue mich auf unser Treffen in Leipzig.

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  • fragolini
    antwortet
    Eine tolle Tour, die sie da gemacht haben.
    Und voller interessanter Berichte.


    Gruß!

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  • rocco
    antwortet
    Les Bacchanales *, Vence

    Vernünftig sein ist nicht immer einfach. Seit 1999 träume ich davon, einmal die Gorges du Verdon, den Grand Canyon Europas, zu sehen. Und jetzt hatte ich die Gelegenheit. Für die Strecke vom Luberon nach Vence standen die Langweilerstrecke (Autobahn) und die Strecke an der Schlucht vorbei, über Castellane und von dort runter nach Grasse, zur Auswahl. Es hatte kräftig geschneit. Ich dachte, ich fahre mal in die Richtung, höre mich um und drehe notfalls um. An der Tankstelle noch in der Ebene sagte der Tankwart, die Straßen seien geräumt. Heute ginge es. Also los.

    Bis zum atemberaubend gelegenen Castellane war es herrlich. Die Parkplätze waren zwar nicht geräumt, aber da eh kein Auto unterwegs war, konnte man auch hier und da auf der Straße parken, um die spektakulären Ausblicke zu genießen.



    Schon in Castellane schwante mir Übles. Hier hatte der Schneeräumdienst anscheinend noch nicht sein Werk verrichtet. Wie also wieder vom Berg runterkommen? Zurück? Nö. Durch das militärische Sperrgebiet? Mutmaßlich zu gefährlich. Die grüne Straße entlang nach Grasse? Grün heißt groß, dachte ich. Ein Irrtum. Es folgte eine ca. 4 stündige Horrorfahrt über knapp 60 Kilometer auf nahezu durchgängig schneebedeckten Straßen (ohne Winterreifen) mit vielen Rutschpartien, Sorgen beim Rauf- und Runterfahren, einem querliegenden LKW und einer anschließenden abenteuerlichen Fahrt durch ein Minidorf, bei der ich tatsächlich nur mit fremder Hilfe den Berg hochkam. Irgendwann hatte ich es tatsächlich ohne Beulen im gemieteten Twingo nach Grasse geschafft und konnte von dort aus halbwegs entspannt im Sonnenuntergang nach Vence oberhalb von Nizza fahren. Der Schreck wollte trotzdem einfach nicht aus den Gliedern raus.

    Ziemlich schnell hat das Entspannen zum Glück im Les Bacchanales in Vence geklappt. Der Speisesaal erinnerte mich ein wenig an 80er-Style Ferienhäuser. Es knisterte ein brennender Kamin. Herrlich. Der Service besteht aus jungen Männern, die schnell sprechen und wie Fußballprofis von heute aussehen (so wie Marco Arnautovic von Werder Bremen zum Beispiel). Alle sind sehr freundlich und freuen sich über Feedback.

    Zum Apéritif gab es die offenbar schon legendären Naan-artigen Grissini mit Petersilienpesto und anschließend eine interessante Suppe aus verbranntem Brot mit Fett (hoffentlich richtig übersetzt: pain brulée avec lard).

    A la carte kann man nicht essen, es gibt nur Menus zwischen vier (55 Euro) und sieben (80 Euro) Gängen. Die Karte hörte sich großartig an, also das volle Programm. Bei der Weinbegleitung improvisierte der extrem nette Sommelier. Die Dessertweine entsprachen den auf der Karte angekündigten. Ansonsten gab es jeweils Weine, die so nicht auf der Karte standen. Da die ersten paar Weine bei mir gut ankamen und wir ein bisschen fachsimpelten, holte der Sommelier dann auch noch drei seiner aktuellen Lieblingsweine der etwas mutigeren Art raus.

    Los ging es mit Truffe noire des collines et artichaut verde, also den Produkten der Gegend. Die Trüffel von den Hügeln oberhalb des Mittelmeeres waren sehr erdig und wenig betörend, aber zur Artischocke passte das ganz gut. Gleiches galt für den Wein, einen leider etwas stark vom Holz geküssten 2008 St. Aubin 1er Cru "Les Combes" von Philippe Colin. So schwierig finde ich die Kombination aus Artischocke und Wein mittlerweile gar nicht mehr.

    Ein erstes ganz fettes Ausrufezeichen setzte die Küche mit Gnocchi de seiche et Parmesan, choux et oseille. Die Gnocchi waren unglaublich fluffig, nur aus pürierter Sepia und Parmesan geformt (ohne Mehl oder Kartoffel), sie waren mit Sepiatinte angegossen, und dazu gab es kleine Kohlblätter (eine Kohlsorte, ähnlich wie Rosenkohlblätter, nur dicker und größer) und Sauerampfer. Es war ein sehr spielerisches Gericht, das großartige Geschmackserlebnisse in den verschiedenen Kombinationen bot. Dazu wurde ein Wein aus der unmittelbaren Umgebung serviert, ein 2010 Bellet der Domaine de la Source (E. Dalmasso), der für mich sehr mediterran schmeckte.

    Der nächste Gang war ziemlich fordernd für den Gaumen: Loup de Mer, potimarron et fruits de la passion. Der Fisch war ein Traum, zwar nicht so filigran wie bei Anne Majourel, aber mit großartigem Geschmack gesegnet. Der Kürbis erdete das Gericht ein bisschen und die Passionsfrucht brachte einen unerwarteten Effekt. Das Gericht lebte vom Kontrast, mir hat es ganz ausgezeichnet gefallen, genauso wie der großartige Wein, der 2008 Vin de Table "Le Grand Blanc" von Henri Milan (Cuvée aus Grenache Blanc, Rolle, Roussane, Chardonnay, Muscat Petit Grains), einer der Lieblingsweine des Sommeliers - zurecht.

    Das darauf folgende Gericht hat mir nicht so gut geschmeckt. Veau "tigre" Corse, poire et cresson entsprang einer guten Idee, aber die Umsetzung fand ich nicht überzeugend. Das korsische "getigerte Kalb" ist eine seltene Rasse, die tatsächlich ein paar Streifen hat. Das komplett ungewürzte Fleisch hatte einen natürlich-würzigen Geschmack, war aber etwas zäh. Hierzu gab es einen Kalbsjus. Die Brunnenkresse war zu Esspapier verarbeitet worden, das an den Zähnen kleben blieb. Hier hätte ich mir simple Kresseblätter gewünscht. Toll war in der Kombination die Birne, die fruchtigen Noten passten besonders gut zum Kalb. Hierzu servierte der Sommelier eine seiner Neuentdeckungen, einen 2007 Côtes du Roussillon "Généreux" der Domaine Mastrio. Da da Kalb eh nicht wahnsinnig fein war, war der Wein dazu auch nicht zu kräftig.

    Das nächste Highlight kam mit dem Käsegang, einem dünn geschnittenen und aufgerollten Stück Tomme de Savoie, der mit Kartoffeln und Kastanien serviert wurde. Der Tomme war einfach großartig und um Meilen intensiver als das, was man im Käsegeschäft üblicherweise kaufen kann. So richtig großartig wurde das Gericht durch den dazu gebrachten Wein, einen 2008 Vin de Pays de l'Allobrogie "Quarz" der Domaine des Ardosières (100% Rousette), der wunderbar intensiv nach Birne duftete und harmonisch und samtig die nussigen Aromen des Tomme und der Kastanie aufnahm.

    Auch mit den Desserts lag die Küche richtig. Zunächst gab es ein leichtes Dessert, nämlich Citron du Pays, chocolat blanc et angélique, das übereinander eine weiße luftige Schokoladencreme, Zitronengranité und etwas gefrorenen Joghurt schichtete. Der kandierte Engelwurz (angélique) war mir dazu allerdings zu intensiv. Auch den Wein fand ich eher mittelmäßig nach den großartigen zuvor servierten Weinen. Es war ein 2006 Bourgogne "Caresse d'Automne" der Domaine des Chazelles, ein Chardonnay aus botrysierten Trauben, der etwas seifig und ziemlich plump wirkte.

    Noch besser als das erste Dessert war das zweite: Caillé de lait frais, violette et oxalis, ein geronnener Milchglibber mit Veilchen und Sauerklee. Das schmeckte fast wie an einem Kuheuter saugen. Der wirklich saure Klee und die betörenden Veilchenblätter dazu machten dies zu einem wirklich spannenden Gericht. Von dem Wein, einem 2007 Vin de Table "Les Abîmes" der Domaine La Marche (roter Vin Doux Naturel), hätte ich nie im Leben gedacht, dass er zu dem Milchdessert passt. Zu Milchdesserts finde ich meist Schaumweine wie z.B. Moscato d'Asti sehr passend. Aber der Sommelier sagte, das sei doch viel zu langweilig. Man müsse eben experimentieren. Gut, dass es Leute gibt, die sich so viele Gedanken machen. Das erweitert den Horizont ungemein. In Verbindung mit dem Milchglibber und den Kräutern wirkte der eigentlich schwere Vin Doux Naturel einfach federleicht.

    Tja, das war es dann leider. Ich war auch ziemlich satt. Aber von diesen tollen regional verwurzelten Gerichten mit Elementen aus dem Mittelmeer, den Alpen und von Korsika, mit intensiven Kräutern und einer schönen aromatischen Experimentierfreude hätte ich gut noch zwei oder drei weitere probieren können. Die Küche hat ihren ganz eigenen Stil, der mir persönlich ganz besonders zugesagt hat. Beim nächsten Côte d'Azur oder Riviera Besuch werde ich hier sicher wieder hinfahren.
    Zuletzt geändert von rocco; 01.03.2012, 09:04.

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  • rocco
    antwortet
    Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
    Lassen Sie mich raten, lieber rocco, was Ihnen. falls es nicht die Rebsorte an sich war, an dem Süßwein nicht so gefallen hat: bißchen zu eindimensional, könnte etwas eleganter sein?
    MkG
    s.
    So war es tatsächlich. Eindimensionalität und Einfachheit fällt aus meiner Sicht bei Süßweinen eher negativ auf als z.B. bei Rotweinen.

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  • alex11
    antwortet
    Richtig gut hatten wir letztes Jahr in Nizza im Restaurant Aphrodite zu mittag gegessen. Das war wirklich herausragend.

    kG alex

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  • Schlaraffenland
    antwortet
    Lassen Sie mich raten, lieber rocco, was Ihnen. falls es nicht die Rebsorte an sich war, an dem Süßwein nicht so gefallen hat: bißchen zu eindimensional, könnte etwas eleganter sein?
    MkG
    s.

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  • rocco
    antwortet
    Keisuke Matsushima *, Nice

    Wie schon im letzten Winter (da im Elsass) bin ich diesen Winter ein paar Tage durch Frankreich gereist (und anschließend noch ein paar Tage mit Mademoiselle rocco in London), zum Teil natürlich auch zum Essen :hungry:. Die erste Station war Nizza. Nach etwas Recherche habe ich mehr willkürlich das Restaurant Keisuke Matsushima ausgewählt. Ein Grund war, dass mich die Geschichte des Japaners Keisuke interessierte, der aus Faszination über Frankreich und seine Küche dorthin ausgewandert ist, um Chef zu werden.

    An einem Samstagabend war das Restaurant komplett voll mit einem Mix aus Einheimischen und - vor allem asiatischen - Touristen, die möglicherweise auf eine japanisch-französische Fusion-Küche hofften. Der Karte kann man jedoch schon entnehmen, dass hier eher klassisch französisch mit provencalischen und Côte d'Azur Einflüssen und nur ganz leichten Anklängen an die japanische Küche gekocht wird. Das Restaurant ist modern im Bistro-Stil eingerichtet, eher klein und bei voller Auslastung sehr lebendig. Zwei Kellner kümmern sich um ca. 30 Gäste und kriegen dies ziemlich gut hin, jedoch voll am Anschlag. Die Karte ist etwas kitschig eingefasst in ein Kunstwerk des Künstlers Richard Woleck, der Keisuke Matsushima inspiriert vom Film "Der letzte Samurai" gemalt hat. Zur Auswahl standen ein eher traditionelles, saisonales und regionales Menu "Entre Liguria et Comté de Savoie", ein Trüffelmenu und ein Kurzmenu "Saveurs d'Hiver", alle recht günstig bepreist. Ich entschied mich für "Entre Liguria et Comté de Savoie".

    Die ersten Amuse Bouches waren ok - ein etwas süßer Tomatenschaum in roter Zuckerhülle, ein fritierter Trüffelraviolo und eine Doradenmousse mit Soja und Ingwer. Sehr gut war das zweite Amuse Bouche - ein Seeigel aus Villefranche-sur-Mer, der mit Seeigel-Blumenkohl-Crème und einem Rindergelée gefüllt war. Ein sehr feiner und delikater Gang.

    Eher uninspiriert kam der erste Gang des Menus daher - Jakobsmuschel mit Brokkolisaft, Schinken und Krustentierschaum . Die Jakobsmuschel war von sehr guter Qualität und auch der Brokkoli schmeckte intensiv. Aber in Kombination kam einfach keine Begeisterung auf. Für Begeisterung sorgte allerdings der begleitende Wein, ein 2008 Savigny-lès-Beaune 1er Cru "Aux Vergelesses" von Simon Bize, der nicht nur für sich unglaublich gut war, sondern auch der Brokkoli-Jakobsmuschel etwas Pep einzuhauchen vermochte.

    Deutlich besser war danach das Filet vom Loup de mer mit Artischocken und Sepia-Tinte. Ich habe auf der Reise recht viel und vor allem sehr guten Loup de Mer gegessen, aber der bei Keisuke Matsushima war der beste. Ich vermute, das Filet war mit ein paar Aromaten im Ofen gegart worden, jedenfalls hatte es leicht kräutrige Aromen angenommen und schmeckte herrlich. Die gebratenen Artischocken und die Sepia-Tinte gaben zusätzliches Aroma. Letztlich freute ich mich aber immer auf den nächsten Bissen Loup. Der Savigny-lès-Beaune blühte hierzu richtig auf.

    Wieder etwas weniger aufregend war danach ein Kalbsfilet mit Polenta und Sauce Truffe, bei der die schwarzen Trüffeln einfach zu wenig Aroma hatten. Das Kalbsfilet war wiederum von exzellenter Qualität und sehr gut rosa und ohne Röstaromen gegart. Wie schon bei der Jakobsmuschel fehlte aber irgendein belebendes Element - es hätten die Trüffeln sein können. Auch hier riss es der Wein heraus, ein 2009 Crôzes-Hermitage des Biodyn-Winzers Yann Chave, der gut gelüftet und perfekt temperiert seine Trümpfe ausspielen konnte und einmal wieder zeigte, dass man in den Wundertüten aus Crôzes-Hermitage und St-Joseph einige tolle Syrahs mit Nord-Rhône-Charakter zu guten Preisen herausfischen kann.

    Das Pré-Dessert und das Dessert kamen anschließend in etwas sehr flotter Reihenfolge - zuerst ein frischer Gaumenkitzler, nämlich ein Yoghurt-Schaum mit Litschi-Sorbet, und anschließend ein wirklich exzellenter und inspirierender Gianduja-Schokoriegel mit Haselnuss, Orangensorbet und Yuzusauce, bei dem jedes Element schön für sich selber stand und mit den anderen harmonierte. Der Wein dazu konnte mit seinen beiden Vorgängern nicht mithalten, ein 2007 Grains de Joy der Domaine de Joy aus der Gacogne (100% Petit Manseng), der zwar nicht störte, aber auch keine besonderen Akzente setzen konnte.

    Zum Café gab es noch eine Mandel-Financière, einen Marshmellow (warum immer diese Marshmellows?), einen Macaron und ein Johannisbeergummi. Insgesamt macht man im Zweifel nichts falsch mit einem Besuch bei Keisuke Matsushima. Die Küche ist fein, klassisch mit dezenten modernen Tupfern, arbeitet mit guten Produkten aus der Region. Die Weinkarte ist sehr gut bestückt mit Schwerpunkten auf Champagne und Burgunder (interessanterweise gab es auch Sonderangebote -30%, das habe ich noch nie gesehen). Auch die Preise sind sehr fair (Menu mit Wasser, drei Gläsern Wein, Café für knapp unter 100 Euro). Ich habe in Nizza selber keinen Vergleich. Aber vielleicht gibt es dort doch noch spannendere Küchen?
    Zuletzt geändert von rocco; 07.02.2012, 10:35.

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  • passepartout
    antwortet
    Mein Tipp ist nach Italien zu fahren.

    ca 45 Minuten oder 100 KM bis San Remo. Dort an der Tankstelle einen guten Caffe trinken und dann schleunigst bis Imperia durchfahren.

    Erstmal Caffe, dann bei Isnardi Olivenöl kaufen, mittags irgendwo am Weg Essen. An den Hafen Pötte Kucken und vielleicht im Antico Caffe Piccardo Caffe und was Süßes.

    Abends im Agrodolce http://www.ristoranteagrodolce.it/
    Essen.

    Wenn sie kein Auto zur Verfügung haben, nehmen sie ein Taxi und verhandeln den Tagespreis. Die Kosten für den Tag sind immernoch identisch zu dem, was sie in Cannes für einen äquivalenten bräuchten und sie haben einen Koffer voll Ardoino Isnardi Olivenöl. :hungry:

    Gute Nacht Passepartout

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  • Jürgen3D
    antwortet
    Hallo alex,

    wir waren 2009 in Nizza und ich würde das L´Univers von Chrtistian Plumail empfehlen.

    Über diesen Urlaub habe ich einen Reisebericht mit vielen Fotos geschrieben. Dort gibt es auch Infos (Foto, Adresse, Lageplan) zu allen Restaurants die wir damals besucht haben. Vielleicht finden Sie ja noch ein paar Anregungen.

    Urlaubsbericht

    Gruß
    Jürgen

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  • alex11
    antwortet
    Vielen Dank für die bisherige Resonanz.

    Hotel ist gebucht, wir wohnen oberhalb von St Paul De Vence.

    In den 6 Tagen werden wir vielleicht an 2 oder 3 Tagen ein Sternerestaurant besuchen.

    Das Nizza in der Saison mehrmals täglich von Moskau aus angeflogen wird, ist dem Preisgefüge in der Spitzengastronomie nicht sonderlich dienlich.

    Freue mich deshalb auch über Hinweise zu Restaurants unterhalb der Sterne. Wichtig sind für uns guter Fisch und Meeresfrüchte.

    k.G. alex

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  • fragolini
    antwortet
    Möchte noch das http://www.ristorantebalzirossi.com/ ins Spiel bringen. Ist zwar 8m innerhalb Italiens und vielleicht keine absolute Spitzenküche.
    Aber das Preis-/Leistungserhältnis passt. Und schöner kann man nur selten am, äääh überm Wasser sitzen.


    Gruß!

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  • soriso
    antwortet
    Wir verbringen nur noch selten einige Tage in Antibes und wohnen dann bei dort lebenden Freunden.
    Must have ist immer:
    http://www.restaurantdebacon.com/car...rant-bacon.asp
    Und dort natürlich -
    Bouillabaisse avec langouste

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