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Essen an der Cote d'Azur

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  • #46
    O.K., dann auf die Schnelle ein paar Impressionen aus dem Trüffelrestaurant "Terres de Truffe" in Nizza, dessen Inhaber beim Wettbewerb um den unfreundlichsten Service gute Gewinnchancen hat.

    Es wurde konsequent kein Wein nachgeschenkt, die Teller nicht abgeräumt und nicht einmal der Versuch gemacht, freundlich zu sein. In der Konsequenz wurden aber auch nahezu alle Gäste gleichermassen ignoriert, bis auf einen Tisch mit 4 Bekannten. Preislich waren die Gerichte auf *-Niveau, aber in der Zubereitung eher langweilig und es gab viel zu grosse Portitionen.

    Das Restaurant serviert alle Gerichte (auch Nachspeisen) mit Trüffeln und bietet dadurch grundsätzlich ein interessantes Konzept in einem schönen Bistro-Ambiente.

    Die als Amuse servierte Kartoffelssuppe (ohne Foto) war eigentlich das kulinarische Highlight des Besuchs. Simpel aber trotzdem auf *-Niveau, eine tolle Konsistenz und der Duft von Kartoffeln, gebratenem Speck und Trüffeln inspirierte den Gaumen schon sehr. Allerdings erkannte man schon dabei das Problem:

    Die verwendeten Trüffel hatten nur starken Duft, aber kaum Geschmack. Optisch konnte man sie leider schwierig identifizieren. Da aber Tuber melanosporum und Tuber brumale explizit knapp 40 € bzw. 25 € Aufpreis pro Gang (!) kosteten, waren es vielleicht wirklich Tuber aestivum (wo immer man sie auch zu dieser Zeit herbekommt).

    Die erste Vorspeise war ein pochiertes Ei, wobei ich innerlich auf ein Onsenei hoffte, das vielleicht französisch nicht so beschrieben wurde. Es war aber ein schnödes pochiertes Ei mit ein paar geschmacklossen Trüffeln darüber in einer recht langweiligen Sauce für entspannte 30 € . Die andere Vorspeise war dann eher ein Reinfall, denn die Creme Brulee mit Trüffeln klang vielversprechend und ich war gespannt, wie man diese Zutaten kombinieren würde. Heraus kam leider eine völlig banale Creme Brulee, stark überzuckert mit ein paar Trüffelresten drin. Einzig der Salat mit Trüffeln war ganz o.k. und liess verstehen, warum dies eine Vorspeise sein sollte.



    Im Hauptgang gab es dann zum einen zwei gute (aber zu grosse) Hähnchenbrustfilets mit (zugegebenermassen perfekt gegartem) Gemüse. Letztendlich ohne die paar Scheibchen Trüffel ein Allerweltsgericht. Auf einem noch überfüllteren Teller gab es als anderen Hauptgang ein Lamm, das zwar geschmacklich recht ordentlich war, aber so übergart, dass man es fast löffeln konnte.



    Auch hier waren wir nach ein guten Stunde (völlig übersättigt, aber ohne Nachtisch) wieder aus dem Lokal, aber um gut 200 € ärmer

    PS
    Da ich mittlerweile meine innere Schamschwelle zum offenen Fotografieren im Restaurant überwunden habe, werde ich zukünftig wohl auch bessere Fotos mit einer anderen Kamera abliefern können ... sorry für die schlechte Qualität dieses mal (noch)
    Zuletzt geändert von Kimble; 09.03.2010, 12:16.

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    • #47
      Pauvre Doc!

      Wie sieht das denn aus! Für diesen speziellen Einsatz hätten Sie eine Kamera mit eingebauten Fettfilter gebraucht. Sie können einem Angst machen! Warum? Beste Freunde haben sich entschlossen, den Wohnsitz aus einem südlichen Bundesland unserer schönen Republik an die vermeintlich mondänere Côte zu verlegen. Wir sind jederzeit eingeladen. Müssen wir dann immer häuslich speisen oder auswärts Wein zum Menüpreis trinken? :cheers:

      Beste Grüße und tiefes Mitgefühl
      Daurade

      P.S. Vielen Dank für diese Berichte, denn solche Infos sind Gold wert.

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      • #48
        Zitat von Daurade Beitrag anzeigen
        Wie sieht das denn aus! Für diesen speziellen Einsatz hätten Sie eine Kamera mit eingebauten Fettfilter gebraucht.
        Da hilft keine Kamera mehr. Da hilft nur noch Photoshop.

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        • #49
          Zitat von Daurade Beitrag anzeigen
          Müssen wir dann immer häuslich speisen oder auswärts Wein zum Menüpreis trinken? :cheers:
          Nein, denn es gab in Nizza auch ein kleines stilvolles Lokal mit sehr aufmerksamen Service, günstigen Weinpreisen (25 € / Flasche für einen ordentlichen roten Bordeaux aus der >10€-Klasse) und leckerem Essen: das Di Yar

          Nichts Besonderes, aber zumindest kein Ärgernis und eine nette Atmosphäre. Einziger Nachteil: Libanesische Küche ist eher nicht der Grund, an die Cote d'Azur zu fahren

          PS
          Wenn schon das Essen nicht so überzeugend war, so zumindest das Nachtleben. Jimmy'z war zwar nicht so gut (Verzogene Milliardärskinder bei 20 € / Wasser), aber es gibt in Monaco (und selbst in Nizza) einige andere gute Clubs. Absoluter Favorit: das vor 6 Monaten neue eröffnete "Black Legend" am Hafen in Monte Carlo. Ungezwungene Leute, beste Stimmung, tolle Musik, Party bis zum Sonnenaufgang, locker und trotzdem Weltklasse.

          PPS
          Und noch ein Grund dort zu leben. Wir konnten uns am letzten WE dort im Badeoutfit auf der Terasse sonnen, während in Deutschland 20cm Schnee fielen. Schon rein psychologisch hat das etwas
          Zuletzt geändert von Kimble; 09.03.2010, 16:38.

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          • #50
            Werte Forumianer,

            wir verbringen demnächst einige Tage an der Cote’d Azur und im nahen Hinterland. Erbitte Hinweise für Restaurant und Unterkunft.

            alex

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            • #51
              Zitat von alex11 Beitrag anzeigen
              Werte Forumianer,

              wir verbringen demnächst einige Tage an der Cote’d Azur und im nahen Hinterland. Erbitte Hinweise für Restaurant und Unterkunft.

              alex
              So richtig beglueckt hat mich damals nur der "Billig"-Lunch im Louis XV.

              In Nizza kann man eine Austernplatte im Grand Cafe de Turin, Place Garibaldi nehmen (viel mehr aber lieber nicht).

              Wenn Sie es fuer das Forum riskieren wuerden: Eine weitere Erfahrung im Mirazur in Menton wuerde mich sehr interessieren (und auch beim Le Petit Nice in Marseille hoffe ich, dass wir einen besonders schwachen Tag erwischt hatten).

              Fast das schoenste war der Markt in Antibes (Tip von Schlaraffenland). Bitte ein paar extra Glaeser der schwarzen Feigenmarmelade mitbringen.

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              • #52
                Zitat von glauer Beitrag anzeigen

                Wenn Sie es fuer das Forum riskieren wuerden: Eine weitere Erfahrung im Mirazur in Menton wuerde mich sehr interessieren (und auch beim Le Petit Nice in Marseille hoffe ich, dass wir einen besonders schwachen Tag erwischt hatten).
                Sind mit Freunden da.
                Einen "schwachen Tag" kann ich da nicht riskieren.

                Bis Marseille werden wir auch kaum kommen. Eher ein Radius von 80km um Cannes.

                Trotzdem besten Dank!

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                • #53
                  Probieren Sie es doch mal mit dem Palme d'Or in Cannes wenn Sie mögen.
                  Seit Jahren konstant mit ** ausgezeichnet und mit hervorragendem Blick auf die Bucht von Cannes dürften Sie da nicht viel falsch machen zu können.

                  Grüße!

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                  • #54
                    Der aktuelle "Feinschmecker" (Mai 2011) wartet mit einer Côte d'Azur-Reportage auf. Für Cannes: Bruno Oger (http://www.bruno-oger.com) und Sébastien Broda (http://www.grand-hotel-cannes.com/fr...-le-cercle.php).

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                    • #55
                      Wir verbringen nur noch selten einige Tage in Antibes und wohnen dann bei dort lebenden Freunden.
                      Must have ist immer:
                      http://www.restaurantdebacon.com/car...rant-bacon.asp
                      Und dort natürlich -
                      Bouillabaisse avec langouste

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                      • #56
                        Möchte noch das http://www.ristorantebalzirossi.com/ ins Spiel bringen. Ist zwar 8m innerhalb Italiens und vielleicht keine absolute Spitzenküche.
                        Aber das Preis-/Leistungserhältnis passt. Und schöner kann man nur selten am, äääh überm Wasser sitzen.


                        Gruß!

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                        • #57
                          Vielen Dank für die bisherige Resonanz.

                          Hotel ist gebucht, wir wohnen oberhalb von St Paul De Vence.

                          In den 6 Tagen werden wir vielleicht an 2 oder 3 Tagen ein Sternerestaurant besuchen.

                          Das Nizza in der Saison mehrmals täglich von Moskau aus angeflogen wird, ist dem Preisgefüge in der Spitzengastronomie nicht sonderlich dienlich.

                          Freue mich deshalb auch über Hinweise zu Restaurants unterhalb der Sterne. Wichtig sind für uns guter Fisch und Meeresfrüchte.

                          k.G. alex

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                          • #58
                            Hallo alex,

                            wir waren 2009 in Nizza und ich würde das L´Univers von Chrtistian Plumail empfehlen.

                            Über diesen Urlaub habe ich einen Reisebericht mit vielen Fotos geschrieben. Dort gibt es auch Infos (Foto, Adresse, Lageplan) zu allen Restaurants die wir damals besucht haben. Vielleicht finden Sie ja noch ein paar Anregungen.

                            Urlaubsbericht

                            Gruß
                            Jürgen

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                            • #59
                              Mein Tipp ist nach Italien zu fahren.

                              ca 45 Minuten oder 100 KM bis San Remo. Dort an der Tankstelle einen guten Caffe trinken und dann schleunigst bis Imperia durchfahren.

                              Erstmal Caffe, dann bei Isnardi Olivenöl kaufen, mittags irgendwo am Weg Essen. An den Hafen Pötte Kucken und vielleicht im Antico Caffe Piccardo Caffe und was Süßes.

                              Abends im Agrodolce http://www.ristoranteagrodolce.it/
                              Essen.

                              Wenn sie kein Auto zur Verfügung haben, nehmen sie ein Taxi und verhandeln den Tagespreis. Die Kosten für den Tag sind immernoch identisch zu dem, was sie in Cannes für einen äquivalenten bräuchten und sie haben einen Koffer voll Ardoino Isnardi Olivenöl. :hungry:

                              Gute Nacht Passepartout

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                              • #60
                                Keisuke Matsushima *, Nice

                                Wie schon im letzten Winter (da im Elsass) bin ich diesen Winter ein paar Tage durch Frankreich gereist (und anschließend noch ein paar Tage mit Mademoiselle rocco in London), zum Teil natürlich auch zum Essen :hungry:. Die erste Station war Nizza. Nach etwas Recherche habe ich mehr willkürlich das Restaurant Keisuke Matsushima ausgewählt. Ein Grund war, dass mich die Geschichte des Japaners Keisuke interessierte, der aus Faszination über Frankreich und seine Küche dorthin ausgewandert ist, um Chef zu werden.

                                An einem Samstagabend war das Restaurant komplett voll mit einem Mix aus Einheimischen und - vor allem asiatischen - Touristen, die möglicherweise auf eine japanisch-französische Fusion-Küche hofften. Der Karte kann man jedoch schon entnehmen, dass hier eher klassisch französisch mit provencalischen und Côte d'Azur Einflüssen und nur ganz leichten Anklängen an die japanische Küche gekocht wird. Das Restaurant ist modern im Bistro-Stil eingerichtet, eher klein und bei voller Auslastung sehr lebendig. Zwei Kellner kümmern sich um ca. 30 Gäste und kriegen dies ziemlich gut hin, jedoch voll am Anschlag. Die Karte ist etwas kitschig eingefasst in ein Kunstwerk des Künstlers Richard Woleck, der Keisuke Matsushima inspiriert vom Film "Der letzte Samurai" gemalt hat. Zur Auswahl standen ein eher traditionelles, saisonales und regionales Menu "Entre Liguria et Comté de Savoie", ein Trüffelmenu und ein Kurzmenu "Saveurs d'Hiver", alle recht günstig bepreist. Ich entschied mich für "Entre Liguria et Comté de Savoie".

                                Die ersten Amuse Bouches waren ok - ein etwas süßer Tomatenschaum in roter Zuckerhülle, ein fritierter Trüffelraviolo und eine Doradenmousse mit Soja und Ingwer. Sehr gut war das zweite Amuse Bouche - ein Seeigel aus Villefranche-sur-Mer, der mit Seeigel-Blumenkohl-Crème und einem Rindergelée gefüllt war. Ein sehr feiner und delikater Gang.

                                Eher uninspiriert kam der erste Gang des Menus daher - Jakobsmuschel mit Brokkolisaft, Schinken und Krustentierschaum . Die Jakobsmuschel war von sehr guter Qualität und auch der Brokkoli schmeckte intensiv. Aber in Kombination kam einfach keine Begeisterung auf. Für Begeisterung sorgte allerdings der begleitende Wein, ein 2008 Savigny-lès-Beaune 1er Cru "Aux Vergelesses" von Simon Bize, der nicht nur für sich unglaublich gut war, sondern auch der Brokkoli-Jakobsmuschel etwas Pep einzuhauchen vermochte.

                                Deutlich besser war danach das Filet vom Loup de mer mit Artischocken und Sepia-Tinte. Ich habe auf der Reise recht viel und vor allem sehr guten Loup de Mer gegessen, aber der bei Keisuke Matsushima war der beste. Ich vermute, das Filet war mit ein paar Aromaten im Ofen gegart worden, jedenfalls hatte es leicht kräutrige Aromen angenommen und schmeckte herrlich. Die gebratenen Artischocken und die Sepia-Tinte gaben zusätzliches Aroma. Letztlich freute ich mich aber immer auf den nächsten Bissen Loup. Der Savigny-lès-Beaune blühte hierzu richtig auf.

                                Wieder etwas weniger aufregend war danach ein Kalbsfilet mit Polenta und Sauce Truffe, bei der die schwarzen Trüffeln einfach zu wenig Aroma hatten. Das Kalbsfilet war wiederum von exzellenter Qualität und sehr gut rosa und ohne Röstaromen gegart. Wie schon bei der Jakobsmuschel fehlte aber irgendein belebendes Element - es hätten die Trüffeln sein können. Auch hier riss es der Wein heraus, ein 2009 Crôzes-Hermitage des Biodyn-Winzers Yann Chave, der gut gelüftet und perfekt temperiert seine Trümpfe ausspielen konnte und einmal wieder zeigte, dass man in den Wundertüten aus Crôzes-Hermitage und St-Joseph einige tolle Syrahs mit Nord-Rhône-Charakter zu guten Preisen herausfischen kann.

                                Das Pré-Dessert und das Dessert kamen anschließend in etwas sehr flotter Reihenfolge - zuerst ein frischer Gaumenkitzler, nämlich ein Yoghurt-Schaum mit Litschi-Sorbet, und anschließend ein wirklich exzellenter und inspirierender Gianduja-Schokoriegel mit Haselnuss, Orangensorbet und Yuzusauce, bei dem jedes Element schön für sich selber stand und mit den anderen harmonierte. Der Wein dazu konnte mit seinen beiden Vorgängern nicht mithalten, ein 2007 Grains de Joy der Domaine de Joy aus der Gacogne (100% Petit Manseng), der zwar nicht störte, aber auch keine besonderen Akzente setzen konnte.

                                Zum Café gab es noch eine Mandel-Financière, einen Marshmellow (warum immer diese Marshmellows?), einen Macaron und ein Johannisbeergummi. Insgesamt macht man im Zweifel nichts falsch mit einem Besuch bei Keisuke Matsushima. Die Küche ist fein, klassisch mit dezenten modernen Tupfern, arbeitet mit guten Produkten aus der Region. Die Weinkarte ist sehr gut bestückt mit Schwerpunkten auf Champagne und Burgunder (interessanterweise gab es auch Sonderangebote -30%, das habe ich noch nie gesehen). Auch die Preise sind sehr fair (Menu mit Wasser, drei Gläsern Wein, Café für knapp unter 100 Euro). Ich habe in Nizza selber keinen Vergleich. Aber vielleicht gibt es dort doch noch spannendere Küchen?
                                Zuletzt geändert von rocco; 07.02.2012, 11:35.

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