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Essen an der Cote d'Azur

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  • #61
    Lassen Sie mich raten, lieber rocco, was Ihnen. falls es nicht die Rebsorte an sich war, an dem Süßwein nicht so gefallen hat: bißchen zu eindimensional, könnte etwas eleganter sein?
    MkG
    s.

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    • #62
      Richtig gut hatten wir letztes Jahr in Nizza im Restaurant Aphrodite zu mittag gegessen. Das war wirklich herausragend.

      kG alex

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      • #63
        Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
        Lassen Sie mich raten, lieber rocco, was Ihnen. falls es nicht die Rebsorte an sich war, an dem Süßwein nicht so gefallen hat: bißchen zu eindimensional, könnte etwas eleganter sein?
        MkG
        s.
        So war es tatsächlich. Eindimensionalität und Einfachheit fällt aus meiner Sicht bei Süßweinen eher negativ auf als z.B. bei Rotweinen.

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        • #64
          Les Bacchanales *, Vence

          Vernünftig sein ist nicht immer einfach. Seit 1999 träume ich davon, einmal die Gorges du Verdon, den Grand Canyon Europas, zu sehen. Und jetzt hatte ich die Gelegenheit. Für die Strecke vom Luberon nach Vence standen die Langweilerstrecke (Autobahn) und die Strecke an der Schlucht vorbei, über Castellane und von dort runter nach Grasse, zur Auswahl. Es hatte kräftig geschneit. Ich dachte, ich fahre mal in die Richtung, höre mich um und drehe notfalls um. An der Tankstelle noch in der Ebene sagte der Tankwart, die Straßen seien geräumt. Heute ginge es. Also los.

          Bis zum atemberaubend gelegenen Castellane war es herrlich. Die Parkplätze waren zwar nicht geräumt, aber da eh kein Auto unterwegs war, konnte man auch hier und da auf der Straße parken, um die spektakulären Ausblicke zu genießen.



          Schon in Castellane schwante mir Übles. Hier hatte der Schneeräumdienst anscheinend noch nicht sein Werk verrichtet. Wie also wieder vom Berg runterkommen? Zurück? Nö. Durch das militärische Sperrgebiet? Mutmaßlich zu gefährlich. Die grüne Straße entlang nach Grasse? Grün heißt groß, dachte ich. Ein Irrtum. Es folgte eine ca. 4 stündige Horrorfahrt über knapp 60 Kilometer auf nahezu durchgängig schneebedeckten Straßen (ohne Winterreifen) mit vielen Rutschpartien, Sorgen beim Rauf- und Runterfahren, einem querliegenden LKW und einer anschließenden abenteuerlichen Fahrt durch ein Minidorf, bei der ich tatsächlich nur mit fremder Hilfe den Berg hochkam. Irgendwann hatte ich es tatsächlich ohne Beulen im gemieteten Twingo nach Grasse geschafft und konnte von dort aus halbwegs entspannt im Sonnenuntergang nach Vence oberhalb von Nizza fahren. Der Schreck wollte trotzdem einfach nicht aus den Gliedern raus.

          Ziemlich schnell hat das Entspannen zum Glück im Les Bacchanales in Vence geklappt. Der Speisesaal erinnerte mich ein wenig an 80er-Style Ferienhäuser. Es knisterte ein brennender Kamin. Herrlich. Der Service besteht aus jungen Männern, die schnell sprechen und wie Fußballprofis von heute aussehen (so wie Marco Arnautovic von Werder Bremen zum Beispiel). Alle sind sehr freundlich und freuen sich über Feedback.

          Zum Apéritif gab es die offenbar schon legendären Naan-artigen Grissini mit Petersilienpesto und anschließend eine interessante Suppe aus verbranntem Brot mit Fett (hoffentlich richtig übersetzt: pain brulée avec lard).

          A la carte kann man nicht essen, es gibt nur Menus zwischen vier (55 Euro) und sieben (80 Euro) Gängen. Die Karte hörte sich großartig an, also das volle Programm. Bei der Weinbegleitung improvisierte der extrem nette Sommelier. Die Dessertweine entsprachen den auf der Karte angekündigten. Ansonsten gab es jeweils Weine, die so nicht auf der Karte standen. Da die ersten paar Weine bei mir gut ankamen und wir ein bisschen fachsimpelten, holte der Sommelier dann auch noch drei seiner aktuellen Lieblingsweine der etwas mutigeren Art raus.

          Los ging es mit Truffe noire des collines et artichaut verde, also den Produkten der Gegend. Die Trüffel von den Hügeln oberhalb des Mittelmeeres waren sehr erdig und wenig betörend, aber zur Artischocke passte das ganz gut. Gleiches galt für den Wein, einen leider etwas stark vom Holz geküssten 2008 St. Aubin 1er Cru "Les Combes" von Philippe Colin. So schwierig finde ich die Kombination aus Artischocke und Wein mittlerweile gar nicht mehr.

          Ein erstes ganz fettes Ausrufezeichen setzte die Küche mit Gnocchi de seiche et Parmesan, choux et oseille. Die Gnocchi waren unglaublich fluffig, nur aus pürierter Sepia und Parmesan geformt (ohne Mehl oder Kartoffel), sie waren mit Sepiatinte angegossen, und dazu gab es kleine Kohlblätter (eine Kohlsorte, ähnlich wie Rosenkohlblätter, nur dicker und größer) und Sauerampfer. Es war ein sehr spielerisches Gericht, das großartige Geschmackserlebnisse in den verschiedenen Kombinationen bot. Dazu wurde ein Wein aus der unmittelbaren Umgebung serviert, ein 2010 Bellet der Domaine de la Source (E. Dalmasso), der für mich sehr mediterran schmeckte.

          Der nächste Gang war ziemlich fordernd für den Gaumen: Loup de Mer, potimarron et fruits de la passion. Der Fisch war ein Traum, zwar nicht so filigran wie bei Anne Majourel, aber mit großartigem Geschmack gesegnet. Der Kürbis erdete das Gericht ein bisschen und die Passionsfrucht brachte einen unerwarteten Effekt. Das Gericht lebte vom Kontrast, mir hat es ganz ausgezeichnet gefallen, genauso wie der großartige Wein, der 2008 Vin de Table "Le Grand Blanc" von Henri Milan (Cuvée aus Grenache Blanc, Rolle, Roussane, Chardonnay, Muscat Petit Grains), einer der Lieblingsweine des Sommeliers - zurecht.

          Das darauf folgende Gericht hat mir nicht so gut geschmeckt. Veau "tigre" Corse, poire et cresson entsprang einer guten Idee, aber die Umsetzung fand ich nicht überzeugend. Das korsische "getigerte Kalb" ist eine seltene Rasse, die tatsächlich ein paar Streifen hat. Das komplett ungewürzte Fleisch hatte einen natürlich-würzigen Geschmack, war aber etwas zäh. Hierzu gab es einen Kalbsjus. Die Brunnenkresse war zu Esspapier verarbeitet worden, das an den Zähnen kleben blieb. Hier hätte ich mir simple Kresseblätter gewünscht. Toll war in der Kombination die Birne, die fruchtigen Noten passten besonders gut zum Kalb. Hierzu servierte der Sommelier eine seiner Neuentdeckungen, einen 2007 Côtes du Roussillon "Généreux" der Domaine Mastrio. Da da Kalb eh nicht wahnsinnig fein war, war der Wein dazu auch nicht zu kräftig.

          Das nächste Highlight kam mit dem Käsegang, einem dünn geschnittenen und aufgerollten Stück Tomme de Savoie, der mit Kartoffeln und Kastanien serviert wurde. Der Tomme war einfach großartig und um Meilen intensiver als das, was man im Käsegeschäft üblicherweise kaufen kann. So richtig großartig wurde das Gericht durch den dazu gebrachten Wein, einen 2008 Vin de Pays de l'Allobrogie "Quarz" der Domaine des Ardosières (100% Rousette), der wunderbar intensiv nach Birne duftete und harmonisch und samtig die nussigen Aromen des Tomme und der Kastanie aufnahm.

          Auch mit den Desserts lag die Küche richtig. Zunächst gab es ein leichtes Dessert, nämlich Citron du Pays, chocolat blanc et angélique, das übereinander eine weiße luftige Schokoladencreme, Zitronengranité und etwas gefrorenen Joghurt schichtete. Der kandierte Engelwurz (angélique) war mir dazu allerdings zu intensiv. Auch den Wein fand ich eher mittelmäßig nach den großartigen zuvor servierten Weinen. Es war ein 2006 Bourgogne "Caresse d'Automne" der Domaine des Chazelles, ein Chardonnay aus botrysierten Trauben, der etwas seifig und ziemlich plump wirkte.

          Noch besser als das erste Dessert war das zweite: Caillé de lait frais, violette et oxalis, ein geronnener Milchglibber mit Veilchen und Sauerklee. Das schmeckte fast wie an einem Kuheuter saugen. Der wirklich saure Klee und die betörenden Veilchenblätter dazu machten dies zu einem wirklich spannenden Gericht. Von dem Wein, einem 2007 Vin de Table "Les Abîmes" der Domaine La Marche (roter Vin Doux Naturel), hätte ich nie im Leben gedacht, dass er zu dem Milchdessert passt. Zu Milchdesserts finde ich meist Schaumweine wie z.B. Moscato d'Asti sehr passend. Aber der Sommelier sagte, das sei doch viel zu langweilig. Man müsse eben experimentieren. Gut, dass es Leute gibt, die sich so viele Gedanken machen. Das erweitert den Horizont ungemein. In Verbindung mit dem Milchglibber und den Kräutern wirkte der eigentlich schwere Vin Doux Naturel einfach federleicht.

          Tja, das war es dann leider. Ich war auch ziemlich satt. Aber von diesen tollen regional verwurzelten Gerichten mit Elementen aus dem Mittelmeer, den Alpen und von Korsika, mit intensiven Kräutern und einer schönen aromatischen Experimentierfreude hätte ich gut noch zwei oder drei weitere probieren können. Die Küche hat ihren ganz eigenen Stil, der mir persönlich ganz besonders zugesagt hat. Beim nächsten Côte d'Azur oder Riviera Besuch werde ich hier sicher wieder hinfahren.
          Zuletzt geändert von rocco; 01.03.2012, 09:04.

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          • #65
            Eine tolle Tour, die sie da gemacht haben.
            Und voller interessanter Berichte.


            Gruß!

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            • #66
              Danke für Ihren tollen Bericht! Ein nachfühlbbar geschildertes Erlebnis, das mich ein wenig an Gerald Zogbaum erinnert, wobei die Weinbegleitung spannender klingt. (Geht es nur mir so oder ist das immer noch ein generelles Problem in D?).

              PS: Ich freue mich auf unser Treffen in Leipzig.

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              • #67
                Rocco- Danke für Ihre tollen Berichte.

                Das http://lesbacchanales.com/en/ hatten wir letztes Jahr an einem gewittrigen Juniabend besucht. Die großen Kunstobjekte im Garten und der schöne Blick vom schmalen Balkon auf die Altstadt von Vence stimmten uns auf einen schönen Abend ein. Leider zog dann ein Gewitter auf, sodass wir vom Balkon ins ohnehin gut gefüllte Restaurant rückten. Es ging sehr turbulent zu. Das Menü ist uns als sehr gut und modern, mit leichten Tendenzen zu Schickimcki (auch passend zum Publikum) in Erinnerung geblieben. Der Service war sehr angenehm und fröhlich. Langeweile kam jedenfalls nicht auf- ein schöner Abend

                Langweilig dagegen dieses Jahr im Februar http://lesterraillers.com/ in Biot. Auch ein Restaurant mit einem Stern, ebenfalls ein junger Koch. Die Website verhieß modernes. Leider dann wenig Ambition, wenig glückliche Gäste. Der Sommeliere machte einen guten Job, Billecart Salmon Brut Rosé zum Auftakt und eine Flasche wunderbaren roten Bandol. Das Ambiente, sehr gelungene in einer alten Töpferei mit tollen Glasobjekten.

                LES CUISSES DE GRENOUILLE
                en croustillant de vert sur sa purée de cresson
                pétales et crème d’ail, écume d’ail doux
                War noch das Beste

                LES CALAMARS
                fumés et rôtis accompagnés de ses tentacules
                frits servis sur une semoule virtuelle de
                choux fleurs, quintessence au citron vert
                Der Blumenkohl roh und einem penetranten Knoblauchgeschmack

                LE CARRE D ’AGNEAU
                rôti avec sa panoufle fondante, spirale de
                pommes de terre croustillante aux pointes
                et copeaux asperges, râpé d’orange
                jus réduit d’agneau
                Die Chips hatten wir glücklicherweise noch gegen ein Kartoffelpüree austauschen können.
                Das Lamm und der Jus nahezu ungewürzt.

                LE DESSERT
                le mousseux mandarine en gelée de Campari
                marmelade de mandarine et sorbet mandarine
                Das war der „krönende“ Abschluss. Im Prinzip etwas Mürbeteig mit Marmelade und Mandarine. Das annoncierte Sorbet kam bei uns gar nicht an.


                Zufällig landeten wir an einem Abend im http://www.oasis-raimbault.com/fr/index.php.
                Wir hatten eigentlich für das sich im Haus befindliche Bistrot reserviert, welches sich dann allerdings als überfüllt präsentierte. Es wurde uns ein Platz in einem separaten Raum angeboten.
                Das wollten wir nun auch nicht- also rein ins zwei Sterne Restaurant. Dort sitzt man sehr angenehm mit Blick auf den wunderschönen Innenhof. Der Service tadellos, etwas alte Schule.
                Wir nahmen dann einige Gänge aus dem Menue FLAVEURS D’ORIENT, wovon das Amuse- Geule, ein Seeigel und das Filet Mignon de Veau mit Ingwer und Foie Gras de Landes den stärksten Eindruck hinterlassen haben. Der Rest tadellos und ebenfalls subtil gewürzt.
                Das ganze Drumherum mit kleinen Nettigkeiten und einer überaus freundlichen Verabschiedung durch Stéphane Raimbault bescherte uns einen gelungen Abend.



                Sehr gut haben wir zweimal bei http://www.christianmorisset.fr/ in seinem Restaurant Le Figuier de Saint Esprit in Antibes gegessen. Gleich neben dem berühmten Picaso Museum, in der schönen Altstadt gelegen ein guter Ort für einen entspannten Abend.
                Den aktuellen Akzent setzte die Vorspeise mit den Aromen des Mittelmeers, Seeigel, pochierte Auster und…ich kann mich leider nicht mehr an alles erinnern.
                Erinnern kann ich mich jedoch an Pigeon Wellington. Klingt old style, war aber einfach fantastisch. Taube aus Anjou, die saftige Taubenbrust mit mit Leber belegt, in einen hauchdünnen Teig gehüllt, dazu das Bein geschmort, ein kräftiger Jus von den Innereien, leicht getrüffelt und als fruchtigen Kontrapunkt eine Rotweinquitte. Perfekt in Garpunkt und Geschmack.
                Deshalb haben wir das Restaurant Tage später nochmals besucht, so konnte auch Madam in den Genuss dieser fantastischen Taube kommen.
                Die Desserts waren ebenfalls von sehr guter Qualität. Am schönsten sitzt man im überdachten und geheizten Innenhof mit dem Feigenbaum.

                Übrigens, wir waren auch im geliehenen Twingo unterwegs, Schnee hatten wir glücklicherweise nicht. Mittags konnte man schon im freien sitzen.

                kG

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                • #68
                  Louis XV, Monaco

                  Dieses ganze montecarlinische Zentrum um den Platz du Casino hat schon was Irreales und wenn all die stolzierenden Leute dort noch blau oder rotweißgestreifte Sonnenschirme trügen würde es einen kaum noch wundern Patrick McGoohan im Lotus vorfahren zu sehen und so sind wir froh diese Kulisse hinter uns zu lassen unser Name wird bestätigt wir bekommen einen großen Tisch am Fenster zugewiesen das Lokal ist leer diese Finanzhalbwelt die in riesigen Kästen die hier Residenzen heißen und nicht Plattenbauten für sechzig q meter drei Mio bezahlen mit Dachterasse wirds dann schon zweistellig gehen nicht gern zu einem der weltbesten Köche und die anderen verrulettn mit gespielter Gleichgültigkeit ihre 50 € Chips und essen öttedögge dafür genießen wir die volle Aufmerksamkeit der Brigade sechs sinds sagt meine Frau aber mit der an der Tür sieben das Essen ist eigentlich schnell erzählt alles ist umwerfend gut Saubohnensuppe die ersten jungen Gemüse nichts vollreifes dafür so zart und grün für Ende März ists schon erstaunlich heiß die jungen Frauen haben ihre Trägerleibchen angelegt Spargel und Artischocken diese stachligen Albengabiester L hat sich beim Putzen ordentlich gestochen daß es kaum zum Bluten aufhören wollte es paßt alles zum Frühling und der Seeteufel und der Hühnerschenkel ohne Fehl und Tadel, eher himmlisch es hätt auch wie glauer schreibt was Weißes aus der Region gegeben wir nehmen aber doch Roussanne Marsanne aus Vacqueyras es ist ein tolles Erlebnis das jedoch erst durch das Drumherum unvergeßlich wird großes Kino sagt Kimbel stimmt fast mehr noch Theater manchmal Balett das Besteck Silber von wegen Gold alles Gold die gesalzene Butter aus der Normandie die ungesalzene aus der Region Sospel ja genau dort wo unser Freund L den Kühen die Verveine weggetrunken hat auch noch für umme oder lau wie die Südskandinavier sagen und sie wird serviert in einem extra Gefährt unter einer Glaskuppel ein riesiger Butterberg und wie so ein Maestro di gelato wird mit einem Spachtel ein wahrer Batzen abgezogen und die Brote lassen einen diesen einen Traum träumen man geht zu Ducasse und sagt heute nur Butterbrote haben sie einen Schilcher da wir nehmen auch Elbling als amuse gueule gabs Pan Bagnat haben wir vor dreißig Jahren sättigend schon am Cours Mirabeau gegessen hier kleinkindhandtellergroß pastetig mit grandioser Sardelle das Olivenöl grasgrün beim Auf und Abtragen Oberbalett jeder Handgriff traumsicher sie haben auch ihre Reseviertheit aufgegeben und plaudern und lachen mit uns und als ich aufstehe weist mir einer denn Weg begleitet mich sogar und wie ich mir schon ausmale ob es wohl zum Äußersten kommen wird so ne Art goldenes Zuckerzängchen oder was weiß ich dreht er ab und läßt mich allein oulala les asperges sont déjà arriveés am Tisch dann die neue Serviette auch Ls Handtasche hat ein eigenes Sesselchen bekommen wie machen die das mit dem Käse daß das tableau immer so jungfräulich aussieht kaum was Angeschnittenes der Roquefort von einem kleinen Betrieb kurzes Hochsehen sofort ist der Kellner da ah ja der Wein das geht nicht ob ich etwas Sauternes möchte und ich möchte gerne und erzähle ihm jedoch von diesem kosmischen Vakuum auf meinem Konto der Sommelier erscheint gießt großzügig ein und murmelt etwas von à la maison inzwischen sind noch zwei weitere Tische besetzt wir haben nur noch zwei Leibwächter dann wieder so ein Wagen sechs acht Flaschen Rum nur aus Zuckerrohrsaft ich entscheide mich für einen 1999 Bally jetzt kommt auch scho die Baba eine Portion Rum wird angegossen die zweite sicherheitshalber dazugestellt und wir bezahlen schließlich summa summarum all inclusive halt ein Glas Champagner ging mit 18 extra aber mit Wasser und Kaffee und einer nicht enden wollenden Kaskade von petites salopperies Madeleines ein Tragetütchen davon sollen wir noch mitnehmen Nougats Schokolädchen in aufsteigender Konzentration 298 € richtig beglückend sagt glauer sei dieser Billiglunch.
                  s.

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                  • #69
                    Danke fuer diesen schoenen Bericht! Wenn man in Deutschland schon bis zu 140-160 Euro (ohne Getraeke) pro Person in Einsternerestaurants loswerden kann, klingen 298 € (fuer 2 Personen?) in einem der besten Restaurants der Welt wirlich verlockend - insbesondere wenn das Essen so atemberaubend ist, wie ich Ihren Text lese.

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                    • #70
                      Verehrter Schlaraffe,

                      haben Sie Dank für Ihren grandiosen Assoziationscluster; wer so seine Worte zu setzen wüßte! Nie hatte ich bemerkt, daß es eine Gerade durch die Punkte B-D-C (Bargfeld-Dublin-Côte) gibt. Ihre Zeilen lassen, auch wenn ich tragischerweise gerade völlig nüchtern bin, meine Gefühle beim Verlassen jenes Lustortes (meist um diese Uhrzeit herum) wiedererstehen. Bis Juni ist es noch so lang! Bis dahin eine Verveine!

                      Stets Ihr L

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                      • #71
                        Nicht böse sein, lieber Schlaraffe,

                        aber ich konnt's nicht lesen. Auf halber Strecke hab ich abgebrochen. Ich bin so konventionell, dass ich ab und an ein Komma, einen Punkt oder einen Absatz brauche. Ansonsten quellen mir die Augen über und mein Hirn fährt Achterbahn.

                        Aber es war wohl toll. Schön.

                        Morcheline

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                        • #72
                          Danke, werter Schlaraffe! Mit dem werten glauer als imaginärem Sparringspartner muss es wohl auch schmecken. Wenn ich mich richtig erinnere, haben Sie für diese Prosa ja schon 1967 den Preis der Richter-Gruppe erhalten. Hübsch konserviert dieser 60er-Zeitgeist...

                          mk

                          PS Und hier 1967 im Originalauszug: "...scheint sodann die Sonne und wie das Mittelmeer wieder uns alle versöhnlich macht zum ersten Abend im Knopfloch die ligurische Nelke und der Staub ist ab morgen historisch zu was man wird wenn endlich soziale Zeitlosigkeit am Strand mit einer Pineta im Rücken gekrault bis zur beißenden Zärtlichkeit einmal und wieder aufgesaugt verschwimmend bis müde und kühl ein Morgen sieh die glänzenden Kronen setzt die neue Sonne..."

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                          • #73
                            Nach drei Jahren war ich mal wieder im Keisuke Matsushima (*, Nizza) für das günstige Mittagsmenü (drei Gänge: 30 Euro). Das Mittagessen steht in seiner Qualität dem Abendessen in nichts nach, trotz des günstigen Preises. Los ging es mit zwei Amuses, die eher süßlich waren. Dann kam das Menü (jeweils vier Gerichte zur Auswahl, davon jeweils zwei mit Aufpreis):

                            Vorspeise: Maquereau pêche locale en sashimi, sorbet de betterave rouge, vinaigrette de balsamique blanc: Das hat mich glatt mehr an die Nordseeküste als an das Mittelmeer erinnert, war aber ein sehr schön komponierter Gang, der besonders frisch daherkam. Das Rote Bete Sorbet war genau richtig austariert zwischen Süße und Erdigkeit. Zu trinken gab es dazu ein Glas 2013 Bellet Blanc der Domaine de la Source, der Luft und Temperatur brauchte und dann gut passte.

                            Hauptspeise: Thon Rouge grillé, Fevettes, Cébettes, Courgettes, Radis, Parmesan, Tomates confites, Purée de Pois Chiches, Sauce Tapenade. Was kompliziert klingt, war an sich ganz einfach. Drei Scheiben kurz angeflämmter Thunfisch, darauf eine Brunoise aus verschiedenen Gemüsen und Parmesan, ein Kichererbsenpüree und eine Tapenade Sauce. Tolle Mittelmeerküche, gute Produkte, frühlingshaft. Hierzu wurde serviert ein 2011 Côtes de Provence Clos Saint Joseph, der etwas kühler hätte sein können, aber auch so gerade mit der Tapenade-Sauce harmonierte.

                            Dessert: Fraises en gaspacho à la rose, sorbet fromage blanc. Noch so ein tolles Frühlingsgericht. Die Erdbeeren aus Carpentras vom Markt am Cours Saleya von den beiden Tagen davor schmeckten noch arg wässrig, hier kam eher das wunderbare Erdbeerfeeling des Frühlings auf, untermalt von einem frischen Frischkäseis.

                            Wer günstig und nicht zu zeitlich ausgedehnt (eine Stunde) auf sehr hohem Niveau in Nizza mittag essen möchte, dem sei Keisuke Matsushima ans Herz gelegt. Auch der Service ist toll und sehr herzlich. Für alle Weinliebhaber: die Weinkarte im Internet ist nicht aktuell, leider sind die meisten gereiften Flaschen vergriffen und es dominieren in weiß Jahrgänge wie 2012 und 2011. Gut und fair bepreist ist hingegen die Champagner-Karte. In rot sieht es deutlich besser aus. Insbesondere gibt es eine ganze Seite Côte Rotie mit gereiften Jamets zu fairen Preisen oder auch (den hätte ich wohl genommen) einem Gangloff Sereine Noire 2005.

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                            • #74
                              Eine eher einfache Empfehlung für Nizza mittags: Bar de la Bourse am Place Saint-François, da wo der Fischmarkt ist. Ein Zufallsfund, rappelvoll (wir haben 20 Minuten auf einen Tisch gewartet), laut, geschäftig. Wir hatten Rotbarben mit Basilikumsauce und ein paar Beilagen (Mesclun, gegrillte Tomaten, Kartoffeln) und eine Pflaumentarte. Hier wird Hausmannskost serviert, die gut zubereitet ist und frische Zutaten verwendet. Sehr empfehlenswert.

                              Für Abends in Nizza: La Mise au Verre, das Bistro zum Weinladen La Part des Anges. Nett eingerichtet mit gutem Service (nur ein Kellner für den ganzen Raum, er hatte aber ca. 20 Gäste gut im Griff) und einer tollen Auswahl an Vins Naturels. Eine Weinkarte wird nicht gereicht, stattdessen kommt der Kellner mit vier passenden Flaschen, erzählt ein bisschen was, nennt die Preise und lässt dann auswählen oder wählt selbst aus. Wir hatten einen 2001 Vin de France "Genèse Blanc" von Les Jardins Esemeraldins, ein Chenin Blanc von der Loire, der sechs Jahre im Fass ausgebaut wurde, etwas oxidativ war, sich aber gerade mit Luft sehr gut entwickelte und unser Essen gut begleitet hat. Zum Essen:

                              Sardischer Schinken: etwas zu grob abgesäbelt, ziemlich rustikal im Geschmack. Geht so.
                              Artischocken, Rübchen, Büffelmozzarella: schön angerichtet mit ganz frischen artichauts epineux, al dente zubereitet, toll im Geschmack. Die Rübchen waren eine Mischung aus Radieschen und weißen Rüben, deren Namen auch der Kellner nicht kannte. Süßlich und bitter. Stark
                              Frische Morcheln mit pochierten Eiern: in einer etwas zu dünnen Sahnesauce. Das war eine Riesenportion Morcheln (ca. 30 Morcheln), die leider nicht so gut schmeckten, dass dieser etwas einseitige Gang von vorne bis hinten überzeugen konnte.
                              Risotto mit grünem Spargel, Erbsen und Artischocken: Frühlingshaft, etwas zaghaft gewürzt, nicht schlecht.
                              Erdbeeren mit Crumble: frisch, sehr gut
                              Schokoladenkuchen mit Vanilleis: hört sich sehr einfach an, war aber köstlich.

                              Das Essen ist hat durchaus Terroir-Charme, hat aber auch seine Höhen und Tiefen. Wegen der Stimmung und der tollen Weinauswahl lohnt ein Besuch aber in jedem Fall. Auf der Karte stehen insbesondere viele rare Gewächse zu fairen Preisen wie Thierry Allemand, Dard & Ribo, Château Rayas, Jean-Francois Ganevat, Pierre Overnoy, Jean Foillard, Champagner von Benoit Lahaye, usw.

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                              • #75
                                Eines von mehreren besternten Restaurants in Nizza heißt Flaveur und befindet sich in ruhiger Lage in der Nähe von dem oben beschriebenen Bistro La Mise au Verre. Hier kochen zwei Brüder namens Tourteaux. Sie nennen ihre Küche nicht Fusion, sondern kreativ auf der Basis mediterraner Produkte. Das klang interessant genug, um den Brüdern spontan einen Besuch abzustatten. Das Restaurant ist klein, fasst ca. 20 Personen, das Ambiente ist eher nüchtern, der Service etwas verkrampft. Dafür ist die Weinkarte nicht schlecht, gerade bei den Champagnern. Viele gereifte Flaschen finden sich auf der Karte aber auch nicht.

                                Wir aßen nicht das große Menü, sondern drei (Frau rocco) bzw. vier (ich) Gänge, denen erstmal zu einem Glas Champagne Blanc des Noirs Extra Brut Les Murgiers von Francis Boulard diverse Einstimmungen vorausgingen, die gleich ankündigen, was einen im regulären Menü erwartet

                                - etwas fischiges, ich glaube rohe Jakobsmuschel
                                - ein Schaum aus Mais mit Curry aromatisiert, der uns offen gesagt gar nicht geschmeckt hat
                                - ein Stück Blutwurst mit einer Rinderbouillon (sehr gut, passte nur gar nicht in den Reigen)
                                - eine Stockfischpraline
                                - zwei weitere Kleinigkeiten, die ich vergessen habe

                                Das war alles ziemlich kreativ und wild durcheinander gewürzt und wirkte in den Aromen insgesamt etwas überladen, so gut einige der Amuses waren.

                                Vorspeise: Asperge de Roques-Hautes juste rôtie - Sylvain Erhardt / Curcuma - Coco et Thym Citron / Condiment façon Yassa. Zwei Stangen weißer und zwei Stangen grüner Spargel, fast roh, von denen die weißen mit nach nichts schmeckenden Pulvern umhüllt waren. Dazu ein Dip, Kokosflocken, Stücke vom Huhn und eine Kurkuma-Hollandaise. Der Spargel war köstlich, aber die Kurkuma-Hollandaise passte für meinen Geschmack nicht dazu, eine normale Hollandaise wäre besser gewesen. Der Killer waren die Kokosflocken, die überhaupt nicht dazu passen wollten. Auch das Huhn hätte man gut weglassen können. Der Wein dazu, ein 2014 Château de Jonquières Blanc (70% Chenin Blanc, 30% Grenache Blanc) passte ok, war aber für sich genommen ziemlich ausdruckslos.

                                Fisch: Rougets Barbets / Raviole Gyoza et Champonzu / Christophine et bouillon au Galanga. Rotbarben mit einem japanisch inspirierten Raviolo, der - glaube ich - Jakobsmuschel enthielt, in einem recht intensiven Sud. Leider ging die Kreativität auf der Basis mediterraner Produkte auch hier für mich nicht auf. Der Raviolo war für sich gut, mochte aber nicht so recht zu dem Rest passen, die Rotbarben gingen in dem Sud etwas unter. Zu trinken gab es für mich einen ziemlich holzbetonten und für dieses Essen zu kräftigen 2013 Rully 1er Cru von Jean-Marc Boillot und für Frau rocco auf unseren Wunsch einen 2013 Riesling Vignoble d'E von Ostertag aus dem Elsass, der zu dem Essen tausendmal besser passte, da er durchaus exotische Anklänge hatte und dem Essen eher Frische als Kraft entgegenzusetzen hatte.

                                Fleisch: Angeau de lait / Concombre / Fenouil / Garam Masala / Ail des Ours / Chèvre frais. Das Milchlamm war durchaus gut, auch der Fenchel und der Bärlauch fügten sich gut ein, sogar das Garam Masala wirkte hier unterstützend und nicht dominierend. Die beiden hier nicht passenden Zutaten waren der Ziegenfrischkäse, der von der Textur zu körnig war und das scharf und sauer angemachte Gurkenmus, das ich zu nichts sonst auf dem Teller kombinieren mochte. Zu trinken gab es einen 2013 Crôzes-Hermitage Cuvée L von Laurent Combier, der mir persönlich zu dem Lamm etwas zu jung war, gleichwohl ein guter Wein.

                                Dessert: Le Chocolat grand cru / Différentes textures / Le poivre noir Tellicherry de Kerala. Hier kam nun ein deutlich weniger kreativer Teller auf den Tisch, was richtig wohltuend war nach dem vorangegangenen Roller Coaster Ride. Schokolade als Eis, Sponge-Cake, Mousse und ein paar Pfefferaromen, fokussiert auf die Schokolade, sehr köstlich, einfach und gut. Auch der Wein passte, ein 2011 Maury La Cerisaie der Domaine des Schistes.

                                Dann folgten noch ein paar wieder recht wild aromatisierte süße Snacks. Im Fazit hat uns beiden das Essen nicht besonders gut geschmeckt, es hat uns regelrecht überfordert. Es sind einfach zu viele verschiedene Aromen auf den Tellern präsent, die das Hauptprodukt nicht unterstützen, sondern daneben stehen und mehr Fragezeichen als Ausrufezeichen hinterlassen. Der Mittelmeeraspekt geht neben den ganzen asiatischen Aromen unter, da helfen auch grüner Spargel, Rotbarben und Milchlamm aus dem Sisteron nichts. Handwerklich und von den Produkten war alles top, aber die Köche müssten m.E. deutlich den Fuß vom Gaspedal nehmen.

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