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Auberge de l´Ill ***, Marc Haeberlin, Illhaeusern

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  • #16
    Danke auch von mir. Ein wunderbarer Bericht, der Erinnerungen an ein phänomenales Hummergericht weckt, welches auch ich dort genießen durfte. Bei der Auberge weiß was man bekommt und das ist ziemlich gute, klassische, produktfokussierte Küche. Auch die Klassiker machen spaß!

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    • #17
      Vielen Dank für diese Eindrücke. Leute, die nur aufs Essen schauen, dürften im Zweifel von der Auberge de l'Ill immer enttäuscht sein. Aber im Zusammenspiel mit der Ill, den Störchen, dem spröden Charme von Illhäusern, der Historie, der Ruhe und trotzdem der Geselligkeit im Essenssaal, usw. ist die Auberge de l'Ill einfach dazu verdammt, einem einen tollen Mittag oder Abend zu bescheren. Interessant finde ich aber, dass Sie das Lamm und die Desserts am schwächsten gesehen haben. Das Lamm (in anderer Zubereitung) war für mich das letzte Mal das Highlight und das Dessert beim ersten Besuch.

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      • #18
        Letzte Woche hatte ich auf der Rückfahrt aus dem Burgund mal wieder die Möglichkeit, in der Auberge de l'Ill einzukehren, was wie immer ein Riesenvergnügen war. Ich war mit einem Freund unterwegs, für den es eine Premiere in der Auberge de l'Ill war. Da es Karfreitag war, gab es ein "Menu Maigre", also ein abgespecktes Menü ohne Fleisch, dafür zum sehr günstigen Preis (117 Euro für vier Gänge). Das nahmen wir. Zunächst gab es ein paar wenig erinnerungswürdige Snacks und während der Studierens der Weinkarte ein Glas Muscat Réserve 2014 von Weinbach, im Stil deutlich trockener als die Muscats vieler anderer Erzeuger. Die Weinauswahl fiel sodann auf einen 2009 Condrieu Coteau de Vernon von Georges Vernay und nach einer extrem schweren Entscheidung auf einen 2000 Nuits St. Georges 1er Cru Les St. Georges von Henri Gouges. Die Weinkarte hatte ich irgendwie schwächer in Erinnerung. Burgund weiß ist auch tatsächlich nicht berauschend, die Elsass-Karte an sich auch nicht (obwohl wir kurz an einem gereiften Pinot Gris überlegten). Aber rot Burgund ist aller Ehren wert mit sehr vielen, sehr schönen Positionen, gerade wenn man auch für nicht berühmte Jahrgänge wie 2000, 2001, 1998, etc. offen ist. Beide Weine waren jedenfalls schon für sich die Reise wert. Der Condrieu reichhaltig, sehr üppig, aber zur selben Zeit auch frisch und zum Essen genau richtig. Der Les St. Georges war einfach nur umwerfend, ein Nuits St. Georges wie aus dem Bilderbuch, harmonisch, erdig, ganz leicht streng, aber sehr detailreich.

        Zu Essen gab es:

        Möhrensuppe mit Hummerstick und Frischkäse: als Amuse Gueule. Eher einfach, aber sehr köstlich, vor allem der Hummerstick
        Kaisergranat mit Sesam, Koriander, Dill und Granny Smith: der Kaisergranat nicht top, aber ganz ok. In Kombination mit dem Sesam, dem Korianer und dem Dill war das aber trotzdem ein sehr glücklich machender Gang.
        Spargel mit frischen Morcheln und Vin Jaune Sauce sowie Blätterteig. Der Spargel aus Südfrankreich ohne Folie, noch kein Elsässer Spargel. Die Morcheln aus der Türkei. Beides zwar nicht lokal, dafür aber extrem wohlschmeckend. Von der Morchelsauce gab es noch einmal kräftig Nachschlag, da sie schnell zur Neige ging. Der Spargel war umwerfend gut, punktgenau gekocht und hervorragend im Geschmack. Muss man für so ein Gericht ins *** Restaurant gehen? M.E. unbedingt.
        Käse: wie immer top affiniert, hier Epoisses, ein Schaftskäse aus Korsika, Chaource, ein Chèvre von der Loire, 24 Monate alter Comté
        Eischnee mit Erdbeeren und Rhabarber. Jahreszeitbedingt waren die Erdbeeren und der Rhabarber noch etwas lasch im Geschmack und der Eischnee zu üppig dimensioniert. Insofern fiel das Dessert etwas ab.

        Entsprechend des anderen Threads (JY'S) bin ich mir absolut sicher, dass diejenigen, die hauptsächlich in Deutschland essen gehen, das Essen maximal auf *-** Niveau sehen würden, allein schon weil z.B. beim Spargelgang oder beim soufflierten Lachs, den meine Begleitung hatte, nur drei Produkte auf dem Teller liegen, keine Tupfer, Macarons oder was auch immer sonstiges. Mir persönlich ist es tatsächlich völlig egal, ob das nun ***, ** oder * oder gar nichts ist. Im Vordergrund steht ein toller Abend mit einem tollen Service (mit der beste, den ich in Frankreich kenne), großartigem Essen, schönen Weinen und das auch zum attraktiven Preis (hätte man bei den Weinen etwas mehr Maß gehalten, wäre man hier zu zweit mit max. 200 Euro p.P. rausgegangen). Für mich ist die Auberge de l'Ill immer wieder ein großartiges Erlebnis. Meine Begleitung war auch hellauf begeistert.

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        • #19
          Zitat von rocco Beitrag anzeigen
          Mir persönlich ist es tatsächlich völlig egal, ob das nun ***, ** oder * oder gar nichts ist.
          Wenn die Auberge denn keinen Stern hätte, wäre Sie wohl kaum auf dem Schirm so vieler foodies. Das hätte Vor- und Nachteile :-)

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          • #20
            Nach über 15 Jahren war es dann wieder soweit, wir besuchten unseren ersten drei Sterner wieder.

            Trotz der Möglichkeit den damals gewählten Klassiker saumon souffle "Auberge d'ill" wieder wählen zu können, haben wir uns für das Menü entschieden.

            Le foie d'oie aux algues, inspire de la cusines japonaise - Gänseleber mit Algen, einem ganz leicht bitterem Sakeschaum, einer mit Sojasauce abgeschmeckten Ananas und etwas Avocado.
            Am Anfang habe ich lange gesucht wie dieser Gang eigentlich zu essen war, alle Bestandteile zusammenfügen führte dann zu einem der herausragensden Erlebnisse was Leber betrifft. Alle bestandteile paßten hervorragend zusammen und schufen ein Geschmacksbild, das der Leber eine leichtigkeit verlieh, die ich so noch nie erlebt habe.
            Dies ist ein drei Sterne plus Gericht.

            Le filet de bar poele, nouilles de riz, emulsion a la coriander fraiche
            Noch so ein super Löffelgericht - perfektes Handwerk in der Zubereitung wie in der Abstimmung der größe der Komponenten und ihres Geschmacks zu einander.

            Le homard aux morilles et asperges sauce au vin jaune - der Hummer auf den Punkt perfekt nicht ein Hauch zäh, der Spargel mit Biss und die Sauce zum löffeln.

            Le supreme de pigeon, farce a l'ancienne tortellini de lentilles truffe - Ein Traum von Taube mit einem Traum von farce.

            Danach ein Käsewagen - fast ohne Makel, kleine tolle Auswahl und super gereift - ja bis auf den Epoisse, der war dann nur durchschnitt.

            Wir hatten nur ein kleines Dessert, das wir sehr langweilig fanden, was uns aber nicht meht wirklich störte.

            Fazit
            Natürlich entdeckt man bei solchen gerichten die ich als in Löffelgericht bezeichnen würde nicht viele verschiedene Kombinationen, wenn das klassisch ist und nicht allen gefällt, bitte schön, uns hat es hervorragend gefallen. In der Komplexität ist die Auberge mit deutschen *** nicht zu vergleichen, im Handwerk und in der abstimmung des Gerichtes ist das Haus mindestens ebenbürtig.
            Die Auberge kann ich immer noch als Restaurant empfehlen, das die Reise lohnt.

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            • #21
              Zitat von schnecke Beitrag anzeigen
              Natürlich entdeckt man bei solchen gerichten die ich als in Löffelgericht bezeichnen würde nicht viele verschiedene Kombinationen, wenn das klassisch ist und nicht allen gefällt, bitte schön, uns hat es hervorragend gefallen. In der Komplexität ist die Auberge mit deutschen *** nicht zu vergleichen, im Handwerk und in der abstimmung des Gerichtes ist das Haus mindestens ebenbürtig.
              Die Auberge kann ich immer noch als Restaurant empfehlen, das die Reise lohnt.
              Herrlich, vielen Dank für den Bericht. Ich liebe dieses Restaurant. Was haben Sie getrunken?

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              • #22
                An einem flirrenden Sommertag biegen wir auf einen Parkplatz in der Rue de Collange ein.

                Fast auf den Tag genau vor 42 Jahren, bin ich zusammen mit zwei convives in einem alten Toyota Celica das erste mal hier gestanden. Es galt das Vorhaben, das erste Sternerestaurant unseres sehr jungen Lebens zu besuchen, in die Tat umzusetzen. Und wir wollten am oberen Ende der Skala beginnen, keinesfalls durch große Vorarbeit belastet. Dann das nervöse Studium der Karte. Mein Gott, es war ja wirklich teuer. Würden die umgetauschten Francs genügen auch noch was zu trinken? Dann gaben wir uns einen Ruck und erlebten so schöne Stunden, wurden wie Könige behandelt, dass ich diesen Zaubertag bis heute gefühlsmäßig abrufen kann. Und er hat mein Leben ein wenig verändert.

                Manchmal sinne ich, was gewesen wäre, wenn der Tag keinen Eindruck hinterlassen hätte. Vielleicht sähe ich mir heute vorzugsweise Börsenkurse statt Speisekarten im Web an. Das Vermögen in Immobilien statt in Highendessen investiert? Gott sei Dank verlief alles richtig.

                Nun aber raus aus dem heißen Auto. Was einem in zwei Minuten so alles durch den Kopf gehen kann. Und dann weiter in den Kleinod-Garten an der Ill. Die Servicemitarbeiter sind fast alle langjährig im Hause und entgegen deutschen Gebräuchen scheinen sie nicht mit spätestens dreißig pulverisiert zu werden. Das ist schon angenehm. Wir starten entspannt mit einem Muscat von Faller. Eine schöne Alternative zum obligatorischen Champagner. Die Kleinigkeiten dazu merke ich mir nie lange genug. Sie sind bestimmt gut, anderes wüsste ich.

                Das Mittagsmenü wird um einen Gang erweitert. Für mich der soufflierte Lachs, an dem ich mich in der heimischen Küche schon mit schlechteren Ergebnissen abmühte. Auch hier ist er nicht immer ganz gleich saftig. Eher aber im Quantenbereich variant. Mein Mann liebt die Gänseleber, die in großzügiger Löffelportion auf den Teller kommt, klassisch dazu ein Glas 1998 Gewürztraminer von Beyer. Die Leber ist einfach nur handwerklich perfekt hergestellt und von bester Produktqualität. Nicht zu Butter geschmolzen und in anderer Form wieder zusammengesetzt, um ein Auge zu entzücken und die Zunge zu enttäuschen.

                Es gibt Hummer und ein ganz feines braisiertes Kalbfleisch, alles so wohlschmeckend und hübsch genug angerichtet, um dem Michelin für *** Sterne wert zu sein. Ob ich die vergeben würde, steht nicht in Frage. Erstens bin ich dazu nicht berufen und zweitens ist es mir auch egal. In jedem Falle empfinde ich, dass das Haus so gar nichts von Stillstand hat.

                Für das Viergang-Menü plus Käse und einer Flasche Ostertag Muenchberg Gd cru 2013 und dem ganzen Kleinkram werden 412,00 Euro berechnet. Dafür braucht man keinen Kredit. Denen die Menüs zu klassisch erscheinen, möchte ich aber ganz unbedingt die a la carte-Gerichte empfehlen, z.B. Steinbutt oder Seezunge für jeweils zwei Personen. Den Geschmack kann man in einer Menüportion nicht wiedergeben. Und in Deutschland gibt es leider nur noch selten eine Möglichkeit so etwas zu bekommen. Die meisten haben leider nur noch Menüs.

                Danke für die Geduld des Lesens, wenn Sie bis hierher gekommen sind. LG Cynara.

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                • #23
                  Zitat von cynara Beitrag anzeigen

                  Danke für die Geduld des Lesens, wenn Sie bis hierher gekommen sind. LG Cynara.
                  Danke für diesen wunderschön beschriebenen Eindruck.

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                  • #24
                    Für diesen wunderbaren, stimmungsvollen Bericht braucht man nun wirklich keine Geduld beim Lesen, liebe Cynara! Im Gegenteil, man bedauert, dass er schon zu Ende ist. Ich kann Ihre nostalgischen Gefühle sehr gut nachvollziehen, waren wir doch nur ein paar Jahre nach Ihnen zum ersten Mal in der Auberge und haben es ähnlich erlebt, wie Sie es so schön geschildert haben. Mein Gott, war das freudig aufregend und sooo wunderschön.

                    Ihr Bericht macht Lust, es noch einmal zu tun!

                    Beste Grüße, Merlan

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                    • #25
                      Hinreißend! Ich muss da endlich auch mal hin.

                      Viele Grüße
                      Q.

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                      • #26
                        Wundervoller Bericht. Tausend Dank!

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                        • #27
                          Danke für das positive Feedback. Cynara.

                          PS: ich wusste doch, dass Merlane Pflanzen nichts tun. Danke.

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                          • #28
                            Danke für die Bericht. Bei den Worten "vielleicht sähe ich heute vorzugsweise Börsenkurse an" musste ich schmunzeln. Unser erster Besuch liegt rd. 30 Jahre zurück und damals, wie auch noch viele Jahre später, bestand mein tägliches Brot überwiegend aus dieser Tätigkeit.
                            Wir waren im August vor Ort und hatten ebenfalls Wetterglück. Alleine den Aperitif bzw. den Digestif, im lauschigen Garten direkt an der Ill sitzend, einzunehmen, ist schon eine Reise wert. Auch wir hatten Hummer allerdings als Fleischgang Lamm bzw. Kalbsrücken. Die Hummerportion eher gross als mittel und einfach perfekt zubereitet, dafür kann man durchaus *** verteilen, beim Fleischgang Kalb war ich nicht von der Qualität aber von den belanglosen Beilagen enttäuscht, dafür hätte es noch nicht einmal einen halben Stern gegeben. Die Käseauswahl entschädigte dann dafür aber das Dessert war auch eher belanglos.
                            Das Fazit ist daher eher zwiespältig. Von weit anreisen und dann nur das "einfache" Mittagsmenue für rd. 120 € zu wählen, muss man nicht unbedingt haben. Dann lieber noch 50 € drauflegen und entweder a la carte oder das Gourmetmenue bestellen.

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                            • #29
                              Vielen Dank für die sehr unterhaltsamen Minuten, liebe Cynara.

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                              • #30
                                Da verliert eine kulinarische Instuitution nach 52 Jahren den dritten Stern und hier wird weder darüber berichtet noch diskutiert? Vor 2 Jahren wäre das noch undenkbar gewesen. Es ist etwas bezeichnend dafür, was aus diesem Forum geworden ist. Am Ende kopieren Blogger hier ihre Beiträge und Links rein, eine echte Diskussion findet nicht mehr statt. Schade!

                                Junggaumen und ich waren noch letztes Jahr dort. Wir haben es nicht so erlebt, dass man den dritten Stern wegnehmen müsste. Hätte es damals nur zwei sterne gehabt, hätten wir aber auch n9icht nach dem dritten geschrien. So ist es wohl oft bei den etwas aus der Zeit gefallenen großes Häusern. Ich hoffe für die Haeberlins, dass sie damit gut umgehen können und werde trotz allem demnächst wieder hingehen.

                                M

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