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Le Millénaire (*), Reims

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  • Le Millénaire (*), Reims

    Ungefähr einmal im Jahr sind wir in Reims. Es ist einfach der beste Ort, um von dort aus in der Champagne Ausflüge zu machen, um die heimischen Vorräte aufzufüllen. Mittlerweile sind wir mit der örtlichen Gastronomie einigermaßen vertraut und sehen zu, jedes Mal auch ein für uns neues Restaurant einzubauen.

    „Le Millénaire“, unweit der Kathedrale gelegen, ist uns bisher entgangen, was vielleicht auch ein wenig an der etwas versteckten Lage in einer Seitenstraße liegt, in der ansonsten nicht viel Verkehr ist.
    Das Restaurant selbst ist großzügig über zwei Etagen gestaltet und in zeitlos modernem Ambiente gestaltet. An diesem Montag Abend ist das Haus komplett ausgebucht. Einige größere Gesellschaften und viel internationales Publikum lassen vermuten, dass hier entweder gerade eine Messe, ein Kongress oder ein englischer Betriebsausflug stattfindet.

    Laurent Laplaige, der hier gemeinsam mit seinem Sohn Thibault kocht, hält einen Michelin-Stern und gehört damit zur Spitze in der Stadt.
    Neben einer ausgiebigen á la Carte Auswahl bietet das „Le Millénaire“ Menüs zu 37 Euro (3 Gänge mit Wahlmöglichkeit, außer am Wochenende), 55 Euro (4 Gänge) und zu 96 Euro (5 Gänge) bzw. 110 Euro (5 Gänge plus Käse). Wir entscheiden uns für 5 Gänge ohne Käse.

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    Außenansicht

    Die Apéros bleiben noch recht unspektakulär bis mäßig. Ein Teigteilchen ist ziemlich trocken, ein Stück Lachs guter Qualität leider komplett ungewürzt und nur versehen mit einer belanglosen pfeffrigen Creme sowie eine Räucherfischcreme, die auch kein besonderes Können erfordert, sind noch weit entfernt von dem, was ich mit Sternequalität verbinden würde.

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    Apéros

    Deutlich besser fällt da das Amuse Bouche aus, eine sehr cremige und samtige Maiscreme mit einem Stück Fisch. Wenn ich es richtig verstanden habe, müsste es wohl Rascasse gewesen sein. Auf jeden Fall eine merkliche Steigerung.

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    Amuse Bouche: Maiscrème mit Rascasse

    Nicht sonderlich komplex, aber dafür sehr schmackhaft ist der erste Gang, bei dem zwei ordentliche Exemplare Kaisergranat auf einem Confit von gut abgeschmeckten bunten Tomaten platziert sind. Etwas getrockneter Bellota-Schinken und Parmesan-Cracker sorgen für Textur und runden das harmonische Geschmacksbild gut ab. Das ist keine kompositorische Großtat, aber ordentlich und lecker gemacht.

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    Gegrillte Langoustinen, Tartar von bunten Tomaten, Bellota-Schinken

    Ein stattliches Stück Foie Gras ist anständig gebraten, aber leider komplett ungewürzt. Etwas Salz hätte hier durchaus Wunder getan. Ein kleiner begleitender Salat von Pfifferlingen und Pinienkernen ist nett, aber unterm Strich eben auch ziemlich unaufregend.

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    Gebratene Foie Gras, Salat von Pfifferlingen und Pinienkernen

    Besser macht sich da das folgende Filet vom sehr guten St. Pierre, der top gebraten ist, aber erneut unter Gewürzarmut leidet. In der Küche scheint akuter Liebesmangel zu herrschen. Das Auberginenconfit ist gut, ebenso die Salatsauce. Letztere hätte aber durchaus etwas großzügiger bemessen sein dürfen.

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    Gebratener Sankt Petersfisch, Mini-Ratatouille, Kopfsalat-Emulsion

    Vor dem Hauptgang schickt die Küche eine kleine Kugel Zitronen-Basilikum-Granité. Was soll ich sagen? Auch das ist nicht nur ziemlich old-fashioned, sondern auch langweilig und belanglos. Hätte man sich hier wenigstens etwas Mühe gegeben, das mit ein oder zwei weiteren Zutaten in einen interessanteren Kontext zu bringen, hätte es irgendwie Eindruck hinterlassen. Aber so verpufft es als zusätzlicher Gang in der Menükarte, der eigentlich keiner ist.

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    Zitronen-Basilikum-Granité

    In der gleichen Art geht es auch mit dem Fleischgang weiter. Das Stück vom Iberico-Schwein ist von ordentlicher Qualität, aber erneut mangelt es an Würze, der Kohl als Beilage ist arg schlicht gewählt, die Orangenzesten setzen zwar nette Akzente, retten das Gericht aber auch nicht über die Mittelmäßigkeit hinaus. Und erneut ist die Sauce gut, aber zu knapp portioniert.

    Bis hierhin kann ich nicht erkennen, wofür hier ein Stern vergeben wurde. In Deutschland kenne ich viele Restaurants, die eher im Bistronomie-Stil unterwegs sind und deutlich origineller kochen.

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    Entrecôte vom Ibérico-Schwein, Mangold à l'orange, Kalbsjus

    Beim Dessert kann man zwischen zwei Alternativen wählen und um uns ein Gesamtbild zu verschaffen, wählen wir beide.

    Mein Mann entscheidet sich für die modernisierte Zitronentarte, die dekonstruiert als Creme, Ganache, Sorbet und mit Biskuit kommt. Das ist erneut nicht besonders komplex, aber durchaus lecker.

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    Zitronen-Tarte modernisiert

    Für mich darf es mit einer Kombination aus Schokolade und Pistazie recht klassisch werden. Die Pistazie findet sich als Creme in den beiden Schokohüllen und als Eis. Ansonsten ist dies ein schönes Schokoladendessert in traditionellem Patisserie-Handwerk. Schmeckt gut und ist schön anzuschauen.

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    Akkord von Schokolade und Pistazie

    Wie man unschwer erkennt, hat mich das Essen nicht wirklich vom Hocker gehauen. Abgesehen von der sich durch mehrere Gerichte ziehenden Gewürzarmut gab es zwar handwerklich nicht viel auszusetzen, aber wirkliche Überraschungsmomente bot die Küche eben auch nicht. Verglichen mit hiesigen Restaurants erlebe ich bei nicht besternten Restaurants oft mehr Kreativität und ebenso solides Handwerk.

    Auch die Petits Fours zum Schluss haben hier keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen können und reihen sich damit ein in die Reihe passabler, aber wenig erinnerungswürdiger Kleinigkeiten.

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ID: 62101
    Petits Fours

    Am nächsten Tag besuchen wir erneut das „Le Pré Champenois“ und genießen dort sehr authentische Küche mit Königinpastete und Crêpes Suzette ohne Stern oder Bib Gourmand, die uns insgesamt deutlich mehr überzeugt. Dort hatte ich zwar kein iberisches, aber ein französisches Bauernschwein, das charaktervoller und beeindruckender in Erinnerung blieb.

    Positiv anzumerken sind der professionelle Service, der auch bei vollem Haus alles im Griff hat und das gute Timing, das angenehme Wartezeiten zwischen den Gängen bot. Aus der gut sortierten und fair bepreisten Weinkarte wählten wir einen ausgezeichneten Chablis und einen sehr guten Zweitwein von Château Pédesclaux aus dem Pauillac.

    Insgesamt also kein Abend, über den man sich ärgern muss, aber auch keiner, der nach Wiederholung schreit.


    Bericht auch auf tischnotizen.de/le-millenaire-reims/
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