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Les Bas Rupts *, Gérardmer

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  • Les Bas Rupts *, Gérardmer

    Teil 4 meines Elsass-Trips brachte mich in die Nachbar-Region Lorrainne, in die wunderschön idyllischen Hochvogesen. Ich muss ehrlich sagen, dass die zweieinhalb Tage dort traumähnlich verliefen. Die Sonne schien, überall lag Schnee, es waren kaum Menschen unterwegs. Der perfekte Soundtrack dazu kam von Air. Essen musste ich natürlich auch etwas und entschied mich an einem Tag zum Lunch für das nächstgelegene *-Restaurant, das Les Bas Rupts.

    Das Hotel Les Bas Rupts et Chalet Fleurie liegt etwas bergaufwärts von dem Kur- und Urlaubsort Gérardmer, der für sich nicht besonders bemerkenswert ist. Das Hotel verbreitet ein wenig den Charme eines Berghotels aus den 60er-Jahren. Ich mag das. Leider war es nicht gut besucht, insgesamt waren an einem Dienstagmittag nur zwei von ca. 50 Tischen belegt. Das Restaurant feiert dieses Jahr sein 30-jähriges Jubiläum mit einem Michelin-Stern, deshalb gibt es mittags ein spezielles „30 ans d’étoiles“ Menu für 30 Euro, das es sein sollte.

    Auf der Getränkekarte sah ich, dass es regionale „Nectars de Fruits“ von der Domaine Beaucerf aus dem ca. 10 km entfernten Ort La Bresse gibt, die natürlich als Apéritif ausprobiert werden mussten. Da es von dem bestellten Nectar de Framboise nur noch einen kleinen Rest gab, bekam ich stattdessen eine kleine gemischte Dégustation. Mir war nicht bewusst, dass es sich bei den „Nectars de Fruits“ um Fruchtweine handelt und nicht um Fruchtsäfte, hatte jedoch so eine Vermutung beim Probieren. Das führte dann zu folgender Konversation:

    Monsieur: "Oh, ca va vite"
    Moi: "Oui, ils sont très bien les, mais est-ce que ce vraiement du jus de fruits?"
    Monsieur: " Mais non, c'est du vin"

    Spannend waren sie jedenfalls – probiert habe ich Himbeere, Rhabarber, Rhabarber mit Ingwer und Löwenzahn (Pissenlit). Am besten war der goldene Löwenzahn-Wein. Hierzu wurden zuerst drei kleine, sehr luftige und schmackhafte Käsebrioches gereicht. Anschließend gab es als Amuse Bouche noch ein Jakobsmuschelcarpaccio mit Trüffelvinaigrette. Beides war sehr klassisch gemacht und sehr elegant.

    Die Weinkarte ist ausgezeichnet bestückt mit eher wenigen Elsässer-Weinen und umso mehr Burgundern und Bordeaux. Die glasweise servierten Weine sind nach Bistro-Art nur mit der Gattungsbezeichnung „Bourgogne Blanc“, „Bordeaux“ bzw. „Riesling“ benannt, obwohl hier wirklich gute Weine eingeschenkt werden, dazu sogleich mehr.

    Das Menu startete mit hausgebeiztem Lachs mit einer Kräuter-Quark-Mousseline und frittierten Senffrüchten. Dies war geschmacklich ausgezeichnet, hätte aber evtl. eine überraschende Komponente vertragen. Der dazu glasweise bestellte „Bougogne Blanc“ war ein 2007 Santenay 1er Cru Clos des Gravières der mir bis dahin unbekannten Domaine Hervé de Lavoreille. Er passte sehr gut zum Lachs, hatte gute Apfel- und Tropenfrüchtearomen, wurde aber in einem viel zu kleinen Bistroglas serviert.

    Als Hauptgang gab es ein Civet de Biche, Nouilles Fraiches, einen Rehpfeffer mit Kastanien und hausgemachten Nudeln, die irgendwo zwischen Spätzle und Tagliatelle anzusiedeln waren. Auch hierbei handelte es sich um sehr klassisch und etwas altmodisch, aber gut gemachte Küche. Insbesondere die hausgemachten Nudeln, die in ein wenig Trüffelbutter und Sahne geschwenkt waren, waren sehr gut. Hierzu gab es einen 1999 Bourgogne Rouge von Hubert de Montille aus Volnay, der farblich schon deutliche Alterserscheinungen zeigte, sich im Glas aber noch recht frisch präsentierte und mit seinen Waldboden- und Waldfruchtaromen das Reh gut begleitete.

    Am Nachbartisch (zwei Tische weiter) wurde bereits das Pré-Dessert gereicht, nämlich ein Trüffeleis, welches so intensiv nach Trüffeln duftete, dass ich es bis an meinen Tisch riechen konnte. Da ich große Augen machte, wurde ich kurzerhand in das Gespräch mit eingebunden. Der Kellner erklärte, dass dies eine neue Kreation des Kochs ist, auf die er besonders stolz ist, insbesondere weil das Eis nur durch die schwarzen Trüffeln und durch nichts sonst parfümiert ist. Da ich so große Augen gemacht hatte, kriegte ich das Eis auch noch, zusammen mit der regulären, im Menu vorgesehenen Dessertkombination. Hierbei handelte es sich um eine Mandarinen-Crème, eine Passionsfrucht-Mousse und ein kleines Schokoladen-/Blaubeertörtchen. Alles war gut, aber nicht sensationell. Sensationell war das Trüffeleis, welches nach Straciatella-Eis aussah, aber wirklich intensiv nach schwarzen Trüffeln roch und schmeckte. Eine super Idee, die es aber bestimmt auch woanders gibt.

    Insgesamt muss man sagen, dass das Les Bas Rupts etwas frischen Wind gebrauchen könnte, aber eine sehr schmackhafte, regional-geprägte klassische Küche serviert. Das Ambiente ist angenehm und im Berghütten-Stil gehalten. Man hat einen sehr schönen Blick auf die Wälder der Hoch-Vogesen. Nur das Gedudel (Typ Rondo Veneziano, Richard Claydermann) im Hintergrund macht einen auf Dauer etwas madig. Der Service war professionell und sehr freundlich, freute sich aber wahrscheinlich, überhaupt etwas zu tun zu haben. Bei der Auslastung frage ich mich, ob das Restaurant die 35 ans d’étoiles noch erleben wird. Die Gegend um Gerardmer mit seinen vielen kleinen Seen ist jedenfalls sehr hübsch und überaus idyllisch. Es gibt kleine Skigebiete, viele Langlaufloipen und zahlreiche Möglichkeiten für Skischuhwanderungen. In der Gegend kann man durchaus gut Urlaub machen, jedenfalls wenn man es leer und ruhig mag.

  • #2
    Lieber Rocco,

    ich habe Ihre Berichte mit Interesse und Freude gelesen. Wir machen im Mai eine Woche Urlaub in einem einsamen Chalet und werden die Gelegenheit nutzen endlich mal les Bas-Rupts zu besuchen. Danke, dass Sie darüber so schön erzählt haben. Cynara.

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