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Harald Wohlfahrts Palazzo

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  • Harald Wohlfahrts Palazzo

    Freiwillig gezwungen (Firmenweihnachtsfeier) habe ich vor kurzem Bekanntschaft mit Wohlfahrts Palazzo gemacht. Das wäre an sich kein Grund, darüber im Forum zu berichten. Das Essen war OK, ein Gang sogar ziemlich gut, alles in allem hatte es aber nicht in geringsten mit Sterneküche zu tun.
    Das Konzept Unterhaltung und Essen ist ja nicht neu, und wird seit Jahrhunderten erfolgreich praktiziert, trotzdem fragte ich mich, was bewegt so ein erfolgreichen Koch wie Harald Wohlfahrt, außer monetärer Seite, seine gute Name dafür her zu geben.

    Mich hat es erschrocken, dass die Mehrheit meiner Kollegen jetzt glaubt, dass das wirklich eine Haut Cuisine war. Viele waren auch überzeugt, dass Herr Wohlfahrt selbst an Herd stand. Allerdings waren auch viele von den Preisen zwischen 89 und 149 EUR pro Menü total geschockt (wir müssten ja natürlich nichts zahlen, aber die Preise sind trotzdem bekannt) und der Meinung, das Essen war in keiner Weise das Geld wert. Das meine ich allerdings auch, aber richtig deprimierend finde ich, dass solche Veranstaltungen dem Ruf der guten Küche eher schaden, als helfen. Und es spielt dabei auch keine Rolle, ob die Leute das Palazzo-Menü gut oder schlecht fanden. Die, die das schlecht fanden, werden wohl nicht nochmals ein Versuch starten, und ein Gourmet-Restaurant besuchen wollen. Die, die das gut fanden, sind jetzt der Überzeugung, sie kennen sich aus, sie haben ja 3-Sterne-Menü probiert. Und warum verlangt ein 1-Stern-Restaurant mehr, als Wohlfahrt für sein Palazzo-Menu, usw. .

    Ich glaube, ich hatte diesen Abend mehr genossen, wenn es nicht "Harald Wohlfahrts Palazzo" wäre, sondern einfach "Palazzo“. So fand ich es ärgerlich, dass hier " kulinarische Highlights aus Drei-Sterne-Küche" gepriesen werden, die von Drei-Sterne-Küche meilenweit entfernt sind. Ich fand es richtig ärgerlich, dass durch dieses Konzept den Leuten absolut falsche Eindrucke über gehobene Küche vermittelt werden. Das kann doch nicht wirklich im Sinne Herrn Wohlfahrt sein, oder?!

  • #2
    wie wahr und treffend beschrieben,
    wobei natürlich schon das konzept für mich nicht gut ist.genuß auf allerhöchstem niveau mit unterhaltung zu kombinieren ist für mich schlicht unmöglich.
    die idee unterhaltung und essen geht schon aber nur auf wesentlich niedrigerem niveau.
    ansonsten ganz ihrer meinung.
    kg knurrhahn

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    • #3
      Ich kann's irgendwie verstehen, auch wenn ich emotional nicht dahinter stehe. Im Grunde ist es doch das gleiche, wie wenn Schubeck was für McD. macht und zahllose Sterneköche Essen für die ICE's der Bahn entwickeln (sind eine Menge).

      Wir sind Gäste, die das Thema eher idealistisch sehen. Dazu gehöre ich eigentlich auch.

      Auf der anderen Seite sind die Köche, für die das Ganze existentiell ist im Sinne von Lebensunterhalt. Da kann der Idealismus halt auch mal flöten gehen. Und wenn ich wie Wohlfahrt und viele andere eine - geschätzte - 80 Stundenwoche habe, dann möchte ich dafür vielleicht auch mal Geld sehen. So viel Geld wie möglich. Und wenn es nicht - im subjektiven Maß angemessen - von der Traube oder vom jeweiligen Restaurant kommt, dann halt von diversen "Nebenjobs".

      Im Grunde wollen wir doch alle für unsere Jobs und den Aufwand angemessen entlohnt werden. Und kaum einer würde sagen: "Ich verdiene zu viel." Oder "Ich könnte mehr verdienen, aber ich verzichte dankend aus Idealismus."

      Bei unserem gemeinsamen Thema hier sind wir halt einfach "auf der anderen Seite". Ich denke, das muss man sich manchmal vor Augen halten.

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      • #4
        Ich denke, Wi trifft hier einen Punkt: das Palazzo ist einfach keine Einrichtung, welche der Gästewerbung für die Spitzengastronomie dient. Es zielt vielmehr auf ein (Banausen-)Publikum, das aus freien Stücken niemals ein Sternehaus betreten würde.

        @Morchel: schon recht! Aber nicht alles, was man verstehen kann, muss man auch gutheißen.

        Grüße, Mohnkalb

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        • #5
          Zitat von Morchel Beitrag anzeigen
          Im Grunde ist es doch das gleiche, wie wenn Schubeck was für McD. macht und zahllose Sterneköche Essen für die ICE's der Bahn entwickeln (sind eine Menge).
          Ich finde eben, es ist nicht das gleiche. Herr Schubeck preist mindestens sein Burger nicht als " kulinarische Highlight aus Drei-Sterne-Küche". Der Burger bleibt eben der Burger, und jeder, der ein Burger kauft rechnet mit keiner Haute-Cuisine-Kreation.


          Hier wird meiner Meinung nach das Publikum getäuscht, auch wenn der verehrter Mohnkalb richtig sagt, es ist überwiegend "Banausen"Publikum. Die Tatsache der Täuschung bleibt bestehen.

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          • #6
            Ist das nicht ein bisschen müßig darüber zu debattieren, was schlimemr ist? Ein Buger, der genauso ist wie alle anderen und von einem Sternekoch ein bisschen Sterneglanz bekommt oder ein - wie wi schreibt - ordentliches Menü, dass so tut als sei es auf 3-Sterne-Niveau? Nach der reinen Lehre ist beides tendenziell zu verurteilen, aber wo geht es schon im Leben immer nach der reinen Lehre? Wir dürfen das anmahnen, aber wenn danach kein Hahn kräht, oder wir nur als weltfremd betrachtet werden, sollte man sich nicht wundern.

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            • #7
              Zitat von QWERTZ Beitrag anzeigen
              Wir dürfen das anmahnen, aber wenn danach kein Hahn kräht, oder wir nur als weltfremd betrachtet werden, sollte man sich nicht wundern.
              Danke. Genau darum ging es mir eigentlich. Wer Zeitung liest, wer selbst im Berufsleben steht, wer einfach mit offenen Augen durch die Gegend geht - dem begegnet doch so etwas täglich. Man kann darüber urteilen, wie man mag - das ist ja auch nicht das Thema. Jeder kann natürlich für sich selbst die Konsequenzen ziehen und bestimmte Köche/Restaurants/Events meiden. Aber warum sollte man an eine bestimmte Branche, in dem Fall an die "Sterneküche", gehobenere Maßstäbe im Sinne von Idealismus, 100prozentiger Konsequenz und Stringenz, Unbestechlichkeit etc. setzen als an andere? Vermutlich ist es da ebenso wie überall im Leben. Es gibt Idealisten, es gibt Realisten, es gibt wahrscheinlich ganz viele dazwischen, die täglich den Spagat neu auf sich nehmen.

              Die unterschwellige Entrüstung, die beim Urteil über etwaige Aktivitäten mitschwingt, versteh ich nicht so recht. Ich müsste ja sonst irgendwie den ganzen Tag entrüstet sein. Nicht wegen der Köche, sondern wegen der Welt.

              M.

              PS: Das Wort "Banausenpublikum", das hier fiel, hat mir persönlich ein großes Aua gemacht. Mir werden hier manchmal zu viele Urteile gefällt. Auch das ist nicht meine Welt. Aber sei's drum, und das hab ich jetzt nicht als Moderator geschrieben, sondern als Ich.

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              • #8
                Zitat von wi090365 Beitrag anzeigen
                ... auch wenn der verehrter Mohnkalb richtig sagt, es ist überwiegend "Banausen"Publikum.
                Sorry, aber das ist mir zu pauschal verurteilt. Sie, werte wi, waren ja schließlich auch da, aus welch unvermeidlichen Gründen auch immer.

                Beste Grüße, Merlan

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                • #9
                  Zitat von merlan Beitrag anzeigen
                  Sorry, aber das ist mir zu pauschal verurteilt. Sie, werte wi, waren ja schließlich auch da, aus welch unvermeidlichen Gründen auch immer.
                  Na, da ham'mer uns jetzt mal fein überschnitten

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                  • #10
                    OK, dann also noch ein kleiner Nachtrag. Erstens finde ich Wi's aufrichtige Empörung über HW völlig richtig, auch wenn es hier tatsächlich mal wieder nicht um weltbewegende Dinge geht. Zweitens ist es nun mal kein schöner Zug, wenn einer ohne Not aus rein monetären Gründen unschöne Dinge tut. Und zwar ganz gleich, wieviele andere das vielleicht ebenfalls tun. (Übrigens, liebe Morchel, weicht die ganztägige Entrüstung zum Glück spätestens, wenn die Amuses aufgetragen werden...)

                    Und noch zum "Banausenpublikum": Ich schrieb ja, das Palazzo "ziele" auf ein Banausenpublikum "ab", d.h. auf eines, das von der Hochküche nichts versteht und auch nicht unbedingt verstehen will. Dass de facto dann auch ein paar Liebhaber im Publikum sitzen, ist ja kein Widerspruch.

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                    • #11
                      Mir erscheint gerade eine Passage aus diesem Artikel (ja, ja, könnte auch in einen anderen Thread ...) http://www.tagesanzeiger.ch/leben/we...story/11061380 sehr passend, speziell im Zusammenhang mit den "Banausen"-Einschätzungen: "Der Genuss des Lebens bedingt also, auch Dinge zu geniessen, bei denen man nicht auf der Höhe ist: Fast Food, Ballett oder Schlager, reisserische Romane, langweilige Bundesratswahlen oder nicht synchronisierte US-Serien. Experte zu sein, steigert die Sensibilität, mindert aber den Genuss."

                      Ich glaube im übrigen, dass die von vielen hier heimlich gehegte Hoffnung, über die Palazzos dieser Welt ein größeres Publikum für die Sternegastronomie erschließen zu können (und die evtl. wegen eben dieser Hoffnung so große Enttäuschung, wenn das nicht gelingt, verbunden mit der Identifizierung von Schuldigen) trügerisch ist. Palazzo macht wahrscheinlich genau so viele Besucher zu künftigen Gourmets wie seinerzeit ein Konzert der "Drei Tenöre" Opernliebhaber geprägt hat. Also ziemlich wenige. Das Gute ist aber: Da beides ein sehr großes Publikum anzog/anzieht, genügen selbst geringe Überzeugungsquoten, um doch den einen oder anderen zu "konvertieren".

                      Beste Grüße
                      Q.

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                      • #12
                        Ich muss mich immer wieder wundern, wie so manche Aussage hier im Forum falsch interpretiert / verdreht wurde. Und, geehrter Merlan, ich weiß jetzt definitiv, warum ich selten an Diskussionen im Forum teilnehme und meine Teilnahme auf reine Restaurantberichte einschränke.
                        Es ist mir ganz bewusst, dass auch ein Palazzo seine Daseinsberechtigung auf unserem Planeten hat, und dass man ein Genuss manchmal auch in Fastfood oder Liebesschnulzen findet. Es muss nicht immer hohe Kunst / Literatur sein.
                        Die Frage, welche ich mir stellte war
                        • Warum macht gerade Herr Wohlfahrt so etwas. Man konnte doch x-beliebiges Menu von x-beliebigen Koch zaubern und servieren, oder hohe Anspruche zu verkünden. So machen es zum Beispiel alle Varieté-Shows der Welt, und es funktioniert wunderbar. Es ist von vornherein klar, dass es um eine Unterhaltung / Konsum geht.
                        • Falls es Herr Wohlfahrt darum ging, mehr Publikum für Gourmet-Küche zu begeistern, oder seine Mitmenschen im Sinne des Essens, Kochgenusses usw. zu erziehen, dann ist es wahrscheinlich der falsche Weg.
                        Das war eigentlich alles. Ich dachte, es ist vielleicht einen Gedankenaustausch wert.

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                        • #13
                          Ich bin doch ganz bei Ihnen, werte wi! Mir ging es nur darum, die Palazzo-Besucher nicht pauschal als "Banausen-Publikum" zu qualifizieren. Einen solchen Hinweis bitte ich zu gestatten, ohne sich gleich in die Schmollecke zu verziehen.

                          Nichts für ungut und beste Grüße, Merlan

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                          • #14
                            Leider nur teuer

                            Ich musste vor 3 Jahren leider das Experiment Palazzo in Stuttgart über mich ergehen lassen. Bisher bin ich immer davon ausgegangen, dass Harald Wohlfahrt zu den wenigen Idealisten in der Branche gehört. Andererseits sagte ich mich, so schlecht wird es nicht sein. Leider weit gefehlt. Es war sehr schlecht. Nicht nur das Essen.

                            Damals bin ich zu dem Schluss gekommen, dass man für das Geld besser z.B. in den Welt-Weihnachtszirkus geht und danach noch gut essen. Da hat man mehr davon und muss sich nicht darüber ärgern, dass hervorragende Köche sich Ihren guten Namen versauen. Das ist nämlich das Ergebnis. Nicht mehr und nicht weniger...

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                            • #15
                              Ist das nicht langsam verjährt?

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