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  • Restaurant-Paparazzi

    Dieser Bericht sollte es doch wert sein, dass unser Forum klar Position bezieht:

    Zitat von Max.Vanderveer

    "Vorige Woche Samstag abends in einem deutschen ***-Lokal. An jedem (!) der vollbesetzten Tische wurde mit iPhone oder Kompaktknipse mit Blitzlichtgewitter jeder Gang dokumentiert ebenso wie die Kellner während der Arbeit und als Höhepunkt standen Gäste auf, um am Nachbartisch ein Gericht zu fotografieren, das sie interessant fanden. Da sind scheinbar alle Barrieren gefallen. Der Service lächelte gequält, war aber scheinbar machtlos. Auch zwei Handygespraeche in denen berichtet wurde, dass man mal wieder gut essen sei, musste man mit anhören."


    Wenn der Service machtlos sein sollte, der Chef ist es nicht!

    Beste Grüße, Merlan

  • #2
    Genau hier liegt das Problem: der Chef soll sich jetzt darum kümmern, dass selbstverständliche Regeln eingehalten werden. Dabei hat er anderes zu tunund muss wohl noch über Zumutungen diskutieren, die von der Gegenseite nicht als solche gesehen werden. Es macht dann einfach keinen Spaß mehr.Am liebsten gehen wir unterdessen mittags, da sind sehr wenige oder gar keine Störfaktoren unterwegs.

    Beste Grüße
    Daurade

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    • #3
      Zunächst einmal fotografieren wir ja selbst, wenn auch in dem meisten Fällen auf andere Weise, mit Genehmigung und zu passenden Zeiten. Insoweit, ist es natürlich schwierig generell etwas dagegen zu sagen.

      Ich denke aber, es gibt 3 Gründe für das verschwundene Taktgefühl im Allgemeinen und den Paparazzi-Alarm im Besonderen:

      1 ) Die Gastronomie hat in großen Teilen das Internetzeitalter verpasst
      Ähnlich wie die Musik- und Filmindustrie wurde jahrelang eher gegen als für die Kundenwünsche gearbeitet. Eine Menükarte online- Um Gottes Willen, denn das hemmt ja die Kreativität (auch wenn die Karte nur alle 2 Jahre wechselt). Und dann auch noch Preise sichtbar, da könnte der Gast ja plötzlich vergleichen. Und jetzt auch noch Bilder einstellen, das macht doch sonst nur der Chinamann um die Ecke. Plötzlich geht das zwar alles, was jahrelang undenkbar war, aber nun haben die Gäste das Heft selbst in die Hand genommen und es ist schwierig, die „Zahncreme wieder zurück in die Tube zu bekommen“.

      2 ) Das schlechte Vorbild der Blogger
      Da müssen wir uns auch selbst an die Nase fassen. Vor 10 Jahren war das kein Problem, da nur wenige Leute fotografierten. Also gewöhnten sich Blogger daran, alles und jeden zu fotografieren, denn schließlich hatte man ja den innerlichen Auftrag, Transparenz und Informationsfluss in die verschlossene Gastronomiegesellschaft zu bringen. Wenn man dabei etwas über das Ziel hinaus geschossen ist, war das entschuldbar, denn es diente einem höheren Zweck. Auch wenn die professionelleren Blogger heutzutage eher kein Störfaktor mehr sind, waren wir es natürlich, die die Fotografie hoffähig gemacht haben und einem Rudel von privaten Hobbyknipsern die Tore geöffnet haben, die sich nun nicht mehr schließen lassen.

      3 ) Gastronomie ist kein Kulturgut
      Dies gilt insbesondere für Deutschland, da hier einfach die Lobby fehlt und die Kanzlerin sich mehr für Kartoffeln aus der Uckermark als die Top-Gastronomie interessiert. Die Punkte 1 + 2 wären kein Problem, wenn ein Besuch im *** auch als kulturelles Ereignis gesehen würde. Niemand käme auf die Idee einen Opernbesuch oder ein Philharmonie-Konzert mit massenhaften Smartphone-Geblitze zu untermalen, nur weil das Konzert nicht online steht. Und auch wenn dort Pressefotografen gibt, wäre das keine Anlass, dass daher plötzlich alle dort fotografieren. Wenn ein außergewöhnliches Essen aber den Stellenwert einer privaten Fete hat und auch der Gastgeber die Gäste nicht daran erinnert, dass dem nicht so ist, kommt genau das raus, was wir heute haben: Die Leute verhalten sich oftmals, als wären sie alleine im Partykeller zu Hause.

      Das alles wird sich (wenn überhaupt) nur dann ändern, wenn zum einen die Gastronomen klare Regeln vorgeben, wie sie z. B. englische Clubs haben: Handys werden abgegeben (und im Notfall vom Service eine Nachricht überbracht), Fotografieverbot (notfalls kann der Kellner ja ein Erinnerungsfoto für die Gastgruppe machen). Ich glaube aber kaum, daß dies jetzt noch durchsetzbar ist (das hätte man schon früher einführen müssen). Zum anderen müssen die Gastronomen eben auch an ihrer Informationspolitik arbeiten. Wenn ich einen unvergesslichen Abend hatte, freue ich mich auch darüber, daran eine bleibende Erinnerung zu haben. Dazu gehören komplette Menükarten zum Mitnehmen und vielleicht auch ein paar Bilder per Mail. Dann wäre der Drang zur Fotografie auch sicher deutlich geringer und gleichzeitig die Kundenbindung erhöht.
      Zuletzt geändert von Max.Vanderveer; 28.10.2012, 13:20.

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      • #4
        Danke für Ihre engagierten Ausführungen, die ich besonders bemerkenswert finde, da Sie ja bekanntlich selbst ein Blogger und damit auch Fotografierer sind (aber wohl kein Smartphone-Benutzer im Restaurant!) Folgendes Zitat möchte ich noch einmal besonders heraussheben:
        Zitat von Max.Vanderveer Beitrag anzeigen
        Niemand käme auf die Idee einen Opernbesuch oder ein Philharmonie-Konzert mit massenhaften Smartphone-Geblitze zu untermalen, nur weil das Konzert nicht online steht. Und auch wenn dort Pressefotografen gibt, wäre das keine Anlass, dass daher plötzlich alle dort fotografieren. Wenn ein außergewöhnliches Essen aber den Stellenwert einer privaten Fete hat und auch der Gastgeber die Gäste nicht daran erinnert, dass dem nicht so ist, kommt genau das raus, was wir heute haben: Die Leute verhalten sich oftmals, als wären sie alleine im Partykeller zu Hause.
        Ich teile Ihr Fazit, dass Gastronomen und Gäste alles daransetzen müssen, dass sich ein solcher Zustand nicht verfestigt. Dennoch beobachte ich, dass zurzeit der "normale" Esser und Genießer in der Top-Gastronomie noch in der Mehrheit ist. Dies belässt mir einen gewissen Optimismus.

        Beste Grüße, Merlan

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        • #5
          Werter Max,

          danke für Ihre Einschätzung der Gründe für diese Entwicklung. In meinen Augen sind zwei Faktoren bestimmend sind für das beschriebene Auftreten von Gästen:

          Durch die technische Entwicklung sind wir es gewohnt, unsere Eindrücke jederzeit medial manifestieren zu können (und je nach sonstigen Lebensaufgaben auch zu müssen). Daraus folgt einerseits, dass wir meinen, uns würde ein Eindruck verloren gehen, wenn wir ihn nicht "wie gewohnt" festhalten, archivieren, katalogisieren können. Dass die reine Erinnerung selektiver, aber dafür möglicherweise fokussierter auf das als herausragend Empfundene wirkt, wird dabei verdrängt.

          Gleichzeitig trifft diese künstlich beförderte Verlustangst auch unser Ego. Während wir vorgeblich unser Leben mit anderen "teilen", fordern wir ja letztlich stattdessen etwas - nämlich Aufmerksamkeit und Anteilnahme und positives Feedback für unser Erlebnis und uns selbst. Ich glaube daher, dass Telefonate à la "Ich muss jetzt Schluss machen, wir sind gerade bei Christian Bau" oder die zugehörigen Fotos bei Facebook sehr viel mit Selbstbestätigung und weniger mit dem Ausgleich eines Informationsdefizits seitens der Gastronomen zu tun hat. Warum dies nun in der Gastronomie viel verbreiteter ist als z.B. im Konzerthaus, liegt glaube ich einerseits an dem von Ihnen beschriebenen Fehlen der Wahrnehmung als Kulturgut.
          Andererseits wird das Erlebnis im Restaurant als persönlicher und individueller wahrgenommen. Sitzt man mit 800 Menschen in Beethovens 6. Sinfonie, ist das wie eine Veranstaltung, die einem Galadiner gleicht: Alle haben die Chance, zur ungefähr gleichen Zeit das Gleiche erleben. Dagegen ist das Menü in einem Spitzenrestaurant eng verknüpft mit dem Bewusstsein: "Da macht gerade jemand etwas exklusiv für mich". Denn da steht ja ein Teller, à la minute nur für mich bereitet, direkt vor meiner Nase - selbst der Tischnachbar wird in diesem Moment nicht das erleben können, was ich gerade sehe/rieche/schmecke. Diesen individuellen Moment macht man sich zu eigen und nutzt ihn, um sich selbst zu bestätigen ("DAS wurde nur FÜR MICH gemacht - DAS bin ich (mir) wert!"). Durch die Weiterverbreitung dieser Nachricht hofft der Sender auf positives Feedback und weitere Selbstbestätigung. Und diese wird er beim Trend-Thema Küche sicher auch eher erlangen als durch den immer noch "elitären"Besuch eines Klassikkonzerts.
          Zuletzt geändert von malbouffe; 28.10.2012, 14:28.

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          • #6
            Wie wäre es denn einfach mit einem Hinweis in der Speisekarte: "Wir bitten auf Fotografieren und Telefonieren im Restaurant zu verzichten?"
            Das klappt im Museum, im Theater, im Konzertsaal und funktionierte zu Zeiten, als man im Restaurant noch rauchen durfte, mit der Bitte, auf Zigarren und Pfeifen im Interesse der anderen Gäste zu verzichten, ebenfalls.

            Gruß, Garnelchen

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            • #7
              Das Fotografieren in Restaurants wird sich kaum mehr stoppen lassen. Doch warum auch?

              Wir sind nahezu immer Online, und während früher ein Bild einen (nicht immer kleinen) Fotoapparat, hohe Kosten, Zeitaufwand für die Entwicklung etc. mit sich brachte, kann heute jedes Handy tausende von Fotos knipsen.

              Sympathisch finde ich z.B. das Statement auf der Karte von Christian Bau, Fotografieren sei ok - doch bitte ohne Blitz und ohne alle anderen Gäste zu irritieren (nur sinngemäss wiedergegeben).

              Nicht stilvoll finde ich lautes Telefonieren im Restaurant (bei den ersten Handy's musste man ob er schlechten Verbindung oft schreien, doch auch das ist vorbei...) - bitte das Handy abschalten und vor die Türe gehen. Kein Problem habe ich, wenn jemand z.B. auf seinem Smartphone etwas googled oder den Wetterbericht für morgen prüft. Sofern natürlich nicht die Begleiterin, der Begleiter vernachlässigt wird. Wobei es ja auch jene gibt, die alleine essen...

              Nicht stilvoll finde ich es, jedes Gericht mehrfach mit grellem Blitz totzublitzen. Noch weniger stilvoll, wenn in grösserer Runde alle laut sprechend und gestikulierend von Gericht zu gericht springen und es mit dem Smartphone totblitzen. Absolut ok finde ich es, dezent und ohne Blitz (dafür möglichst mit lichtstarkem Objektiv) ein Gericht bildlich festzuhalten.

              Nicht stilvoll finde ich es, als Gruppe lautstark über triviale Themen diskutierend das Restaurant zu beschallen. Wären es wenigstens Geheimnisse, die da bis zum letzten Tisch hinausgeschrien würden. Aber manchmal ist es noch dieses durchdringende Lachen in der Frequenz, welche selbst im luftleeren Raum meilenweit getragen würde... Absolut ok finde ich fröhliche und ernsthafte Unterhaltungen in "normaler" Lautstärke am Tisch - gutes Essen ist ja Vergnügen.

              Ach, der letzte Punkt war ja gar nicht mehr zum Thema Fotografieren - zeigt aber, dass die richtigen Konventionen im Restaurant schon immer ein Thema waren..

              Beste Grüsse,
              küchenreise

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              • #8
                Nun unterstützt ich ja meine Berichte im Forum hier auch mit Bildern, das hilft auch meiner Erinnerung an die Gerichte und ich schaue mir die Bilder öfter zu Hause am Rechner an. Fotogaphieren ohne Blitz und praktisch ohne Geräusch im Sitzen, nach dem Servieren des Tellers. Was stört bitte jemand anderen am Nachbartisch daran? Die hier genannten Beispiele sind fraglos störend, aber das können auch noch ganz andere Dinge sein, die andere Besucher tun und die mir nicht passen.

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                • #9
                  Es ist typisch, Regeln für alles aufzustellen und Vorschriften für jegliches Verhalten zu erlassen.
                  Am meisten amüsiert mich, dass der Restaurantbesuch so gerne mit der Oper verglichen wird.
                  Zwar habe ich in der Pause auch schon was gegessen, an einen Besuch im Sternerestaurant dabei jedoch nicht gedacht.

                  Mein Vorschlag, jeder packt sich mal an der eigenen Nase.

                  Ich bin ja nun häufig in Restaurants zu Gast. An ein übermäßiges fotografieren oder daddeln mit dem Smartphone, ja gar an Telefonate am Nachbartisch kann ich mich nicht erinnern.
                  Ich weiß nicht, in welchen Restaurants diese Erfahrungen gemacht wurden.

                  Und schließlich noch eines: Wer glaubt im studentischen Outfit ein Spitzenrestaurant aufsuchen zu können, weil man ja nicht so konservativ wie manch andere Leute ist, sollte beim Thema
                  fotografieren zurückhaltend sein oder besser noch, sich sein Posting durchlesen, bevor er es einstellt.

                  Vielleicht kann der Gourmet-Club hier ja ein Zeichen setzen und künftig auf Fotos verzichten.

                  bst
                  www.bsteinmann-gourmet-unterwegs.de

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                  • #10
                    TestTestTest
                    will nur mal sehen, ob ich auch zitieren kann
                    Zitat von bsteinmann Beitrag anzeigen
                    Es ist typisch, Regeln für alles aufzustellen und Vorschriften für jegliches Verhalten zu erlassen.
                    Am meisten amüsiert mich, dass der Restaurantbesuch so gerne mit der Oper verglichen wird.
                    Zwar habe ich in der Pause auch schon was gegessen, an einen Besuch im Sternerestaurant dabei jedoch nicht gedacht.

                    Mein Vorschlag, jeder packt sich mal an der eigenen Nase.

                    Ich bin ja nun häufig in Restaurants zu Gast. An ein übermäßiges fotografieren oder daddeln mit dem Smartphone, ja gar an Telefonate am Nachbartisch kann ich mich nicht erinnern.
                    Ich weiß nicht, in welchen Restaurants diese Erfahrungen gemacht wurden.

                    Und schließlich noch eines: Wer glaubt im studentischen Outfit ein Spitzenrestaurant aufsuchen zu können, weil man ja nicht so konservativ wie manch andere Leute ist, sollte beim Thema
                    fotografieren zurückhaltend sein oder besser noch, sich sein Posting durchlesen, bevor er es einstellt.

                    Vielleicht kann der Gourmet-Club hier ja ein Zeichen setzen und künftig auf Fotos verzichten.

                    bst
                    www.bsteinmann-gourmet-unterwegs.de

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                    • #11
                      Und, werter Herr Steinmann, können Sie das nun auch noch löschen, wie so viele Ihrer doch gar nicht so unlesenswerten Beiträge?
                      Gruß
                      Bschl.


                      Ja, kann ich tatsächlich!

                      bst
                      Zuletzt geändert von bsteinmann; 28.10.2012, 21:15.

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                      • #12
                        Ich sage es mal so:
                        Mir (und auch vielen Gastronomen) ist der Gast am Nebentisch in Polo und Jeans 1000mal lieber als der Hobby-Paparazzo im Dreiknopfsakko, der an einem Samstag Abend im Blitzlichtgewitter altägyptische Regentänze um den Tisch herum aufführt.

                        Jeder soll machen was er will, so lange er andere Gaeste nicht stört. Wenn jemand stundenlang am Smartphone surft und seinen Facebook-Status ändert, ist das seine Privatsache. Gespräche in Wohnblocklautstärke und Maschinengewehrfeuer aus der Kamera sind es eben nicht.

                        Gruß

                        Max, Anzugträger ohne Blitz und Handy
                        Zuletzt geändert von Max.Vanderveer; 28.10.2012, 20:43.

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                        • #13
                          Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
                          TestTestTest
                          Sie Schlitzohr!!!

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                          • #14
                            Eine Bitte in der Speisekarte, doch dezent zu knipsen und zum Telefonieren den Raum zu verlassen, würde ich auch begrüßen. Wer sich partout mit anderen Dingen als dem Essen und seiner Tischgesellschaft beschäftigen will, kann dazu wohl auch mal vor die Tür gehen.

                            Grüße, mk

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                            • #15
                              Zitat von kuechenreise Beitrag anzeigen
                              Kein Problem habe ich, wenn jemand z.B. auf seinem Smartphone den Wetterbericht für morgen prüft.
                              Womöglich auch noch Kachelmann?!

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