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  • #91
    Genau. Und schwieriger Standort und unentschiedenes Konzept ist naütrlich eine ziemlich unheilige Allianz.

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    • #92
      Eigendynamik

      Zitat von rocco Beitrag anzeigen
      Der Punkt ist aber, dass nach meiner Wahrnehmung in Deutschland tatsächlich Hochküche mit einer bestimmten Art von Küche und einem gewissen Mindeststandard an Drumherum gleichgesetzt wurde. Das Vergleichspaar ist immer "bodenständige Wirtschaft" vs. "Gourmetrestaurant" ohne viel in der Mitte.
      Kein Widerspruch von mir dazu. Worauf ich hinauswollte: Die Betonung dieses Gegensatzes (und dann auch noch mit so abwertenden Begriffen wie "Schnickschnack", "Chi-Chi" etc.) durch Köche und Wirte verstärkt ihn gleichzeitig bzw. trägt zur Bewusstseinsbildung bei den Gästen bei.

      "Die Leute haben keine Lust mehr auf pseudo-intellektuelle Inszenierungen, ausufernde Arien und komplizierte Handlungsmuster. Bei uns gibt es künftig traditionelle Kostüme und eine Auswahl eingängiger Melodien." Werden die Leute so zu Liebhabern von Opern und klassischen Konzerten?

      "Wir wollen keine überzüchteten Motoren mehr und keinen immer ausgefeilteren elektronischen Schnickschnack. Wir konzentrieren uns jetzt ganz darauf, dass die Leute von A nach B kommen." Eine gute Marketing-Idee für Autobauer (jajaja, Dacia ...)?

      Viele Grüße
      Q.

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      • #93
        Zitat von quartalsesser Beitrag anzeigen
        "Die Leute haben keine Lust mehr auf pseudo-intellektuelle Inszenierungen, ausufernde Arien und komplizierte Handlungsmuster. Bei uns gibt es künftig traditionelle Kostüme und eine Auswahl eingängiger Melodien." Werden die Leute so zu Liebhabern von Opern und klassischen Konzerten?
        Nein, aber als Claim von z.B. Stage Entertainment oder dem Friedrichstadt-Palast würde das vielleicht sogar ziehen

        Ich finde, dass dieses Beispiel ziemlich gut ist (genauso wie das Autobeispiel), man hätte auch noch den "No-Frills" Ansatz von z.B. Ryanair oder easyjet anführen können.

        Das "Höher, schneller, weiter" wird manchmal zum Selbstläufer. Ich habe irgendwo mal gelesen, dass ein Hersteller medizintechnischer Geräte "Entwicklungsländer-Versionen" bestimmter Geräte konzipiert hatte - nur mit Basis-Funktionen und dafür zu einem Drittel des Preises. Die Teile wurden nach Europa re-importiert, weil viele Ärzte und Krankenhäuser genau das wollten. Elementare Funktionen zum attraktiven Preis.

        Deshalb ist, glaube ich, der Mittelbau in der Gourmetgastronomie so unter Druck. Für den Hochzeitstag oder den Geburtstag oder einfach mal so sind sehr viele Restaurants entweder zu den aufgerufenen Preisen nicht attraktiv genug oder setzen die falschen Akzente (z.B. zehn verschiedene mittelmäßige Brotsorten statt einer richtig guten oder neun mittelmäßige Gänge Essen statt fünf richtig gute Gänge). Das ist irgendwann mal Standard geworden und zu wenige stellen es in Frage oder fragen die Gäste, ob sie auch kommen würden, wenn es nur noch eine Sorte Brot gibt. Das ist so wie das Aufrüsten der Privat-Unis in den USA. Runter mit den Studiengebühren ist keine Option, man könnte ja in den US-News Rankings abstürzen. Stattdessen werden die Studiengebühren immer weiter hochgesetzt und dafür gibt es anspruchsvolle Architektur und ein kostenloses, speziell konfiguriertes ipad für jeden College-Studenten.

        Bei vielen Restaurants scheint der beliebteste Ausweg aus der Mühle zu sein, offiziell zu verkünden, keine Michelin-Sterne mehr haben zu wollen (oft kombiniert mit der bereits monierten Ankündigung, auf "Schnickschnack" o.ä. verzichten zu wollen). In der Kommunikation ist das natürlich die etwas einfachere Variante als das Risiko zu gehen, den Küchenstil zu ändern, runterzufahren und vom Michelin oder Gault Millau abgewertet zu werden.

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        • #94
          Du hast erschreckend recht - da haben meine Beispiele meine eigene These wohl eher widerlegt.
          Es bleibt aber dabei, dass die immer gleichen Worthülsen à la "Schickimicki" ärgerlich sind (gut, könnte man sagen, Köche werden ja auch nicht für ihren Umgang mit Sprache gerühmt - und Ausnahmen wie V. Klink haben meines Wissens auch noch nie diese Simpel-Vokabeln verwendet). Und es bleibt dabei - aber das gilt für viele Bereiche des Lebens -, dass es offensichtlich vielen Menschen schwer fällt, Unterschiede zu beschreiben und sich abzugrenzen, ohne die "andere Seite" mit negativen Wertungen zu belegen.

          Viele Grüße,
          Q.

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          • #95
            Ärgerlich, ist dass PR-Agenturen diese Formulierungen sehr gern verwenden (bzw. ihren Auftraggebern nicht ausreden). Die müssten eigentlich mit Sprache umgehen können...

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            • #96
              Vielen Dank für diese wunderbare Lektüre!

              Im Verlaufe eines Kritikgespräches während meiner Zeit in- am Theater hieß es: "ob es den Zuschauern gefällt ist unwichtig, solange ich als Regisseur sicher bin, dass es Kunst ist." Das war sehr inspirierend und nur ein bisschen absurd aber als ich beschloss das Theater zu verlassen und selbstständig und damit wirtschaftlich verantwortlich zu kochen, wurde dieser eine Satz mit jedem anbrechenden Tag absurder.

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