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Der Fauxpas des Jahres 2009

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  • Der Fauxpas des Jahres 2009

    Wertes Forum,

    manchmal gibt es auch etwas Trauriges zu berichten, wohl entstanden durch grenzenlose Ungebildetheit (Dummheit?), die die Erkenntnis der menschlichen Gefühllosigkeit eines Tuns nicht zu erbringen vermochte.

    In der Silvester-Menükarte vom 31.12.2009 des Grandhotels Heiligendamm (von Freunden soeben mitgebracht) wird als Motto des Gala-Abends dem aufgelisteten Menü die erste Strophe eines Gedichts vorangestellt:

    "Von guten Mächten treu und still umgeben,
    behütet und getröstet wunderbar,
    so will ich diese Tage mit Euch leben
    und mit Euch gehen in ein neues Jahr."


    Dietrich Bonhöffer sandte dieses Gedicht zum Jahreswechsel 1944/45 zum Trost an seine Mutter aus seinem Gefängnis in der Prinz-Albrecht-Straße in Berlin, wo er seit dem 8. Oktober 1944 gefangen gehalten wurde.
    Wenige Wochen später wurde Dietrich Bonhöffer in Flossenbürg exekutiert.


    Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen.


    Mit traurigen Grüßen
    lagomaggiore

  • #2
    Diese bewegenden Worte von Bonhoeffer finden sich auch im Evangelischen Gesangbuch (65) als Lied zur Jahreswende (im Regionalteil für Bayern und Thüringen dann nochmals (637) unter "Geborgen in Gottes Liebe").
    Man sollte jemandem, der - und sei es auch zu einem Galadiner - zu einer Veranstaltung zum Jahreswechsel ein Gebet voranstellt, nicht unbedingt Zynismus unterstellen.
    Gruß s.
    PS: wenn wir diesbezüglich schon etwas als "traurig" erkennen wollen, dann sind es die dürftigen Melodien, die in o.g. Gesangbuch dem Bonhoeffer'schen Text nicht gerecht werden

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    • #3
      Zynismus villeicht nicht, aber Geschmacklosigkeit und im besten Fall einfach Dummheit. (Und der Kontext bei einem ev. Kirchengesang ist ja nun ein auch ein gänzlich anderer, bitte.)

      Wenn man schon versucht, große Namen zu zitieren, sollte man sich schon ein bisschen über die Hintergründe der ausgewählten Worte informieren. Sonst kanns peinlich werden.

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      • #4
        Ich hätte ihm ja, werter brigante, auch abgeraten, diese Zeilen zu verwenden. Wahrscheinlich ist doch, dass dieser Heiligendamm-Mensch diese Strophe nur als Gebet/Gedicht zum Jahreswechsel kennt. Ich finde es schlicht überzogen, ihm seiner Unbedarftheit wegen gleich so eins überzubraten.
        Gruß s.

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        • #5
          Zitat von Schlaraffenland Beitrag anzeigen
          Ich finde es schlicht überzogen, ihm seiner Unbedarftheit wegen gleich so eins überzubraten.
          Da geh ich gern mit, lieber Herr Schlaraffenland. Den größten Faux Pas dieses Jahres sehe ich woanders und blicke in Richtung Heringskaviar.

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          • #6
            Zitat von lagomaggiore Beitrag anzeigen
            Wertes Forum,

            manchmal gibt es auch etwas Trauriges zu berichten, wohl entstanden durch grenzenlose Ungebildetheit (Dummheit?), die die Erkenntnis der menschlichen Gefühllosigkeit eines Tuns nicht zu erbringen vermochte.

            In der Silvester-Menükarte vom 31.12.2009 des Grandhotels Heiligendamm (von Freunden soeben mitgebracht) wird als Motto des Gala-Abends dem aufgelisteten Menü die erste Strophe eines Gedichts vorangestellt:

            "Von guten Mächten treu und still umgeben,
            behütet und getröstet wunderbar,
            so will ich diese Tage mit Euch leben
            und mit Euch gehen in ein neues Jahr."


            Dietrich Bonhöffer sandte dieses Gedicht zum Jahreswechsel 1944/45 zum Trost an seine Mutter aus seinem Gefängnis in der Prinz-Albrecht-Straße in Berlin, wo er seit dem 8. Oktober 1944 gefangen gehalten wurde.
            Wenige Wochen später wurde Dietrich Bonhöffer in Flossenbürg exekutiert.


            Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen.


            Mit traurigen Grüßen
            Natürlich kann man unterschiedlicher Meinung sein, ob dieses Gedicht für ein Silvester-Menu passend ist. Man kann sich aber auch freuen, dass Helden und deren literarischer Nachlass nicht vergessen werden. Grenzenlose Ungebildetheit (bzw Dummheit) zu unterstellen, finde ich aber unangebracht.

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            • #7
              Wir schreiben das Jahr 2010, ein Sternerestaurant irgendwo in Deutschland ......

              Der Patron kommt aus der Küche ... "Hat es Ihnen geschmeckt .. ?" (warum hat er nicht meine Antwort abgewartet ?), während er sich schon zum nächsten Tisch dreht "Wundervoll, immer wieder ein grandioses Erlebnis" .. ... "Wie geht es Ihren Kindern ..." ... es folgt ein halbstündiger Austausch über Familie, Werte und erwachsene Kinder die studieren, aber Ihre Wäsche zum Glück noch nach Hause bringen. Wie schön, dass Rosamunde Pilcher real existiert

              Kurz bevor ich dieses Erlebnis durch Flucht oder eine weitere Flasche Wein verdrängen konnte, kam der finale Rettungssatz:

              "Wie geht es Ihrer Frau ?" ...."Soweit gut, aber sie hat morgen Koloskopie" ... was dann folgte war (neben Plattitüden über Krankenhäuser) vor allen Dingen eine Diskussion über Glaubersalz, Flatulenz, Diarrhoe und andere Dinge, die ich "schon immer wissen wollte".

              Ich bin sicherlich nicht übermässig sensibel, aber nach einer knappen Stunde muss ich sagen, dass mir letztendlich egal war, wer da wirklich kocht, wenn endlich diese detaillierten Anusgespräche neben mir aufgehört hätten. :heulen:

              *-Essen in Deutschland ist immer wieder ein tolles Erlebnis :koch:
              Zuletzt geändert von Kimble; 04.02.2010, 02:36.

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              • #8
                Wenn man nicht dabei gewesen ist, ist es irgendwie witzig.

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                • #9
                  Ich sag es mal so:

                  Das ganze war so appetitanregend, dass mir der Verzicht auf den Nachtisch sehr leicht fiel

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                  • #10
                    Das kann ich mir vorstellen.

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