Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

All you can eat

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • All you can eat

    • Abiturjubiläum nach Jahrzehnten in Düsseldorf.
    • Ansprechendes Tagesprogramm für die in die Jahre gekommenen Pennäler; abends zum Japaner, ok, offenbar ein „must“ in Düdo.
    • Schlange vor dem Lokal; Einlasskontrolle; wir haben reserviert für 10 Personen; Gott sei Dank.
    • Endlich werden wir durch einen riesengroßen Speisesaal geführt; ganz am Ende ist unser Tisch; es ist voll, es ist laut; die Gästeschar ist deutlich jünger als die Jubilare.
    • „Wo bitte ist die Garderobe?“ „Legen Sie den Mantel doch einfach über den Sessel!“
    • Mein feiner Sakko ist fehl am Platz; das hübsche Einstecktuch auch; es ist warm; am besten ausziehen; da liegt schon der Mantel und der Schirm drückt am Gesäß.
    • Ein freundlicher asiatischer Kellner erscheint (kein Japaner, Thailänder!), drückt uns zwei Tablets in die Hand, programmiert zwei mal fünf Personen und erklärt uns, dass wir 2,5 Stunden Zeit hätten, um die auf dem Tablet verzeichneten und bebilderten Gerichte zu bestellen.
    • Wir bilden zwei Mannschaften; ich bin nicht in der Mannschaft mit Vorkenntnissen (wie früher!); der Kellner muss noch mal her und uns das System erklären (die A-Mannschaft hat schon die ersten Sushi).
    • Als Fünfer-Gruppe müssen wir bei jeder Runde 25 Gerichte eintippen und auf „ok“ drücken; frühestens nach 15 Minuten kann man eine neue Eingabe machen; wieder 25 Gerichte; im „besten“ Falle kommt man auf 250 Teile; all you can eat.
    • Aufgrund eines Eingabefehlers werden für unsere B-Mannschaft 15 Garnelenspieße serviert; die A-Mannschaft amüsiert sich köstlich und rühmt ihre geschickte Auswahl.
    • Wir versuchen bei Runde 2 fünf Meinungen und Vorlieben unter einen Hut zu bringen; Macher sind gefragt und nehmen das Heft, also das Tablet in die Hand.
    • Ich lehne mich zurück und positioniere den Schirm unter mir zur anderen Pobacke; lass´ die anderen mal machen; ich esse, was auf den Tisch kommt; an eine gepflegte Unterhaltung ist nicht zu denken; alles dreht sich nur um das Eine; die Spielertypen tippen sich in einen Rausch.
    • Dauernd wird irgendetwas serviert; ich esse von hier und von da; Ente, Lachs, Rind, Fisch, wie es gerade bei mir vorbeigereicht wird; manches schmeckt, einiges nicht, ich verliere den Überblick; habe ich eigentlich schon viel oder eher wenig gegessen? Ein mäßiger Lugana versucht mich milde zu stimmen.
    • Jetzt noch eine frittierte Banane oder ein frittiertes Raffaello? Nein, danke, passt nicht zum Lugana; oder doch?
    • Nach einer gefühlten Ewigkeit tippen die beiden Mannschaftsführer (so waren die früher auch schon!) „Rechnung“ ins Tablet; ein Meter Rechnung kommt prompt; wir teilen durch 10; gut so!
    • Ich freue mich auf die Hotelbar und inhaliere draußen wie befreit die kühle frische Luft; zwei gehen erschöpft schlafen; ich bleibe, bestelle ein anständiges Glas Wein; meine verloren geglaubte Kommunikationsfähigkeit kehrt zurück; wir unterhalten uns über alte Zeiten, als wir noch in der Kneipe zusammen saßen und die Welt bewegen wollten; damals ging es wenigstens nicht nur um das Eine und man verstand noch das gesprochene Wort!
    • Nächster Morgen: Was war das doch wieder ein schönes Klassentreffen! Und auch der Japaner war doch toll; mal ganz was anderes!

      Schönen Gruß, Merlan

  • #2
    Zitat von merlan Beitrag anzeigen
    mal ganz was anderes!
    Danke, dass wir daran teilhaben durften.

    Kommentar


    • #3
      Grinz
      Es macht die meisten glücklich. Und nur darum geht es.


      Gruß!
      J.F.

      Kommentar


      • #4
        "Aufgrund eines Eingabefehlers werden für unsere B-Mannschaft 15 Garnelenspieße serviert"

        Na, lieber Merlan, das würde mich nicht wundern, wenn Sie daran schuld waren. Wir sollten dazu noch Herrn Freud befragen.

        Kommentar


        • #5
          Werter merlan,

          ja, die Wahl eines Restaurants bei einem Klassentreffen. Wir hatten dieses Jahr unser vierzigstes und waren bei einem einfachen Italiener. Es steht ja der gesellige Aspekt im Vordergrund, anspruchsvollere Alternativen wäre schwierig geworden, vielen zu teuer oder kaum vorhanden (Braunschweig).

          So ein “All you can eat” Restaurant gibt es mit dem Kofookoo in Hamburg auch, ebenfalls mit iPad und Sperrzeit. Wir waren einmal da, das reichte auch, die Qualität schwankte sehr stark.

          Spaß hatten wir trotzdem, man muss “All you can eat” einfach sportlich sehen. Geschafft haben wir zu zweit 40 Bestellungen, meine Frau wird halt schnell satt. Eigentlich hatte ich mir 50 vorgenommen aber man muss es ja nicht übertreiben.

          Gruß
          Jürgen

          Kommentar


          • #6
            Sehr amüsant geschrieben, vielen Dank. Mir persönlich ist All you can eat in jeglicher Form ein absolutes Gräuel. Das schlimmste Erlebnis dieser Art hatte ich in Las Vegas, wo sich übergewichtige Dorfamerikaner im Circus Circus beim $2,99 All You Can Eat Frühstück erstaunliche Mengen Essen auf den Teller luden.
            Zitat von merlan Beitrag anzeigen
            an eine gepflegte Unterhaltung ist nicht zu denken; alles dreht sich nur um das Eine; die Spielertypen tippen sich in einen Rausch.
            Das ist besonders schade bei einem Klassentreffen. Als ich den Satz las, musste ich aber auch an das eine oder andere Sternerestaurant denken, in dem Amuse nach Amuse und ein Gang nach dem anderen serviert wird und jede Zutat und Zubereitung gesondert erklärt wird. Auch da ist eine tiefergehende Unterhaltung nur schwer möglich. Deshalb schwenke ich (was ich nie gedacht hätte) mittlerweile bei einigen Gelegenheiten auf à la carte um. Das ist einfach entspannter.

            Kommentar


            • #7
              Danke für diese amüsante Episode, eine Antwort bekommen sie aus dem Stadtkind der einzigen sinnvollen Publikation Hannovers.
              klassentreffenplaner

              Von Wolke, 30.08.15 - randgruppenbeleidigung


              Eine Einladung zum Klassentreffen. Was soll das? Wozu? Um all die lieben Klassen*kameraden von damals zu treffen und gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen? Schwachsinn! Wer das glaubt, der glaubt auch daran, dass es in Pornos echte Liebe gibt. Nein, ihr könnt uns nicht täuschen. Die wahren Gründe sind ganz andere. Ihr wollt sehen, ob die Klassenschönheit fett geworden ist. Ihr wollt sehen, ob es uns anderen schlecht geht. Das ist alles. Nur darum gibt es Klassentreffen. Mit all den fürchterlichen Begleiterscheinungen im Vorfeld. Mit Botox und Radikaldiäten, mit Männern, die sich kurz zuvor noch immens verschulden, um mit dem richtigen Auto auf den Schulhof zu fahren. Und mit Menschen, die sich danach hemmungslos dem Suff hingeben, um all das Unerträgliche möglichst schnell wieder zu vergessen.

              Aber man muss ja hin. Würde man nicht gehen, würden die anderen sich erst recht das Maul zerreißen. „Der scheint es ja nicht so besonders zu gehen, wenn die sich nicht mal zum Klassentreffen traut. Ich habe gehört, sie hat drei Kinder von drei Männern…“ Für Klassentreffen verantwortlich ist eine besonders bösartige Randgruppe, die Randgruppe der niederträchtige Klassentreffenplaner. Und das ist meistens die Klassenmutti, schon früher pummelig, rotwangig und nervtötend mütterlich, die damals jeden Ausflug organisiert hat und dann immer diesen trockenen Topfkuchen dabei hatte („Hab ich extra gebacken!“). Ja, wir haben sie natürlich zur Klassensprecherin gewählt, weil niemand sonst Lust auf den Mist hatte. Und klar, es war schön, dass einer so dämlich war und für alle anderen alles organisiert hat. Aber man muss doch nicht sein Leben lang Klassensprecher bleiben und munter immer weiter alles organisieren. Doch die Klassenmutti kann natürlich nicht aus ihrer Haut.
              Viele Grüße Passepartout
              Zuletzt geändert von passepartout; 21.10.2015, 03:32.

              Kommentar


              • #8
                O weh, M. ppt, wenn dieses seichte Geschichtchen, das ja dem wohlformulierten merlan'schen Bericht nicht mal den bescheidenen Lugana reichen kann, aus Hannovers " einzig sinnvoller" Publikation stammen soll, ist es um die Landeshauptstadt noch deutlich schlechter bestellt, als es bisher zu vermuten war.

                Kommentar

                Lädt...
                X