Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Kulinarisches Berlin: Stationen

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Kulinarisches Berlin: Stationen

    Die Gattin und ich waren auf Kulturreise mit Ziel Berlin. Selbstredend sollte sie auch in kulinarischer Hinsicht gelingen. Eindrücke von zwei der drei Stationen, die wir schließlich wählten, nämlich das Restaurant „Ottenthal“, die Brasserie „Ganymed“ und die „Weinbar Rutz“, will ich in diesem Forum wiedergeben. Letzteres Erlebnis hat jedoch einen eigenen Thread verdient, den ich bereits mit dem Titel „Weinbar Rutz in Berlin“ eröffnet habe. Dort steht nun der bereits angekündigte, ausführliche Bericht.

    1. Station: Das Restaurant „Ottenthal“ (http://www.ottenthal.com)

    Die Frage, welcher der „beste Österreicher“ Berlins sei und wo es das perfekte Wiener Schnitzel in der Hauptstadt gebe, hat schon manchen beschäftigt – auch den „Feinschmecker“ (siehe das aktuelle Heft 6). Nach meiner eigenen Recherche sah ich mich von besagtem Artikel bestätigt: ins „Ottenthal“, einem Restaurant mit Weinhandlung, muss man in Berlin gehen, um österreichische Küche wirklich genießen zu können. Die Vorfreude war also entsprechend – doch um es gleich vorwegzunehmen: sie wurde insgesamt eher enttäuscht.
    Das Lokal als solches ist ansprechend. Man betritt einen länglichen, freundlichen Raum, wird sogleich der langen Reihe an Mozartbüsten an der Wand gewahr (eine sichtlich ironische Hommage an den Meister), und sieht, dass sich der Laden schnell füllt (durchaus auch mit Gästen österreichischer Herkunft). Turbulente Restaurantatmoshäre breitet sich aus. Die Kellner, jung und im Eindruck etwas unbeholfen, reichen die diversen Karten. Offene Weine (natürlich nur aus Österreich) gibt es reichlich; die Preise sind allerdings happig (zwischen € 8,00 und 14,00). Ein Treffer war immerhin der aus Palt bei Krems stammende Apéritif „Malat Brut“, ein nach Champagnermethode hergestellter Winzersekt aus Pinot Noir und Chardonnay. Zum Essen wählten wir einen Grünen Veltliner „Himmelreich“ 2007 von Josef Fritz (Zaussenberg), mit dem wir ebenfalls zufrieden waren. Stirnrunzeln bereitete uns hingegen die Küchenleistung.

    So fand meine Frau die

    Tafelspitzsuppe mit Tafelspitztascherl

    nur bedingt gelungen (zu weich der Teig der Tascherl, wenig ausdrucksstark die Brühe).

    Das von mir gewählte

    Ottenthaler Blunzng’röstl mit Jacobsmuscheln, Ackersenf-Kren-Rahm und Frisee-Salat mit Schoko-Dressing

    war im Eindruck heterogen – gut die Jacobsmuschel (was aber wohl das Mindeste ist...) und aromatisch der Salat mit immerhin interessanter Dressing-Idee, doch trocken und uninspiriert der Blutwurst-Kartoffel-Kuchen (um das „G’röstl“ mal so zu übersetzen), der ja die Hauptattraktion hätte darstellen sollen.

    Als Hauptgang wollten wir beide unbedingt den Tafelspitz probieren, denn sein phänomenaler Ruf war ihm schon vorausgeeilt. Er wurde als

    Klassischer, gesottener Tafelspitz vom Bio-Rind aus Deutschland mit Rösterdäpfel, Cremespinat, Schnittlauchsoße und Apfelkren

    serviert. Fraglos war die Qualität des Fleischs ohne Tadel, wunderbar mürbe und doch sehr zart in der Konsistenz. Was drumherum beigegeben wurde, erschien aber in Menge, Form und Geschmack allzu grob bis nichtssagend – vor allem der Spinat erschloss sich uns nicht so recht.
    Am Nebentisch wurde ein Wiener Schnitzel verspeist, auf das wir verzichtet hatten, mit dem wir aber wohl besser gefahren wären als mit unserer Wahl, denn die Dame war darob voll des Lobes.

    Versöhnlich stimmte unser Dessert, ein tadelloser, leichter

    Schaum von frischen Erdbeeren mit Vanillesabayon und geraspelter Schokolade

    Dennoch beschlossen wir den Abend mit dem Gefühl einer leichten Befremdung, weil wir glauben: österreichische Küche geht in Berlin bestimmt besser! Die erneut vergebenen 13 GM-Punkte gehen wohl in Ordnung. Zu gerne wüsste man dennoch, welche Bilanz Tim Raue, der jüngst dort als Gast gesichtet wurde, nach seinem Besuch im „Ottenthal“ gezogen hat. Der aber kam vermutlich auch nur wegen des Wiener Schnitzels...

    2. Station: die Brasserie „Ganymed“ (http://www.ganymed-brasserie.de/)

    Auf dieses Lokal stießen wir per Zufall, denn es liegt direkt neben dem „Berliner Ensemble“ nahe der Friedrichstraße, in dem wir einer Aufführung beigewohnt hatten, und zudem charmant an der Spree. Das Innere, ein mittelgroßer und ein riesiger Raum, entspricht der französischen Brasserie-Tradition: viel Holz, das Menü auf der Tafel und rot karierte Tischdecken, fast als sei man kurzerhand nach Alt-Paris gebeamt worden. Auf das Essen waren wir daher umso gespannter, entschieden aber, weil es schon spät war, uns nur noch über einen Käseteller herzumachen (der in Qualität und Temperierung jedoch erstklassig war) und dafür am nächsten Tag wieder zu kommen, um die Karte tatsächlich zu testen. Dürftig muss man allerdings die Auswahl an offenen Weinen nennen. Allein ein offener Sancerre 2007 (Domaine Michel Thomas) wusste zu gefallen.
    Am nächsten Tag, spätnachmittags, kamen wir also wieder und waren beinahe die einzigen Gäste – bis auf den Grünen-Politiker Rezzo Schlauch, der einem jungen Adlatus mit der ihm eigenen Stentorstimme einen Dauervortrag hielt. Prominenz ist hier aber offenbar öfter anzutreffen. Zumindest kann man sich gut vorstellen, dass Mitglieder des „Berliner Ensemble“ hier gerne feiern oder auch nur auf einen Absacker vorbeikommen.
    Uns empfing ein französischer Kellner, der seine besten Jahre wohl schon hinter sich hatte (wohl das Faktotum der Brasserie), denn er war in seiner Schusseligkeit zwar irgendwie rührend, doch in der Kommunikation recht umständlich, also wenig Gewinn bringend. Als ein dynamischer Berliner Kollege die Zuständigkeit für unseren Tisch übernahm, konnte es losgehen:

    Für das dreigängige „Menü du Soir“, welches das „Ganymed“ allabendlich für € 32,50 anbietet, war es leider noch zu früh, also entschied sich die Gattin für den Klassiker

    Fischsuppe „Ganymed” mit Croûtons, Rouille und Käse

    und fand ihn köstlich, und so auch den

    Zander mit Spargel

    einem eigens von der Küche ermöglichten Gericht, das meine Frau sich in dieser Form gewünscht hatte.
    Beide Gänge mögen nun keine besonderen und schon gar keine innovativen Kreationen gewesen sein, doch sie erfreuten den Gaumen gleichwohl.
    Das lässt sich auch von meiner Vorspeisenwahl sagen, einem

    Ragout fin vom Hummer

    Allein die Käsekruste, welche die Hummerfüllung bedeckte, hätte nicht sein müssen, denn ein solches Ragout, zumal wenn es mundet wie dieses, bedarf solcher Spielereien nicht.

    Die darauf folgenden

    Geschmorten Kalbsbäckchen mit gebratenen Spitzkohl und Röstzwiebelkroketten auf Kartoffelmöhrenstampf

    waren wunderbar zart, "geradeaus" gewürzt, wurden auf einem großzügigen Teller angerichtet, zeigten sich als Rezept klassisch französisch und folgten in ästhetischer Hinsicht der neuen Küche – ein Gedicht!

    Die Desserts

    Crème brulée (unvermeidlich in der hier gebotenen Qualität, von der ich schon gehört hatte)

    Schokoladen-Orangen-Torte (unwiderstehlich)

    teilten wir uns – sie erwiesen sich in qualitativer Hinsicht prompt als die (heimliche?) Visitenkarte des Hauses.

    Fazit: Hier kann man sich wohl fühlen, tadellose Brasserie-Küche genießen (im Sommer sogar am Spree-Ufer), sollte die offenen Weine (vor allem die roten) allerdings links liegen lassen und auf die kleine, aber ansprechende Auswahl an natürlich primär französischen Flaschenweinen zurückgreifen. Auch die deutschen, vorwiegend aus Baden, sind interessant zusammengestellt; so bietet die Karte etwa Holger Kochs Spätburgunder oder Graf Adelmanns Cuvée „Herbst im Park“, aber die haben wir schon selbst im Keller.

    3. Station: die Weinbar „Rutz“ (http://www.rutz-weinbar.de/index.html), der unumstrittene Höhepunkt unserer Berliner Reise. Hier verweise ich, wie oben schon erwähnt, auf den bereits von mir eröffneten Thread.
    Zuletzt geändert von Tobler; 29.05.2010, 13:17.

  • #2
    …sichere Bank!

    Im Ottenthal haben wir bisher immer gut gespeißt. Wenn ich darüber nachdenke waren auch wir nicht immer voll und ganz zufrieden, blöd das hier jetzt so zu bemerken, wenn ich es doch gar nicht mehr konkretisieren kann…
    Fakt ist, wenn wir Lust auf gute österreichische Küche in Berlin verspüren, gehen wir ins Austria in Kreuzberg in der Bergmannstraße. Hier passts! Das wäre das Lokal was ich jedem uneingeschränkt hinischtlich alpenländischer Küche empfehlen würde (dran denken, zum Schluss muss noch der Kaiserschmarrn mit Zwtschgenröster reinpassen) cheers

    Kommentar

    Lädt...
    X