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  • Sprachloser Gourmet

    Neulich berichtete mir ein geschätzter Kollege von seinem Besuch in einem unbekannten Landgasthof. Er schilderte das Menü in leuchtendsten Farben, und es machte mir Freude zu beobachten, mit wieviel Genuss er sein kulinarisches Erlebnis schilderte. Das hörte sich auch alles ganz schön und ambitioniert an, war jedoch weit entfernt von den Erlebnissen, die wir hier im Forum mit viel Verve besprechen.

    Und dann kam so eine Frage von meinem Kollegen, die mich erstaunlicherweise fast sprachlos machte: "Sie gehen doch öfter mal in so Nobelschuppen. Was ist eigentlich das Mehr, das Sie dort im Sternebereich für vielleicht das Fünffache des Preises bekommen?"

    Ich legte los und faselte was von Produktqualität, Geschmachskombinationen, Texturen und Akkorden, aber überzeugt habe ich mein Gegenüber ganz sicherlich nicht. Er nickte schwach, und ich sah ihm seine Zweifel sichtlich an, ob er jemals seinen Landgasthof gegen meine "Nobelschuppen" tauschen wollte. Ich habe die Sache dann doch eher runtergespielt und das Thema gewechselt.

    Deshalb meine Frage an Sie, werte Forumianer: Wie kann man einem "Normalo" erklären, worin für uns der Reiz in der Sternegastronomie liegt? Ich denke, wir wissen es alle, aber wie kann man es griffig erklären?

    Ich bin gespannt auf Ihre Antworten.

    Beste Grüße, Merlan

  • #2
    Nicht erklären, einfach mitnehmen ! :hungry:

    Ich bin des Öfteren in Begleitung eher essens-unerfahrener Leute unterwegs und schaffe es meist, sie dafür nachhaltig zu begeistern. Standardspruch "Nach den Essen mit Dir, bin ich für den Rest des Lebens essensmässig versaut ...", soll heissen, wer einmal bei einem unserer Top-Köche essen war (nicht einem x-beliebigen Einsterner) ist meist so beeindruckt, dass er das im Leben nicht mehr vergisst und gerne wieder dahin will.

    Schreiben oder erzählen ist gut, Bilder sagen mehr als 1000 Worte, aber letztendlich ist Essen nur durch Esssen zu erfahren :koch:

    Laden Sie den Zweifler einfach mal ein

    PS
    Meine Anmerkung gilt allerdings nur für Leute, die neuen Dingen gegenüber auch offen sind. Beim Almöhi wird vermutlich auch das Essen nicht überzeugen ....
    Zuletzt geändert von Kimble; 03.07.2010, 22:07.

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    • #3
      Zitat von Kimble Beitrag anzeigen
      Laden Sie den Zweifler einfach mal ein
      Das geht aus den verschiedensten Gründen nicht immer, werter Kimble! Ansonsten gebe ich Ihnen ja gerne Recht. Und es handelt sich ja auch nicht um einen Zweifler, sondern nur um einen Essensinteressierten, der eine Erklärung haben möchte.

      Ich würde unser Faible gerne in Worte fassen können; auch zur eigenen Selbsterkenntnis. Was ist es denn tatsächlich? Das muss doch zu erklären sein!

      Beste Grüße, Merlan

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      • #4
        So die Begeisterung bei unerfahren Leuten herbeizuführen, wie Sie, lieber Kimble schreiben, ist mir auch schon das ein oder andere mal gelungen - auch wenn manche(r) dann sagt : "war ein tolles Erlebnis, aber ich gebe mein Geld lieber für .... aus".
        Ich denke, es ist klar, nur wenn man den Zugang zu einer Sache hat, kann man auch die Feinheiten erkennen und geniessen. Ich beispielsweise, werde wahrscheinlich nie große Qualitätsunterschiede bei klaissischen Konzerten erkennen - für einen Freund entsprechender Werke macht es sicher einen Riesenunterschied, ob Dirgient a) oder b) am Pult steht - so wie bei uns eben die verschiedenen Kochstile bei gleichen Produkten große Unterschiede ausmachen.
        Mit solchen Vergleichen versuche ich auch immer die Besonderheit der Sternegastronomie zu erklären und bin damit schon bei einigen Kollegen bzw. Bekannten realtiv weit gekommen. (das heißt, die halten mich nicht mehr für total verrückt)
        Leuten, bei denen ich davon ausgehe, dass sie durchaus zugänglich für entsprechende Sterne-Erlebnisse sind (z.B. weil sie hin und wieder die lokalen Einsterner besuchen), rate ich gern, mal in die vollen zu gehen. Anderen, von denen ich den Eindruck habe, sie gehen zwar gern essen, aber weniger wegen des Essens ansich, sondern eher wegen des Gesamterlebnisses (Gespräche und Ambiente), rate ich beim angesprochenen Landgasthaus oder was von ihnen gerade geliebt wird, zu bleiben.

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        • #5
          Zitat von QWERTZ Beitrag anzeigen
          So die Begeisterung bei unerfahren Leuten herbeizuführen, wie Sie, lieber Kimble schreiben, ist mir auch schon das ein oder andere mal gelungen - auch wenn manche(r) dann sagt : "war ein tolles Erlebnis, aber ich gebe mein Geld lieber für .... aus". .
          Das kann ich auch so bestätigen, aber wir wollen ja keine Leute bekehren sondern begeistern und unsere Passion verständlich machen. Das gelingt meines Erachtens aber im Ergebnis nur durch Essen, nicht mit Worten. Die Worte hebt man sich dann besser für das Essen auf, wenn man den einen oder anderen Gang erklärt.

          Fast jede Faszination muss man selbst erfahren, bevor man weiss, ob der Funke überspringt.

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          • #6
            Sie haben vollkommen recht. Aber man muss die Leute ja oft mit Worten vorher etwas anfüttern, oder Hemmungen nehmen usw. (vor allem wenn sie selbst für den Spaß bezahlen sollen).

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            • #7
              Zitat von Rochenflügel
              Merken Sie, worauf ich hinaus will?
              Ich glaube, werter Rochenflügel, mit Ihrer Fragestellung machen Sie ein ganz neues, zweifellos auch spannendes Thema auf, das mich in meiner Fragestellung aber nicht wirklich weiterbringt.

              Mein "Normalo", sprich der geschilderte Kollege, ist ein gutsituierter Mann um die 50; ein Mensch, der gerne gut isst, wie er es formuliert, der ein Leuchten in den Augen hat, wenn er von einem seiner "leckeren Essen" berichtet und schlicht die Frage stellt, was denn Sternegastronomie - und das auch noch in 3 Abstufungen - eigentlich ausmacht. Natürlich weiß er, dass es dort sehr fein zugeht, dass teure Produkte verwendet werden und ein bestimmtes Publikum dort verkehrt. Ich glaube, er würde es sogar einmal probieren, wenn ich es ihm wenigstens verbal vermitteln könnte, was ihn an "Mehr" erwartet. Mein Dilemma ist, dass ich es weiß, aber nicht in seine - sorry - Sprachwelt übersetzen kann.

              Beste Grüße, Merlan

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              • #8
                @Rochenflügel
                Nachdem Sie sich ja eben schon im gelöschten Beitrag über meine Begleitungen geäußert haben, teile ich Ihnen gerne mit, dass diese oft unter 30 sind, sich in der Öffentlichkeit zu benehmen wissen, gut gekleidet und finanziell unabhängig sind (womit Ihre Thesen bestätigt wären). Und nein das sind nicht nur "Yacht-Blondinen" sondern Bekannte jeglichen Geschlechts, die oftmals einfach (noch zu) wenig Gastronomie-Erfahrung haben und nach einem mehrstündigen Restuarantbesuch mit mir durchaus "bekehrt" sind .

                @Merlan
                Sagen Sie einfach (in Morchels Sinne), dass sie "geflasht" wären, wenn sie so etwas probiert hätten. Ein Menü wie im Oud Sluis oder im Schloss Berg eröffnet eine neue Geschmackswelt. Dieses komplexe Zusammenspiel jedes Saucentropfens mit dem wesentlichen Elementen eines Ganges setzt solche Endorphine frei, wie es sonst nur der dauradsche Marathonlauf kann. Dieses "Mouhtfull"-Gefühl, das der Laie mit "einfach unglaublich lecker" und einem Seufzer kommentiert kann man (leider fast nur) bei unseren besten Dreisternern erleben, weshalb jeder "Anfänger" besser mit einem Top-Erlebnis starten sollte (auch wenn er nicht alle Details erfassen kann)

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                • #9
                  Lieber merlan,

                  also erst einmal müssen Sie unbedingt den namen des guten und günstigen landgasthofs in erfahrung bringen, den Ihr kollege so toll findet - denn das ist ja durchaus eine art lokal, die wir (fast) alle hier gerne mögen, aber viel zu selten finden.

                  Zu Ihrer frage: ich komme des öfteren in diese situation. Meist sage ich ganz einfach, dass es in "sternerestaurants" einfach verdammt gut schmeckt und man in hervorragender qualität und mit liebe zum detail dinge und vor allem kombinationen zu essen bekommt, die man normalerweise eben nicht auf der karte eines "einfachen" lokals findet. Und dass ein solcher besuch im besten fall ein gesamterlebnis ist, dass man einfach mal ausprobieren muss. In der regel verstehen meine gegenüber das dann sehr gut und der ein oder andere probierts dann auch mal aus, selbst wenn er dafür die kreditkarte vielleicht dreimal umdrehen muss.

                  Ach ja: ich betone stets, dass sich in solchen lokalen, wie in jeder anderen "kulturszene" auch, hier und da natürlich auch leute rumtreiben, die sich nicht zuletzt ihres vermeintlichen status (sozial, nicht intellektuell!) vergewissern wollen – aber dass man sich deshalb den spaß nicht verderben lassen muss, da service und küchenchefs in aller regel deren dünkel nicht teilen. (Off topic: Sehr symapthisch in dieser hinsicht übrigens das interview mit klaus erfort in der aktuellen Effilee)

                  Grundsätzlich haben QWERTZ und Kimble allerdings recht: entweder es funkt bzw. es gibt den "zugang", oder eben nicht. So wie in anderen bereichen auch.

                  Wobei ich nicht der meinung bin, dass ein neuling gleich "ganz oben" starten sollte, im gegenteil. Für den anfang genügt ein guter 1*er vollkommen.

                  Grüße
                  b.

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                  • #10
                    Zitat von brigante Beitrag anzeigen
                    also erst einmal müssen Sie unbedingt den namen des guten und günstigen landgasthofs in erfahrung bringen, den Ihr kollege so toll findet
                    Wird morgen sofort erledigt, lieber brigante, und nachgereicht. Muss irgendwo im Vogelsberg sein; habe sofort in den einschlägigen Guides nachgeschaut, aber zur Enttäuschung des Kollegen nichts gefunden.

                    Beste Grüße, Merlan

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                    • #11
                      Mon dieu, werter merlan, lassen Sie das lieber bleiben. Fast immer handelt es sich dabei doch um irgendwelche Schaumburg/Rhein/Terassen.
                      Gruß s.

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                      • #12
                        @ rochenflügel
                        Geben Sie mir bitte eine Interpretationshilfe:

                        " Er weiß, wie man sich kleidet"
                        " Er weiß, wie man sich in der Öffentlichkeit benimmt"

                        Ist das jetzt Ihre Meinung oder soll das Satire sein oderwieoderwas.
                        Gruß s.

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                        • #13
                          Die Frage ist doch, wie man seine Begeisterung für eine spezielle Sache jemand anderem vermittelt. Ich glaube es ist dabei nicht Wesentllich, ob es sich um Hochküche, Oper, Ballett, Gemälde, Bildhauerei, Fotografie, Fußball oder sonst etwas handelt für das man wahre Begeisterung hegt.
                          Viel vermittelt sich über die eigene Freude an der Sache. Ob der andere Mensch, dann auch darauf anspricht liegt an vielen verschiedenen Faktoren. Aber man kann einen Samen pflanzen.
                          Ich würde mir also wenig Gedanken darüber machen, ob Sie die "richtigen" Worte finden, werter Merlan.

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                          • #14
                            Zitat von merlan Beitrag anzeigen
                            Natürlich weiß er, dass es dort sehr fein zugeht,
                            Ich finde sehr schade, dass er das weiss. Es gibt Sternerestaurants, in denen sich Gäste in guter Hose und langärmligem Hemd sehr wohl fühlen (und bei denen ein Jackett bei diesem Wetter vom Service an die Gardarobe gehängt würde) und es gibt Sternerestaurants, in denen es für solche Gäste ein Schrank mit Jacketts und Krawatten bereitsteht. Aber vielleicht habe ich das Wort "fein" auch nicht verstanden - wenn man das so versteht, wie ich es verstanden habe, ist es kein Wunder, dass manche Restaurants den Stern wieder zurückgeben müssen weil er schlecht fürs Geschäft ist.

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                            • #15
                              Zitat von Zeitblom Beitrag anzeigen
                              Ich finde sehr schade, dass er das weiss. Es gibt Sternerestaurants, in denen sich Gäste in guter Hose und langärmligem Hemd sehr wohl fühlen (und bei denen ein Jackett bei diesem Wetter vom Service an die Gardarobe gehängt würde) und es gibt Sternerestaurants, in denen es für solche Gäste ein Schrank mit Jacketts und Krawatten bereitsteht. Aber vielleicht habe ich das Wort "fein" auch nicht verstanden - wenn man das so versteht, wie ich es verstanden habe, ist es kein Wunder, dass manche Restaurants den Stern wieder zurückgeben müssen weil er schlecht fürs Geschäft ist.
                              jeder gastronom die gäste, die er verdient. ich hab' mal ein jahr bei einem gearbeitet, der so einen schrank mit jacketts hatte. ob die leute dann in den schlecht sitzenden verleihjaketts und altmodischen kravatten jeoch "feiner" ausgesehen haben als vorher, das sei mal dahingestellt

                              paul

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