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Jörg Zipprick "In Teufels Küche"

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  • Jörg Zipprick "In Teufels Küche"

    Unter dem reißerischen Titel: "In Teufels Küche: Ein Restaurantkritiker packt aus" hat Jörg Zipprick ein Buch über seine Zeit als Gastro-Journalist verfasst. Zipprick schrieb u.a. für e&t und beef, reiseaffine CP-Magazine und auch im Feinschmecker war er immer wieder zu lesen. Als selbsternannter Arnulf Baring der Restaurantkritik ist er zudem gern gesehener Gast im Fernsehen.

    Was er da so auspackt, hätte er meinetwegen auch in der Tasche lassen können: Altbekannte Dönekes wie Dollases Hunde-Poersiealbum werden ebenso hervorgekramt wie die (1/3 des Buches umfassende) Kritik an Hilfsstoff-lastigen Zubereitungen der Molekularküche, die in vielen Momenten vor allem die Züge einer persönlichen Abneigung gegen die Protagonisten trägt. Das alles wurde schon oft gesagt, wohl aber (zumindest nach Meinung des Eichborn-Verlags) noch nicht von jedem sich berufen Fühlenden.
    Eingefasst wird die Abrechnung (anders kann man es nicht nennen) zudem von einer mitunter peinlichen Selbststilisierung nach Vorbild des doppelten Kursus, dessen erste Aventiure den Protagonisten an die Herde der meisterhaften Klassiker führt und im zweiten dann aus dem Betrieb der sog. kulinarischen Moderne verbannt. Das Mitgefühl des Lesers hält sich dabei in Grenzen, da Vieles in einem Tonfall der persönlichen Beleidigung und Selbststilisierung vorgetragen wird, der der Sache nicht dienlich ist. (Wer einen bildhaften Vergleich benötigt, beachte das Autorenfoto im Klappentext.)

    Die spannende Chance, dem Leser einen wirklichen Blick auf die Probleme bei der professionellen Einstufung einer gastronomischen Leistung zu geben, hat Zipprick in meinen Augen vertan. Da er es ja nicht einmal schafft, seine eigenen Wertmaßstäbe verständlich offenzulegen, bleibt dem Leser nach vielen Seiten nur ein eitles Geschwafel im Ohr hängen, das vielleicht das Gemüt des Autors kühlt, den Leser aber ratlos zurücklässt.

  • #2
    Vielen Dank für die Warnung, werter Malbouffe!

    Grüße,
    Q.

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    • #3
      Dito. Um das Buch mache ich einen Bogen. Herr Zipprick war neulich auch auf Arte zu sehen am Ende des Kulinarik-Themenabends. Er wirkte tatsächlich ziemlich selbstverliebt.

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      • #4
        Wer keine 20 Euro in das Buch von Herrn Zipprick investieren möchte, kann sich hier ein erstes Bild seines Sensations-Geheisches machen:

        http://www.fr-online.de/panorama/-wi...0/-/index.html

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        • #5
          Zitat von rocco Beitrag anzeigen
          Wer keine 20 Euro in das Buch von Herrn Zipprick investieren möchte, kann sich hier ein erstes Bild seines Sensations-Geheisches machen:

          http://www.fr-online.de/panorama/-wi...0/-/index.html

          Meine Lieblingssätze:

          "Wegen des Norovirus musste noch nie ein Restaurant schließen. Der geht durch Erhitzen kaputt."

          Ich wusste gar nicht, dass Salat in Restaurants erhitzt wird, bevor er serviert wird.

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          • #6
            Zitat von rocco Beitrag anzeigen
            Wer keine 20 Euro in das Buch von Herrn Zipprick investieren möchte, kann sich hier ein erstes Bild seines Sensations-Geheisches machen:

            http://www.fr-online.de/panorama/-wi...0/-/index.html
            Wow. So viel Unsinn liest man selbst in der FR selten auf zwei Seiten.

            Und "Jörg Zipprick ist ein Star unter den Gastro-Kritikern"? Lustig.

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            • #7
              Hmm, so schlimm fand ich das jetzt gar nicht. Sehr reißerisch, klar. Aber unterm Strich triffts doch manches ganz gut, die Sache mit den Convenience-Produkten zum Beispiel.

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              • #8
                Sehe ich genauso wie Brigante. Aber möge doch jeder seine Illussionen behalten.

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                • #9
                  Zitat von brigante Beitrag anzeigen
                  Hmm, so schlimm fand ich das jetzt gar nicht. Sehr reißerisch, klar. Aber unterm Strich triffts doch manches ganz gut, die Sache mit den Convenience-Produkten zum Beispiel.
                  Welche Sache mit den Convenience Produkten trifft es ganz gut?
                  Es wird hier der Eindruck erweckt, also ob die Toprestaurants oefter mal Gaenge komplett von Nestle beziehen wuerden und das ist Unsinn.

                  Ich bin ja nun fuerwahr kein grosser Fan der "Molekularkueche", aber wenn Topkoeche in der Industrie entwickelte Hilfsstoffe einsetzen, um erstklassige Produkte in ungekannter Art und Weise zu verwenden, mit oft zumindest interessanten Ergebnissen, dann hat das gar nichts damit zu tun, dass McDo das gleiche Produkt benutzt, um Fleischabfaelle in ein Schlemmermenue zu verwandeln. Das Beispiel mit Wissler zeigt die ganze Idiotie. Ich bin mir sehr sicher, dass Wissler nicht gesagt hat "Wir kaufen lieber billige kleine Fischfilets und pappen die zusammen", sondern dass er mit zusammengeschweissten Filets gewisse Efekte erzielt, die er mit den Filets, wie sie von Natur aus sind, nicht erreichen kann. Ob man das braucht, darueber laesst sich trefflich streiten. Aber hier die Intention etwas neues zu kreieren mit der in Restaurantketten und auch leider in der Mehrzahl der "buergerlichen" Restaurants vorherrschenden Absicht aus Dreck Gold zu machen zu vermengen, finde ich absurd.

                  Nur weil man viele dieser Stoffe dazu verwenden kann, unsaegliche Produkte herzustellen, heisst das noch lange nicht, dass alles damit hergestellte schlecht sein muss. Hierin liegt fuer mich der Denkfehler.

                  Auf die Ausfuehrungen zu Medizin und Chemie gehe ich lieber erst gar nicht ein.

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                  • #10
                    Doch noch ein highlight:
                    Zitat Ziprick: "Und: Hefeextrakt, klingt so harmlos, setzt im Essen aber Glutamat (Geschmacksverstärker) frei, vor dem die australische Royal Air Force ihre Piloten übrigens warnt."

                    Bei den von Ziprick hochgelobten Eckitalienern wird ja haeufig der von der australischen Airforce noch mehr gefuerchtete Parmesankaese eingesetzt, eine wahre Glutamatbombe.

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                    • #11
                      Dass auch in Sterneküchen nicht alles immer ganz unkritisch abläuft, mag sein. Ich finde es einfach etwas bedenklich, wie Herr Zipprick argumentiert, nur um etwas vermeintlich sensationelles in sein Buch schreiben zu können.

                      Wenn er in Einzelfällen den Einsatz von Zusatzstoffen oder sogar kompletten Fertiggerichten gesehen hat, bitte schön. Aber dann mit der Argumentation: "Im Großraum Paris werden jährlich Zusatzstoffe im Wert von neun Millionen Euro an Köche verkauft. Das spricht doch Bände." zu suggerieren, dass dies eine verbreitete Praxis in der Sterneküche ist, ist doch etwas schlicht.
                      Zuletzt geändert von rocco; 09.03.2011, 20:07.

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                      • #12
                        Auch der Aussagewert der Beobachtung auf dem Großmarkt erweckt zunächst den Eindruck, drittklassige Geflügel werde an Sternerestaurant-Gäste verkauft. Ein Beleg vermisse ich aber in dem Interview. Ähnlich die Aussage über den Absatz von Zusatzstoffen. Die Schlussfolgerungen sind einfach - zumindest in dem Interview - nicht belegt und der Verweis auf ein Beleg im Buch fehlt, von daher bleiben es Vermutungen, auf denen Vorwürfe aufgebaut werden. Doch damit die Vorwürfe stichhaltig werden, müsste man recherchieren und nicht schwadronieren. Die Renzensionen über das Buch, die ich bislang gelesen habe, erwecken bei mir den Eindruck als bliebe es beim Schwadronieren.
                        Zuletzt geändert von QWERTZ; 09.03.2011, 20:48.

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                        • #13
                          Man stelle sich eine Luftschlacht zwischen australischer Air Force und fliegendem Parmesan vor.
                          Ein grandioser Gedanke, Mr. glauer, you made my day

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                          • #14
                            Im Österreichischen Nachrichtenmagazin Profil ist eine etwas ausgereiftere Geschichte zu dem Buch und zur Gastro-Kritik erscheinen: http://www.profil.at/articles/1110/5...nzen-industrie

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                            • #15
                              Vielen Dank für diesen link, lieber QWERTZ!! Ein sehr guter Artikel.

                              Grüße
                              b.

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