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Thema: Horvath**

  1. #21
    Tobler ist offline Leidenschaftlicher Gourmet mit Profession Gourmet-Club Mitglied
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    Ich bin in der glücklichen Lage, den Schwarzen Peter meiner Frau zuschieben zu können. Ihr heroischer Fotoeinsatz an jenem Abend zeitigte dieses Ergebnis.

    KG

    Tobler

  2. #22
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    Trotz Schatten, freue ich mich über die Bilder.

  3. #23
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    Beim nächsten Mal darf wieder mein iphone ran. In fototechnischer Hinsicht obsiegt es über alle anderen halt doch...

  4. #24
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    Die ersten Bilder sind doch ganz schön geworden. Der Blaustich lässt sich schnell mit einfacher Bildbearbeitungssoftware (s. mein Ergebnis) entfernen (Weißabgleich) und wenn Sie sich nicht durch den 90 Grad-Winkel von oben selber das Licht genommen hätten, wären sicher auch die anderen Bilder passabel geworden, denn bei der Blutpranline sieht es ja auch wieder ganz ok aus.

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  5. #25
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    Stimmt. Die ersten Bilder und das letzte sind wirklich ganz okay bzw. Ihre Bearbeitung des obigen Fotos ist wirklich gelungen! Vielleicht bearbeite ich die anderen Bilder auch noch mal - und gebe Ihre Tipps zum Winkel gerne an meine Gattin weiter, falls sie den Job mal wieder übernehmen will.

    KG

    Tobler

  6. #26
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    Das ist immer das Schlimmste eine Mischung aus Kunst- und Naturlicht.

  7. #27
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    Warm und einladend strahlt das gemütliche Licht des Gasthauses am Paul-Lincke-Ufer den Gast an und drinnen setzt sich dieser Eindruck mit viel braunem Holz fort. Noch bevor der Apéritifwunsch abgefragt oder die Karten serviert werden, hat Jakob Petritsch, der den Service mit erfrischendem österreichischem Charme leitet, zur Begrüßung den ersten Gruß aus der Küche zur Hand, ein flüssiges Aspik, also eine stark konzentrierte Fleischbrühe. Das ist ungewohnt, aber passend, weil wärmend und sehr intensiv. Zur Abmilderung der doch recht salzig schmeckenden Brühe gibt es ein Minifläschchen gut gekühlten Alpenquellwassers. Ein einfacher, aber spannender Auftakt, der auch angesichts der kalten Außemperaturen mehr als willkommen ist.

    Dem folgt eine kleine, aber gut gewählte Brotauswahl, bei dem vor allem die noch heißen Knoblauch-Langos, ein fluffig in Fett ausgebackener Hefeteig, und ein Blunzen-Muffin (also Blutwurst) begeistern. Von unserem letzten Besuch, der allerdings schon fast drei Jahre zurück liegt, hatte ich recht übersichtliche Portionen in Erinnerung. Nicht, dass ich hungrig geblieben wäre, aber das volle Programm brauchte es seinerzeit schon, um angenehme Sättigung zu erreichen. Heute habe ich richtig Appetit mitgebracht und bin daher auch dankbar für den üppigen Kartoffelstampf, der mit nicht mehr als Salz und brauner Butter einen wohltuenden Seelentröster gibt.
    Vorweg genommen: auch diesmal wählen wir das volle Programm und haben uns spätestens zur Halbzeit schon keine Gedanken mehr darüber machen müssen, nicht satt zu werden.

    Der abschließende Gruß aus der Küche ist gegrillte Rote Bete, die mit gerösteten Bete Schalen auf einem Sauren Rahm mit Kümmel serviert werden. Säurespitzen liefern kleine Punkte gelierten Herbsttrompetenessigs. Bereits dieser Gruß skizziert ein wichtiges Charakteristikum von Sebastian Franks Küche. Gemüse spielt darin die Hauptrolle, wird in vielfältiger Form durchdekliniert und bekommt häufig ein cremiges und damit verbindendes Element. Der Gruß schmeckt übrigens ausgezeichnet und changiert zwischen leicht säuerlich und würzig herzhaft.



    Im ersten Gang bekommt Sellerie seinen großen Auftritt, als "reif" und "jung" beschrieben. Die junge Version findet sich in Form von gedämpften, gerollten Scheiben, die von einer leicht gebundenen Hühnerbouillon bedeckt sind und geröstete Selleriesaat enthält. Als Würze wird am Tisch von 12 Monate im Salzteig gereiften Sellerie gerieben. Die kleine schrumpelige Knolle verströmt bereits pur ein so intensives Aroma, dass es tatsächlich nur als Puder zum Würzen verwendet wird. In der Präsentation erinnert mich das Gericht ein wenig an einen Selleriegang, den ich vor einem Jahr im Tian in Wien gegessen habe, auch dort als Röllchen nebeneinander und von einer Sauce (dort ein Schaum) bedeckt. Im Horváth allerdings liefert die cremige Bouillon eine größere geschmackliche Tiefe. Sehr gut.



    Im Menü geht es regulär weiter mit Blumenkohl, als Ragout und mit einer Emulsion aus Suppenfett und geröstetem Kalbshirn, dazu ein mit Petersilienöl verfeinertes, gestocktes Eiweiß. Ich probiere davon und finde es gut und erstaunlich abwechslungsreich, zumal Sebastian Franks Küche sonst eher reduziert auf den Teller kommt.



    Ich wähle alternativ das schlicht als "Röstgemüse" betitelte Gericht. Dies sind drei Karotten, bei denen der Schmorgrad bis über die Grenzen ausgereizt wurde und die nahezu verbrannt wirken, es aber nicht sind. Begleitet von einer Röstcrème aus Wurzelgemüse, einer Rauchzwiebelmarmelade sowie marinierten Petersilienwurzelherzen bietet das ein ungewohntes Karottenerlebnis, das natürlich die Süße des Gemüses herausarbeitet, aber geschickt mit Gewürzen variiert.



    Der folgende Gang "Wintergemüse" überzeugt mich nicht wirklich. Wirsing und Rosenkohlblätter sind kombiniert mit einer Kümmel-Honig-Paste und einer Emulsion aus Champignons und Mandelöl. Zu sehr in den Vordergrund spielt sich für meinen Geschmack ein Kürbistrester mit Limette, der sich auch nicht recht harmonisch einfügen will. Dazu kommt, dass das ganze Gericht lauwarm ist und das entspricht einfach nicht meiner Assoziation von Kohl, den ich mir wärmer erwarte. Der grüne, eiskalte Slushy vom rohen Kohl als Kontrast ist eine nette Spielerei, aber reißt es für mich nicht raus. Der Gang ist gut, findet auch bei meinem Mann deutlich mehr Begeisterung, aber ich fand die bisherigen Gänge stärker.



    Die Begeisterung setzt aber umgehend wieder ein, als der Seesaibling an den Tisch kommt, gebeizt und scharf angebraten, aber sehr saftig, flankiert von etwas gedörrtem Endividiensalat, Holunderblütenöl und Minibackerbsen. Die Kräuterbutter auf dem Fisch liefert das letzte intensive I-Pünktchen. Toller Gang, der nicht nur optisch überzeugt.



    Der Titel des nächsten Ganges ist eigentlich eher irreführend, denn "Schwammer'l" lässt einen typischen Pilzgang erwarten. Tatsächlich aber finden sich die Pilze wieder nur in verfremdeter, aber sehr intensiver Form wieder. Kleine, knusprige Waldpilze, kleine Stücke gedämpfter Seitlinge sowie als Pulver auf einem dekonstruierten Butterbrot sind sie nur Beigaben zum eigentlichen Hauptdarsteller, einer veritabel großen Knolle Topinambur. Das cremige Element ist in diesem Fall ein Haselnuss-Zitronenrahm. Hier verbinden sich erneut sehr runde, erdige Aromen zu einem stimmigen Ganzen. Lediglich die Portionierung der Topinambur hätte ich mir etwas kleiner gewünscht. So ist dieser Gang doch insgesamt relativ mächtig.



    Als hätte die Küche mein inneres Seufzen gehört, folgt als Erfrischung eine Variation vom Kürbis mit einem geeisten Schmorkürbis als Hauptelement. Dazu etwas süß-saurer Butternusskürbis und - cremiges Element! - eine frische Dill-Béchamel. Abwechslungsreich und sehr gut an dieser Stelle.

    Fleisch war bis zu diesem Punkt nur marginal vertreten, wie es im Horváth die Regel ist und wirklich vermisst habe ich bis hierhin nichts. Trotzdem freue ich mich auf das Medaillon von der Brandenburger Rehkeule, an dessen Seite noch Rehtatar kurz angebraten beigegeben ist. Gemüsebegleitung ist diesmal die Schwarzwurzel, roh, geschmort und in den Butterbröseln verarbeitet. Fruchtige Noten kommen von einer gelierten Marillenkerncrème und einer Quitten-Essenz mit vierjährigem Rumtopf. Am Tisch angegossen dann noch eine mit Butter aufmontierte klassische Schmorsauce. Das ist eine aufwändige Variation eines klassischen Themas, Wild und Frucht, und bedient alle harmonischen Elemente eines solchen Herbst-/Wintergerichts perfekt. Trotzdem ist es so überraschend vielschichtig und anders als erwartet. Fabelhaft!



    Im ersten Dessert findet sich auf einem Löffel etwas kalte Bratapfelcreme, separat dazu eine Pastinaken-Birnencreme mit gerösteter Senfsaat. Am Tisch wird ein warmer Sud von Zimt, Apfel und Muskatkürbis angegossen, der die Creme im Löffel schnell viel geschmeidiger werden lässt. In der Nase und im Mund machen sich erste weihnachtliche Gefühle breit.



    Beim abschließenden Nachtisch allerdings lässt die Küche noch einmal in sommerlichen Erinnerungen schwelgen. Und es wird noch mal richtig - cremig! In dem wunderschönen Arrangement aus abgehangenem Quark, süßer Sahne und gebackenem Plunderteig finden sich neben diversen Blüten auch Tropfen ungemein intensiven Erdbeerkernöls. Dieses Öl scheint den Geschmack der Erdbeeren so stark konzentriert in sich gespeichert zu haben, dass man beim Schließen der Augen tatsächlich ganze Edbeerfelder zu sehen meint. In all seiner vermeintlichen Einfachheit ist dies eines der besten Desserts des Jahres für mich.



    Was bestenfalls noch für Horváth-Neulinge eine Mutprobe ist, folgt als Petit Fours zum Kaffee: die Praline aus Schweineblut und weißer Schokolade ist längst ein Klassiker und schmeckt einfach nur angenehm süß und nach allem, aber nicht vordergründig nach Blut.

    So geht das Menü mit ganz vielen Höhepunkten und nur einem nicht ganz so überzeugenden Gang für mich zuende und beweist erneut, dass Sebastian Frank mit seiner Gemüseküche eine deutlich wiedererkennbare Handschrift entwickelt hat. Fern von regional verbrämt, verkopfter Ideologie spielt Gemüse hier einfach eine größere Rolle als anderswo und darf sich in zahlreichen Zubereitungsformen von seiner besten Seite zeigen. Niemand wird hier etwas vermissen, denn die Gerichte sind geschmackstief und vielschichtig.

    Hatte Frank bei unserem letzten Besuch gerade eine Phase, bei der Räucher- und Röstnoten eine dominierende Rolle spielten (was ich seinerzeit ausgesprochen mochte), war dieses Menü insgesamt eleganter und noch ausgeklügelter. Die zwei Sterne, die mittlerweile über dem Horváth leuchten, habe ich durchweg auch auf dem Teller erlebt.

    Die Weinkarte listet neben überwiegend österreichischen und deutschen Gewächsen verstärkt auch Weine aus noch unbekannteren osteuropäischen Ländern wie Serbien, Kroatien und Slowenien. Die Weinreise zum Menü bietet denn auch einen interessanten Querschnitt durch diese Regionen. Wir haben eine Flasche Chardonnay Lores vom Johanneshof Reinisch aus der Thermenregion gewählt, der uns ob seiner Eleganz sehr begeistert. Danach sind wir mit dem Opus Eximium vom Weingut Gesellmann aus dem Jahr 2013 zufrieden, wenngleich der Wein eigentlich noch zu jung ist und ihm die Frische anzumerken ist.

    Das Horváth hat auch in diesem Jahr einen starken Auftritt hingelegt, die Atmosphäre im Restaurant ist ausgelassen, die Sprachen um uns herum vielfältig, es ist schlicht gemütlich, so dass wir nur ungern die Wärme gegen die kalte Abendluft der Großstadt tauschen wollen. Muss aber sein. Leider.

    Bericht und sämtliche Bilder auch unter: https://www.facebook.com/thomas.west...0705773&type=3
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    Geändert von QWERTZ (23.12.2016 um 12:39 Uhr)

  8. #28
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    Zitat Zitat von thomashaj Beitrag anzeigen
    Fern von regional verbrämt, verkopfter Ideologie spielt Gemüse hier einfach eine größere Rolle als anderswo und darf sich in zahlreichen Zubereitungsformen von seiner besten Seite zeigen. Niemand wird hier etwas vermissen, denn die Gerichte sind geschmackstief und vielschichtig.
    Ihr Fazit ist absolut treffend! Schön, wie auch Sie diesem Haus huldigen - und das gewohnt präzise und eloquent. Danke!

    KG

    Tobler

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