Ergebnis 1 bis 8 von 8

Thema: La Grenouillere, La Madelaine-sous-Montreuil (Pas-de-Calais)

  1. #1
    calvados* ist offline Gourmet aus Leidenschaft Gourmet-Club Mitglied
    Registriert seit
    04.12.2006
    Beiträge
    323

    Standard La Grenouillere, La Madelaine-sous-Montreuil (Pas-de-Calais)

    Ein Haus der Gegensätze. Ein Hotel Restaurant mit traditioneller regionaler Einrichtung in hundert jährigen Gebäuden und auf der anderen Seite moderne Architektur und Design. Es ist schon eine interessante Kombination aus Qualität, Luxus und Rustikalität.
    00 Alt neu.jpg

    Bereits bei der Anfahrt sieht man die gestalteten Metallzelte mit geradlinigem Design. Den Eingang in das Gebäude muss man suchen. Eine kleine unscheinbare Tür führt uns zur Rezeption des Hotels. Die alten Gebäude strahlen außen in einem Cremeweiß mit roten Ziegeldächern, während im Inneren die Farbe schwarz vorherrscht. Neben dem Eingang gibt es einen kleinen rustikalen Salon in dem man seinen Aperitif einnehmen kann. Viel interessanter ist es allerdings, diesen Aperitif im Garten zu genießen. Neben den Zimmern in den alten Gebäuden gibt es im Garten verstreut mehrere separate „Hütten“.

    01 Unsere Hütte.jpg
    Über kleine verschlungene Wege gelangen wir in unsere Hütte. Die Natur verschluckt die Gebäude fast. Natürliche Materialien sind Trumpf. Von einer kleinen Terrasse aus hat man den ersten Blick in die Hütte. Von diesem Eingang geht es fünf kleine Stufen nach unten. Die Hütten sind nämlich ca. 1 m in die Erde eingegraben. Vom Bett aus hat man einen herrlichen Blick in die Natur. Hinter dem Bett sind die notwendigen Sanitäreinrichtungen angeordnet. Und das schöne dabei alles mit natürlicher Be- und Entlüftung. Das einzige Problem dabei ist, dass bei den Fenstern die Fliegengitter fehlen. Deswegen war es bei den herrschenden Temperaturen nicht ratsam die Fenster zu öffnen.
    Auch hier herrscht die Farbe schwarz vor. Der Betonfußboden ist unbehandelt und nur schwarz gestrichen. Die Wände sind zweigeteilt. Bis auf eine Höhe von ca. 1 m bestehen die Wände entweder aus Beton oder verputzten Mauerwerk und sind ebenfalls schwarz gestrichen. Da drüber erheben sich Holzrahmenbauwände die sowohl innen als auch außen mit naturbelassenem Holz verschalt sind. Auch das flach geneigte begrünte Dach besteht aus Holz. Ein interessantes Detail gibt es noch, nämlich die im Eingangsbereich eingelassene Badewanne. Qualität und Luxus bilden hier eine schöne Kombination. Das Gelände rund um die Gebäude ist auf der einen Seite sorgfältig gepflegt, auf der anderen Seite lässt man jedoch der Natur freien Lauf.


    Bilder: http://alwisgenussreisen.com/2015/07...pas-de-calais/
    Geändert von QWERTZ (18.07.2015 um 10:22 Uhr) Grund: Darstellung der Fotos optimiert

  2. #2
    Registriert seit
    19.12.2006
    Ort
    nahe Köln
    Beiträge
    126

    Standard

    Krasse Hütte(n) - aber zu essen gibt's nichts?

  3. #3
    calvados* ist offline Gourmet aus Leidenschaft Gourmet-Club Mitglied
    Registriert seit
    04.12.2006
    Beiträge
    323

    Standard

    Natürlich gab es auch etwas zu Essen. Bericht folgt.

  4. #4
    Registriert seit
    19.12.2006
    Ort
    nahe Köln
    Beiträge
    126

    Standard

    Zitat Zitat von calvados* Beitrag anzeigen
    Natürlich gab es auch etwas zu Essen. Bericht folgt.
    - Dann bin ich beruhigt und im richtigen Forum.

  5. #5
    calvados* ist offline Gourmet aus Leidenschaft Gourmet-Club Mitglied
    Registriert seit
    04.12.2006
    Beiträge
    323

    Standard

    La Grenouillere Restaurant

    Alexandre Gauthier verlässt ausgetretene Wege und bietet seinen Gästen stattdessen ungewohnte Aromen und außergewöhnlichen Kombinationen in seinen Menüs an. Erinnerungen kommen auf an Besuche bei René Redzepi vom „Noma“, an Kobe Desramaults vom „In de Wulf“ in Dranouter oder auch an Andree Köthe vom Essigbrätlein.

    Im lichtdurchfluteten Speisesaal nehmen wir den Aperitif (Champagner) ein. Das Angebot, diesen im wunderschönen Garten einzunehmen, lehnen wir ab. Die Temperatur im Speisesaal ist doch angenehmer. Der Speisesaal wirkt wie ein riesiges Festzelt aus Metall, Stahl, Kabeln, schwarzen Beton und breiten Panoramafenster. Diese gestatten einen Blick in den wunderschönen Garten. Auch die offene Küche ist von unserem Tisch einsehbar. 10-12 Köche arbeiten hier und genauso viele Personen sind im Service tätig.

    Die Tische, die mit Leder überzogen sind, sind großzügig im Raum verteilt. Man könnte leicht die doppelte Anzahl von Personen unterbringen. Die Tische sind sehr sparsam dekoriert. Was besonders auffällt, ist ein Laguiole Messer welches uns den ganzen Abend begleiten wird. Nicht nur zum bestreichen des Brotes, sondern auch für das Schneiden von Fisch und Fleisch wird es benötigt. Man merkt an solchen Kleinigkeiten, das Essen steht im Mittelpunkt und nicht die Dekoration.

    Die Amuses-Bouches stehen schnell auf dem Tisch. Eine dünne Scheibe Brot mit einer Kräutercreme, geräucherter Fisch auf einem Kräuterchip sowie ein Wachtelei in Algen eingehüllt, stimmen auf das nachfolgende Menü ein.

    Nach einem kurzen Blick auf die Speisekarte, diese wird auf „zerknitterten“ Papier ausgeteilt, entscheiden wir uns für das große elf Gang Menü sowie die begleitenden Weine.

    Wassermelone
    in einer rohen Lagoustine ist ein Stück Melone eingewickelt. Dazu eine kaum wahrnehmende Sauce von Lagoustine und am Tisch wird dann Melonenwasser ausgegossen.

    Als zusätzliche Überraschung wird eine Messermuschel mit Quark und Mandelpuder serviert.

    Erbsen
    junge frische Erbsen in den verschiedensten Zubereitungsarten und Texturen. Dazu Rucola, diese lagen auf einer kleinen Kugel Fischfarce. Diese war mit Erbsenpüree leicht grünlich gefärbt.


    Gegrillte Auster
    unter einem „Berg“ Salatkräutern versteckte sich eine hauchdünne Zucchinischeibe und da drunter dann die gegrillte Auster mit einem leichten Rauchgeschmack. Bei den Salatskräutern war erkennbar rote bzw. grüne Senfblätter, Kapuzinerkreise, Spinat und Blätter von der Karotte.

    Bohnen
    die gelben Bohnen waren auf den Punkt gegart und waren umhüllt von Kräutern. Dazu gab es eine Scheibe vom Kabeljau mit einer leichten Fischsauce.

    Kissen mit Brennnesseln ...
    Der zweite zusätzliche Gang bestand aus Brennnesseln auf einem Tablett voller Brennnesseln lagen versteckt zwei kleine grüne Polster. In einem sehr weichen Teig war die Füllung der Brennnesselcreme versteckt.

    Tintenfisch

    Ravioli
    der Nudelteig war recht dick geraten und gefüllt mit Eidotter und Käse, (Ziege?) dazu gesellte sich der intensive Geschmack von Kerbel.

    Wachtel
    unter einem Berg von hauchdünn gehobelt Champignons lag die auf den Punkt gegarte Wachtelbrust. Die Schenkel wurden separat in einer kräftigen Sauce serviert.

    Dessert
    Als Auftakt der Desserts, wurde eine Bienenwabe auf den Tisch gestellt. Die Servicekraft hobelte ein Stück Honig aus der Wabe, legte diesen auf einen kleinen Löffel und goss ein wenig Zitronensaft darüber. Einfach, genial und erfrischend.
    Um das Ganze abzurunden wurde zu den Desserts hausgemachter Met serviert.
    Bei den nachfolgenden Desserts schwächelte die Küche doch erheblich. Roher Rhabarber auf einem Art Eierstich, Baba mit einer undefinierbaren Kräutermischung sowie Kirsche umhüllt mit einem Gelee und frischen Mandeln hatten dann doch nicht die Klasse der vorhergehenden Gänge.

    Fazit: Alexandre Gauthier bietet fernab aller Großstädte eine interessante saisonale und regionale Küche. Schwerpunkte sind Kräuter und Gemüse in allen Zubereitungsarten. Fleisch und Fisch spielen nur Nebenrollen. Lediglich bei den Desserts gab es nach unserer Auffassung leichte Schwächen. Der war ohne Fehl und Tadel.

    Bilder: http://alwisgenussreisen.com/2015/07...re-restaurant/

    PS: Ich hoffe bernard ist zufrieden.

  6. #6
    Registriert seit
    19.12.2006
    Ort
    nahe Köln
    Beiträge
    126

    Standard

    Zitat Zitat von calvados* Beitrag anzeigen
    PS: Ich hoffe bernard ist zufrieden.
    Nicht, dass das relevant wäre, aber ja, vielen Dank für den Bericht! Ich hatte zunächst "Sorge" es ginge nur um eine Unterkunft. Schön hier im Forum auch Berichte jenseits der Zentren zu lesen. Könnte für eine der nächsten Urlaubsplanungen sehr hilfreich sein (die Hütte vielleicht auch ).

  7. #7
    calvados* ist offline Gourmet aus Leidenschaft Gourmet-Club Mitglied
    Registriert seit
    04.12.2006
    Beiträge
    323

    Standard

    Alexandre Gauthier hat endlich den wohlverdienten zweiten Stern im Guide Michelin France 2017 erhalten.

  8. #8
    glauer ist offline Leidenschaftlicher Gourmet mit Profession
    Registriert seit
    14.12.2006
    Beiträge
    1.234

    Standard

    Zitat Zitat von calvados* Beitrag anzeigen
    Alexandre Gauthier hat endlich den wohlverdienten zweiten Stern im Guide Michelin France 2017 erhalten.
    In der Tat. Das war wirklich mal ein Fall wo die Bewertung so gar nicht mit meiner Erfahrung zusammenpasste.

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •