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Thema: Steinheuer; Bad Neuenahr-Heppingen

  1. #31
    merlan ist offline Leidenschaftlicher Gourmet mit Profession Gourmet-Club Mitglied
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    Das nenne ich doch mal eine Steilvorlage, lieber QWERTZ! Da sitzen wir gemütlich in unserem Hotelzimmer bei den Steinheuers, freuen uns auf den Abend im Gourmet-Restaurant, ich blättere im Forum und ihr aktueller Bericht poppt auf! Ich bin hin und her gerissen; ich giere danach, ihn zu lesen; aber nein, ich möchte uns überraschen lassen, möchte unvoreingenommen an das Menü herangehen und … schalte das Tablet aus! Was für eine Disziplin!

    Nun muss ich sagen, dass das Haus der Steinerheuers für uns nicht neu ist. Wir kennen es seit Anfang der 90er Jahre und haben die Entwicklung von Hans Stefan Steinheuer wohlwollend und bewundernd mitverfolgt. Wir sind bei den verschiedenen Besuchen nie enttäuscht worden, haben ihn aber in den letzten Jahren ein bisschen aus den Augen verloren, zumal er ja ein eher Stiller in der Riege unserer Spitzenköche ist. Der Geburtstag meiner Frau sollte aber Anlass genug sein, uns mal wieder auf den Weg an die Ahr zu machen.

    Wir haben weitgehend das Menü gegessen, das auch am Gourmet-Club-Abend serviert wurde: Hans Stefan Steinheuer nennt es „Menü Tradition“ und stellt es neben sein aktuelles „Herbst-Menü“ zur Wahl. Die Anzahl und Zusammenstellung der Gänge überlässt er ebenfalls seinen Gästen und legt schon gleich zu Anfang ein Kärtchen auf den Tisch, auf dem die Appetizer und das Amuse gueule aufgelistet sind. Ein schöne Geste, da es doch meist schwerfällt, die Einzelheiten zu behalten, wenn mehrere „Grüße“ aus der Küche kommen. Und derer serviert Steinheuer gleich vier und zwar solche von der komplexeren Sorte. Der Reiscracker ist mit Krabben und Limette bestückt, die Saiblingsroulade mit Artischocken und Schabziger Klee, das gebeizte Rind mit Kapernäpfeln und einer wunderbaren Remoulade. Besondere Erwähnung verdient auch der Aal aus dem Laacher See, der von einer Kohlrabi-Variation begleitet wurde.

    Schon dieser Einstieg zeigt, dass der gute Steinheuer einen nicht geringen Aufwand betreibt, um seine Gäste in Stimmung und auf den Geschmack zu bringen. Hier ist alles bis in den letzten Tupfen wohlaustariert und so intelligent zusammengestellt, dass alle Geschmackssensoren angesprochen sind. So macht man Lust aufs Essen!

    Wir waren besonders begeistert von der Gänseleber mit Madeira und Olive, weil dies fast ein „herber“ Gänseleber-Gang war, der von dem wunderbaren Spiel der Olive mit der zurückhaltenden Süße des Madeira geprägt war. Ein perfekt kurz gebratenes Stück Leber mit einem cremigen Terrinen-Türmchen und einer zartschmelzenden Leberkugel, die mit Madeira gefüllt war. Sensationell!

    Das glasierte Kalbsbries wurde mit zweierlei Karotten, Kalbskopf-Würfeln und einem Kalbskopf-Cracker serviert. Das Ganze war einfach nur schlotzig, wohlschmeckend, großartig!

    Die Seezunge mit Blumenkohl und Macisbutter war dagegen eher unauffällig, vielleicht aber auch nur die „sensorische Erholungsphase“ für das hervorragende Eifler Reh und das Dessert vom Weinbergpfirsich.

    Mohnkalb hat das schon ganz treffend formuliert, wenn er sagt, dass „Steinheuers Restaurant wohl zu den meist unterschätzten Top-Adressen der Republik gezählt werden muss.“ QWERTZ schreibt, dass „das klassische Fundament der Küche stark und prägend ist, aber immer wieder stimmig eingesetzte aromatisch außergewöhnliche Elemente einen überraschenden Akzent setzen.“ Besser kann man es nicht formulieren und damit feststellen, dass Steinheuer verlässlich seiner klassisch basierten Küche treu bleibt, aber durchaus moderne Entwicklungen aufgreift, wenn sie denn zu seinem soliden Stil passen.

    Im Restaurant lässt es sich wohlfühlen. Der Service unter Leitung der beiden Steinheuer-Damen (Mutter und Tochter) ist professionell und hochkonzentriert; unter dieser Anspannung leidet vielleicht etwas die persönlich-herzliche Ansprache des Gastes. Wenn Hans-Peter Steinheuer spätabends die Runde macht, dann merkt man auch ihm die Anstrengung des Tages an (schließlich hat er am Wochenende mittags und abends geöffnet und auch noch die rustikaleren Poststuben zu beschicken); und so geht er freundlich nickend, nur ein paar Worte wechselnd von Tisch zu Tisch, um möglichst schnell wieder in sein Revier, die Küche, zurückzukehren.

    Fazit: Steinheuers „Zur alten Post“ rangiert zu Recht in der Spitzengruppe der deutschen Restaurants und ist ruhig des Öfteren einen Kurz-Trip wert! Wir wollen das sympathische Haus jedenfalls nicht so schnell wieder aus den Augen verlieren.

    Schönen Gruß, Merlan
    Geändert von merlan (20.11.2016 um 19:23 Uhr)

  2. #32
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    Vielen Dank, lieber Merlan, für die Ergänzungen und Erweiterungen zu meinen Eindrücken!

  3. #33
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    Hierher musste ich unbedingt bald wiederkommen! Nach meinem ersten Besuch überhaupt bei Steinheuer im letzten Juni war das Restaurant für mich dieses Jahr wieder „gesetzt“. Anfang März war es jetzt soweit... Das Brot im Brotkorb ist durchweg ausgezeichnet, auch eine sehr gute Brioche taucht zum ersten Gang auf. Die Weinkarte bietet viel Bekanntes mit Schwerpunkten Deutschland und Frankreich zu noch fairen Preisen, natürlich auch regionalen Stoff. Aber ich habe mich nicht getraut, einen Weißen von der Ahr zu trinken, irgendsoeinen Blanc de Noir. Taugen die was? Die Steinheuer-Damen sorgten indessen für einen entspannten Service.

    Das „Menü Tradition“ startet mit drei Häppchen: Reiscracker mit Limette und Büsumer Krabbe; Saiblingsravioli mit Schabziger Klee; Auster mit Curry und Apfel. Alle sehr fein und prägnant. Als Amuse gab es zwei feine Zylinder. Ein Zylinder mit Zwiebelcreme, und einer mit Creme Fraiche, Rindertartar und einer Jahrgangssardine. Großartig lecker!

    Gänselebervariation mit Madeira und Olive
    Merlan hat den Gang oben schon perfekt beschrieben. Dezente Süße, Herbheit, aber auch eine gewisse Salzigkeit sind hier im Spiel. Die ausgefeilte Aromenkombination bereitet große Freude. Wahrlich ein herausragender Foie gras-Gang!
    Froschschenkel mit Süßkartoffel und glasiertem Tardivo
    Eine originelle Weise, die winzigen Hinterbeine zu servieren. Die zurückhaltende Süße verbindet sich prima mit den Bitternoten des Raddichio.
    St. Pierre mit Schwarzwurzeln und Sepia
    Black in black. Aber von Schwarzwurzeln muss man gedanklich erst mal auf schwarze Tinte kommen. Geschmacklich geht das ausgezeichnet zusammen. Tolle Fischqualität.
    Geräuchertes Eigelb mit gefüllten Maccaroni, Champignons und Lapsang Sud
    Ein harmonischer Knaller, der auch optisch witzig ist, denn die rohen Pilze verdecken den wahren Kern des Gerichts zunächst.
    Lammrücken und Schulter mit Artischocken, Bohnen und Chicorée
    Klassisch & einfach köstlich.
    Rohmilchkäse vom Wagen
    Waltmann, Spielweg, Antony...hier bleiben keine Fragen offen. So ein Käsewagen ist Weltklasse.
    Pré-Dessert: exotischer Schaumkuss
    Ein Kussmund, der im Mund zerplatzt und überraschend Beerenaromen freigibt. Handwerklich perfekt gemacht und proportioniert. Sehr lecker.
    Schokoladenkugel mit Griottine Sorbet und mazerierten Früchten

    Ein klasse Dessert, das Komplexität und Wohlgeschmack zusammenbringt.

    Alle Gänge setzten auf Vertrautes und gewinnen diesem noch eine originelle Wendung ab. Und durch die große Harmonie der Aromen schmecken sie alle einfach sehr sehr gut. Das hohe Niveau wird wie selbstverständlich über das gesamte Menü gehalten.

    Abschließend noch feine Pâtisserie zum Thema „Earl Grey und Yuzu“: Schokoladen-Yuzu-Diamant; Giwara Kakao Praline mit Earl Grey; Earl Grey Canneles; Yuzu-Praline; Operaschnitte von Earl Grey und Yuzu.

    Fazit: Dieses Mal hat es mir noch besser gefallen. Steinheuer ist für mich eine Reise wert. Ausgefeilte Harmonien, sehr gute Produkte und zeitgemäß-klassische Gerichte, die schmeckbar auf großer Erfahrung, Intelligenz und Neugierde beruhen. ESSEN SIE HIER!

  4. #34
    Tobler ist offline Leidenschaftlicher Gourmet mit Profession Gourmet-Club Mitglied
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    Ich darf hinzufügen, dass auch Herrn Steinheuers Kochschule äußerst empfehlenswert ist. Besonders der zweitägige Kurs hat einen vergleichsweise hohen Mitmachfaktor. Beeindruckend außerdem, wie konzentriert und ruhig es in seiner Küche zugeht. Hier hat einer, so tiefenentspannt wohl ob seiner großen Erfahrung, alles bestens im Griff (und war sich seinerzeit nicht einmal zu schade, sich um den kaputten Fernseher im Zimmer zu kümmern)! Herr Steinheuer ist eine, wie ich finde, besonders beeindruckende Persönlichkeit unter den Großen seines Fachs. Schön, dass Sie auch dessen Kochkunst so genossen haben, werter Mohnkalb!

  5. #35
    malbouffe ist offline Leidenschaftlicher Gourmet mit Profession
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    Lieber M.,

    dein Bericht macht wirklich große Lust, mal wieder zu Steinheuer zu fahren. Mein letzter Besuch an der Ahr (wohlgemerkt nicht bei Steinheuer) war da eher abtörnend. Zu deiner Frage: In der Weinbegleitung des damals besuchten Restaurants gab es denn auch zwei Ahr-Weißweine, die kurioserweise schon mit dem Hinweis eingeschenkt wurden, man sei halt keine Weißweingegend. Sie sind auch nicht besonders in Erinnerung geblieben.
    Zufällig fand ich vor zwei Tagen aber ein schönes Erinnerungsfoto wieder - die bessere Hälfte, etwas konsterniert blickend, Seit an Seit mit Heino.
    Geändert von malbouffe (17.03.2017 um 10:18 Uhr)

  6. #36
    merlan ist offline Leidenschaftlicher Gourmet mit Profession Gourmet-Club Mitglied
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    Es freut mich sehr, dass das Haus Steinheuer seit Mitte letzten Jahres auch in diesem Forum verdientermaßen mehr Beachtung findet.
    Ein besonderer Dank an Mohnkalb für das Update, das wieder richtig Lust macht, an die Ahr zu fahren.

    Schönen Gruß, Merlan

    PS: Dass es in der Küche konzentriert und ruhig zugeht und Herr Steinheuer sich in seinem familiär geführten Hotel bei Bedarf auch um das Funktionieren der Technik kümmert, was T. offenbar so beeindruckt hat, scheint mir eher eine Normalität und Selbstverständlichkeit zu sein.
    Geändert von merlan (17.03.2017 um 19:48 Uhr)

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